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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Ebsen: Azimuth-Tabellen. 
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Azimuth-Tabellen, enthaltend die wahren Richtungen der Sonne 
für Intervalle von 10 Zeitminuten zwischen den Breitenparallelen 
von 70° Nord bis 70° Süd. 
Berechnet von JULIUS EBSEN, Königlichem Navigationslehrer. 
Hamburg. Verlag von Eckardt & Mefstorff. 
Die zur Ableitung des wahren Azirhuths der Gestirne an Bord der deutschen 
Schiffe bislang fast ausschliefslich benutzten Azimuthtafeln von Burdwood und 
Davis, oder Labrosse leiden, so trefflich und zuverlässig sie sonst sind, an 
folgenden Mängeln: - 
1. Dieselben sind nur zu verwenden zwischen den Breiten 60° Nord bis 
60° Süd, reichen also bei Fahrten nach den nördlichen Gegenden Skandinaviens 
and Russlands nicht aus. ; 
2. Die Tafeln von Burdwood und Davis geben das wahre Azimuth für 
jede 4 Minuten wahrer Zeit und sind daher recht umfangreich; außerdem sind 
sie in zwei Bänden veröffentlicht, deren einer, von Davis berechnet, für die 
Breiten unter 30° gilt, der andere, von Burdwood berechnet, für Breiten über 
30°. Das gesuchte Azimuth ist in diesen Tafeln in Graden und Minuten gegeben. 
Es ist leicht einzusehen, dafs hierdurch die Interpolation aus diesen Tafeln etwas 
schwierig ist. 
3. Die Tafel von Labrosse hat als Argument die Zeiten, welche einem 
bestimmten Azimuth, von zwei zu zwei Graden gegeben, entsprechen. Dieses 
Argument schreitet daher nicht in gleichen Intervallen fort; auch kann das- 
selbe, da es die Stelle des sonst für den Tafelwerth bestimmten Raumes ein- 
nehmen mufs, nur einmal gegeben werden, und ist daher nur für wahre Zeiten 
vormittags gegeben. Bei Entnahme des Azimuths für Zeiten nachmittags mufß 
man daher erst das Supplement der Zeit bilden. Auch bei dieser Tafel ist 
daher die Interpolation etwas erschwert, ebenso ist die Tafel noch recht 
umfangreich, obgleich sie nur bis zu Breiten von 61° reicht. 
In der uns vorliegenden Tafel ist das Bestreben des Herrn Ebsen nicht 
zu verkennen, diesen Mängeln abzuhelfen. Er hat die Tafel bis zu den Breiten 
70° ausgedehnt, so dafs dieselbe jetzt, abgesehen von den Fahrten um das 
Nordkap, in allen anderen Fällen für den Schiffsgebrauch ausreicht. Die Argumente 
bilden wahre Zeit und Deklination des Gestirns (letztere bis zu 24° gehend). 
Das erstere ist sowohl für Vor- als Nachmittagszeiten gegeben und schreitet 
von zehn zu zehn Minuten fort. Hierdurch wird bei unserem zehntheiligen Zahlen- 
system die Interpolation erleichtert, ohne dafs der Genauigkeit Abbruch geschieht. 
Für den praktischen Gebrauch auf See ist ein Hauptvortheil der Ebsenschen 
Tafel die Angabe des Azimuths auf Zehntelgrade statt auf Minuten, welche eine 
wesentliche Erleichterung für die Interpolation bietet. 
Die Ebsensche Tafel hat kaum den vierten . Theil des Umfanges der 
Labrosse- und Burdwood-Davisschen Tafeln, dieselbe zeichnet sich dabei 
durch sauberen, dem Auge wohlthuenden Druck (größere und fettere Ziffern) 
vortheilhaft vor den letzteren aus. 
Beschränkung der Tafeln auf einen so geringen Umfang ist dadurch 
erreicht: 
1. Dafs die Azimuthe nur für die Zeiten von 4'a bis 8 p gegeben sind. 
Der Umstand, dafs die Amplituden daher nicht immer direkt aus denselben ent- 
nommen werden können, was bei den anderen genannten Tafeln der Fall ist, bildet 
keinen nennenswerthen Nachtheil. 
2. Namentlich aber dadurch, daß das Argument „Deklination“ nur von 
zwei zu zwei Grad, statt, wie in den anderen Tafeln, von ein zu ein Grad 
gegeben ist. 
Wird auch hierdurch die Interpolation etwas erschwert, so wird das doch 
durch die leichtere Interpolation mit Zehntelgraden und Zehnminuten-Intervallen 
aufgehoben. 
Man kann indefß der Ansicht sein, dafs die Tafel bei den Seeleuten leichter 
eine allgemeine Einführung finden würde, wenn das Argument „Deklination“ vov
	        
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