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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1896,
Stürmische Winde über größerem Gebiete traten auf aus SW-—W,
Stärke 8 bis 9, am 5. an der Küste westlich der Oder, am 6. an der ganzen
Küste und am 7. an‘ der mittleren und östlichen Ostsee, aus NE—SE, Stärke 8
bis 10, am 14. an der Ostsee, und aus SW, Stärke 8, am 25. an der nördlichen
Nordsee sowie an der Nordsee am 29.
Von den Windrichtungen traten die Richtungen SW bis SE an Häufigkeit
bedeutend hervor. “r
Nachdem am 1. und 2. auf der Südseite eines SW—NE über Centraleuropa
gestreckten Rückens hohen Druckes an, der Küste: vielfach heiteres Wetter bei
leichten Winden aus östlichen Richtungen bestanden hatte, wich der hohe Druck
nach Süden zurück, während sich die im Nordwesten lagernde Depression süd-
wärts ausbreitete. Es traten südwestliche Winde ein, welche, gelegentlich bis
SE zurückdrehend, bis zum 11. im Bereich von Depressionen anhielten. Bis
zum 7, lag das Centrum niedrigen Druckes nordwestlich von den Britischen Inselu;
als am 7. bis 9. ein tiefes Minimum im Westen dieser Inseln vorüber nach dem
Norwegischen Meere schritt, gewann das im Osten über Westrussland lagernde
Maximum vorübergehend Einflufs auf den Kontinent und brachte eine kurze Unter-
brechung der regnerischen Witterung; diese führte ein am 10. von Südengland
nach dem Kattegat dringendes Minimum wieder herbei.
Bei starkem Steigen des Druckes im Westen Grofsbritanniens herrschte
am 12. über Centraleuropa gleichmäßig vertheilter niedriger Druck, Am 13.
entwickelte sich jedoch ein Hochdruckgebiet über Skandinavien, welches am 14.
starke nordöstliche und östliche Winde an der Küste hervorrief, durch seine
Wechselwirkung mit einer das Innere des Kontinents bedeckenden Depression.
Während am 14. bis 16. das Maximum sich südostwärts nach Westrussland
zurückzog und die Depression über dem Kontinent sich westwärts nach Frank-
reich verlagerte, schwächten die Winde ab und gingen nach Südost herum.
Ein am Abend des 17. über der Nordsee erschienenes Minimum gewann
rasch an Tiefe und dehnte seinen Einflufs am 18. über ganz Europa aus, dann
schritt es südwestwärts nach Südengland unter dem Kinflufs starker nördlicher
Winde auf seiner Rückseite und lag noch in wenig veränderter Lage als am
20. und 21. ein Minimum von Nordwestösterreich her durch die Ostsee nord-
wärts nach. Lappland zog, welches auf dem Wege an Tiefe und Umfang rasch
zunahm und am 21. an der ostpreufsischen Küste starke südwestliche Winde
hervorrief. Im Uebrigen wehten während dieser Zeit meist schwache südwest-
liche und südliche Winde, die auch noch am 22. und 23. im Bereich einer nach
Centraleuropa gestreckten Ausbuchtung der im Norden lagernden Depression
anhielten.
Am 24. gewann eine im Nordwesten erschienene Depression zunächst
Einflufs auf das Nordseegebiet und beherrschte bis zum 28. die Küste bei süd-
westlichen und südlichen, an der Nordsee stellenweise stürmischen Winden; ein
vom Abend des 25. bis zum Abend des 27, über der Nordsee lagerndes Theil-
minimum schritt am 28. nach Nordskandinavien fort.
. Schneller und mehrfacher Wechsel der Witterung vollzog sich in den
letzten Tagen, indem ein am Abend des 28. über Südfrankreich lagerndes Minimum
anter Zunahme an Tiefe und Umfang am 29. über Süddeutschland durch: den
Kontinent nordwärts fortschritt und an diesem Tage am Morgen lebhafte nord-
östliche Winde, am Abend im Osten südöstliche, im Westen südwestliche Winde
herbeiführte, die an der Nordsee stellenweise Sturmesstärke erreichten. Dieser
Wirbel erfuhr eine merkwürdige Veränderung, indem er sich theilte und ein
Minimum durch die Nordsee, ein zweites durch die Ostsee entsandte; diese füllten
sich bald aus und verloren ihren Einflufs auf unser Gebiet.
Bei der Ausbreitung einer über der Biscaya-See liegenden Depression über
dem Kontinent traten am 31. südöstliche Winde an der Küste ein und führten
im Osten etwas Aufklaren und Abnahme der Temperatur herbei.
Berichtigung.
1896, Heft VII, S, 292, Zeile 17 von oben, lies: „stellvertretender Kommandant Kapt.-Lieut.
Franz Grapo.w.“ statt „Kommandant Kapt.-Lient. Faber“