accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

514 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1896. 
radius, sehr grofs, und deshalb kann es vorkommen, dafs solche Schiffe in See 
recht unangenehme Schlingerbewegungen machen und sehr stark überholen, wie 
lies bei einigen neueren englischen Panzern der R-Klasse, speciell bei der 
„Resolution“ auf ihrer Fahrt im Biscayischen Meerbusen sich zeigte. - Aeufserst- 
günstig liegen dagegen die diesbezüglichen Verhältnisse bei unseren grofsen 
Panzerschiffen der „Brandenburg“-Klasse, bei denen nicht nur eine äußerst grofse 
Seefähigkeit gewahrt ist, sondern auch die Bewegungen in See .trotz der Gröfse 
und Schwere der Schiffe sehr angenehm sind. 
Bezüglich ihrer Schlingerbewegungen unterliegen die Schiffe folgendem 
Gesetz: „Die Zahl der in der Zeiteinheit gemachten Schwingungen ist unabhängig 
vom Ausschlagswinkel, also bei jedem Fahrzeug nahezu konstant, ein Schiff 
schwingt nahezu isochron.“ 
Läfst man z. B. Mannschaften von der einen Schiffsseite nach der anderen. 
gleichmäfsig hinüberlaufen, so setzt man dadurch das Fahrzeug in Schwingungen, 
die jedoch bei einer bestimmten Anzahl von Leuten über ein bestimmtes Winkel- 
mals nicht hinausgehen. Wenn man nun beobachtet, wie viel Schwingungen das 
Schiff in der Minute macht, und dann das Fahrzeug ausschwingen läfst, so ergiebt 
sich, dafs das Fahrzeug nahezu isochron schwingt, also z. B. zu einem Bogen 
von 30° gerade so viel Zeit braucht wie zu einem von 4°. Sehr eingehende 
Versuche machte in dieser Richtung Froude mit dem englischen Panzer „Sultan“. 
Die Zeit nun, welche ein Fahrzeug braucht, um solch eine Schwingung aus- 
zuführen, nennt man die natürliche Periode des Schiffes. ; 
Ganz ähnlich kann man die Bewegung der Wellen, hauptsächlich der 
Dünungen, betrachten. Auch für diese Wellen gilt nach den bis dato gebräuch- 
lichsten Theorien, dafs sie eine bestimmte Zeit brauchen, um eine Schwingung 
zu vollführen. Diese Periode der Wellen nun, die von verschiedenen Faktoren 
abhängt und die mehrfach beobachtet wurde, zuletzt noch durch Herrn Dr. Schott 
1891/92 auf den grofsen Segelschiffen der Rickmers-Rhederei „Peter Rickmers“ 
and „Robert Rickmers“, scheint im Allgemeinen in den verschiedenen Meeren 
sine bestimmte Länge nicht zu überschreiten. Für ein Schiff, welches sich 
in solchen Wellen befindet, ist die ungünstigste Lage stets die, wenn es quer zu 
Jen Wellen liegt, und die Gefahr des Kenterns ist die gröfßste, wenn es sich in 
Wellen befindet, deren Periode, von Kopf zu Kopf gemessen, gleich der natür- 
lichen Schwingungsperiode des Schiffes ist, denn dann unterstützt eine Bewegung 
die andere. Infolgedessen wurden von Rankine, der seitens der englischen 
Regierung mit der Untersuchung der Stabilitätsverhältnisse der englischen Kriegs- 
schiffe nach dem Untergang des nach dem Niederbordsystem gebauten Monitors 
„Captain“ betraut wurde, bezüglich der Stabilitätsverhältnisse folgende zwei 
Hauptbedingungen aufgestellt: , 
l. dafs die natürliche Periode des Schiffes und die Periode der Wellen 
verschieden sei, und zwar müsse die Periode des Schiffes gröfser sein als die 
Periode der gröfsten Wellen, welche das Schiff etwa treffen können, 
2. dafs die Stabilitätskurve sich mindestens über 39° erstrecke, dal also 
die Stabilität frühestens bei 39° zu Ende sei, ein Winkel, welcher später auf 
50° ausgedehnt wurde. 
Geht man nun noch einen Schritt weiter und nimmt ein Schiff mit Segeln 
an, in welche der Wind horizontal von der Seite einfällt, so ist ganz klar, dafs 
sich das überneigende Moment des Windes für 
die einzelnen Ueberneigungswinkel « bestimmt 
durch den Ausdruck 
P-S-h-cos!a 
worin P den Winddruck pro Flächeneinheit, 
S das Segelareal, h den Abstand des Segel&) 
_ von der CWL und « den Ueberneigungswinkel 
90” bedeutet. 
| \ Trägt man sich also eine Kurve derart 
Fig. 3. auf (Fig. 3), dafs man die Absecissenachse in 
Grade theilt, dafs aber die Ordinaten nach dem cos? varliren, so ergiebt diese 
Kurve, in dem entsprechenden Ma[sstabe gemessen, jedesmal das überneigende Moment 
des Windes, Die Fläche der Kurve repräsentirt sodann die Arbeit des Windes. 
Va
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.