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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1896, 
die Störung der Wasseroberfläche durch Wellenbildung, zu deren 
Erzeugung Kraft nöthig ist, besonders da diese Wellen sich bei 
jeder Schwingung neu bilden, Dieser Faktor ist abhängig von 
der Form des Schiffes, 
Hätte z. B. das Schiff eine cylindrische Form, so käme überall nur 
Reibungswiderstand in Betracht; solch ein Fahrzeug läfst sich unter Annahme 
der gleichen Schwerpunktslagen fraglos leichter überneigen als ein anderes, 
welches eine Querschnittsform hat, welche jene beiden anderen Faktoren, den 
direkten und den wellenbildenden Widerstand, mit in Wirksamkeit treten läfst. 
Ganz besonders ist aber noch auf Stabilität zu sehen, wenn es sich darum 
handelt, ein Fahrzeug noch seefähig zu halten, nachdem es ein Leck bekommen. 
Es genügt nicht allein, dafs das Fahrzeug noch genügende Reserveschwimmkraft 
hat, sondern es mufs auch, auf der lecken WL schwimmend, noch stabil sein. 
Die hierbei in Betracht kommenden Verhältnisse sind die folgenden: Wenn ein 
Fahrzeug ein Leck bekommt, also wenn ein Raum zwischen zwei Schotten voll 
Wasser läuft, so ergiebt sich, dafs das totale Gewicht des Fahrzeuges jetzt von 
den beiden dichtbleibenden Theilen des Schiffes, dem Theil vor dem lecken Raum 
und dem Theil hinter dem lecken Raum, also gewissermafsen von den beiden 
Pontons, getragen werden muß, Das Deplacement desjenigen Raumes, welcher 
leck wird, mufs ersetzt werden durch die Reserveschwimmkraft der beiden dicht- 
bleibenden Theile des Schiffes. Nimmt man nun an, es finde zum Ersatz dieses 
verloren gegangenen Deplacements zunächst eine mit der früheren Schwimmlage 
parallele Tiefertauchung des Fahrzeuges statt, so hat man folgenden Zustand 
des Schiffes: 
1. der System) des Schiffes bleibt der Länge und Höhe nach an 
seiner Stelle liegen, wenn man absieht von einer etwa im lecken 
Raum befindlichen Ladung, 
der DeplacementsC) aber rückt bedeutend nach dem Schiffsende 
hin, welches dem Leck entgegengesetzt liegt, also nach hinten, 
wenn vorn ein Raum leck wird, und nach vorn, wenn hinten sich 
das Leck befindet. 
Mithin liegen also, eine vorläufige parallele Tiefertauchung vorausgesetzt, 
jetzt die beiden Schwerpunkte G und F nicht mehr senkrecht übereinander, 
sondern befinden sich in einem bestimmten Abstande voneinander, Schwerkraft 
und Auftrieb decken sich nicht mehr, bilden also ein Drehmoment gleich Schiffs- 
gewicht mal Abstand der beiden Kraftrichtungen, mithin wird das Fahrzeug unter 
der Einwirkung dieses Drehmomentes sich so lange vorne bezw. hinten in das 
Wasser senken und am anderen Ende ausheben, bis das Deplacement, bestehend 
aus der Summe der Deplacements der beiden dichten, tragenden Schiffstheile, 
eine solche Form bei konstant bleibender Gröfse angenommen hat, dafs der 
Deplacements@) F wieder lothrecht unter dem System) G liegt, also Auftrieb 
and Schwerkraft sich decken. Man hat dann also eine Gleichgewichtslage. Nun 
ist zu untersuchen, ob diese Gleichgewichtslage eine stabile ist, und dies geschieht 
dadurch, dafs man für die endgültige Schwimmebene das transversale Trägheits- 
moment bestimmt, dabei aber berücksichtigt, dafs die neue Schwimmebene aus 
zwei voneinander getrennten Stücken besteht, da ja das Theil, welches zwischen 
den Schotten des lecken Raumes liegt, nicht mit stützt. Dieses Trägheitsmoment, 
dividirt durch das konstant gebliebene Deplacement bis zu jener geneigten 
Schwimmebene, giebt dann nach dem Früheren das Mafs MF, Abstand des 
Transversal-Metacentrums M vom Deplacements(); und nun ist zu konstatiren, 
dafs M noch um ein endliches Mafs oberhalb von G liegt, damit die schräge 
Schwimmlage des lecken Schiffes auch eine stabile ist. Trifft Letzteres nicht zu, 
liegt M unter G, so hat man die Schotten dichter zu setzen, also den lecken 
Raum so zu verkleinern, dafs auch bei seinem Volllaufen keine Gefahr für das 
Wegsinken oder Kentern des Fahrzeuges entsteht. Im Auftrage der Regierung 
werden augenblicklich vom „Germanischen Lloyd“ genaue Vorschriften über 
diese Schotteneintheilung zur Erhöhung der Schwimmfähigkeit speciell der 
Passagierdampfer ausgearbeitet und wohl in nächster Zeit veröffentlicht, so dafs 
dadurch .die Sicherheit des Betriebes auf See auch nach dieser Seite hin wesent- 
lich erhöht ‚werden wird.
	        
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