Flamm: Ueber Stabilität von Schiffen.
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hilft man sich beim Verholen leerer Schiffe, speciell grofser Segelschiffe, die ja,
wenn sie leer sind, wie eine Blase auf dem Wasser liegen, dadurch,. dafs man
auf beiden Seiten längsseits Masten anhängt, die von Deck aus bis‘ zur‘ Wasser-
linie herabhängen und die den Zweck haben, das Schiff zu stützen. Denn neigt
es sich nach einer Seite über, so tauchen die an dieser Seite hängenden Balken
ins Wasser und schwimmen, ziehen also nicht mehr an ihren nach Deck reichenden
Befestigungstrossen, wäbrend die Balken an der anderen Seite: aus dem Wasser
gehoben werden, also ein namhaftes Uebergewicht an der .austauchenden Seite
ergeben, mithin den System) G nach der austauchenden Seite hinüberziehen und
somit wiederaufrichtend wirken. Hat man nicht genügend derartige Masten an-
gebracht, so kann leicht ein Kentern des Schiffes eintreten, wie der Fall
der im Jahre 1892 im Hamburger Hafen gekenterten „Erato“ gezeigt hat,
Dafs solch leere Segelschiffe meist einer derartigen Unterstützung bedürfen, Hegt
daran, dafs bei dem hoch auf dem Wasser liegenden Schiffe mit der hohen,
grofsen Takelage, selbst auch wenn, wie das meistens geschieht, die Stengen
gestrichen werden, der System(°) G sehr hoch über Wasser liegt, dafs ferner der
DeplacementsC) F sehr tief liegt, da ja nur unten sich das Deplacement befindet,
und dafs schliefslich das Trägheitsmoment der tief am Schiffe liegenden WL nicht
allzugrofs ist, infolgedessen auch das Mafs MF nicht entsprechend grofs:. wird,
also M sehr nahe an G herankommt, mithin MG sehr klein ist. Allerdings hat
der Konstrukteur es sehr in der Hand, durch geschickte und zweckmäfßige Form-
gebung auch dem leeren Schiffe ein gutes Mafs von Stabilität zu ertheilen, so
dafs das Fahrzeug, auch wenn es leer liegt, noch sicher steht; eine Firma, ‘die
hierin, wie ja auch in den anderen Arbeiten auf schiffbautechnischem Gebiete
sehr Hervorragendes leistet, ist die Hamburger Firma Blohm & Voss,
Ein anderes Mittel zur Erhöhung der Stabilität eines Fahrzeuges besteht
in der Einnahme von Ballast, weil. dadurch der System@) gegenüber dem De-
placements@) hinuntergezogen wird, ein Mittel, welches bekanntermafsen in der
Praxis am häufigsten zur Anwendung kommt, aber naturgemäfs mit einer Tief-
gangsvergrößerung verbunden ist. Man sieht also aus dem bisher Gesagten, dafs
alle Stabilitätsverhältnisse wesentlich abhängig sind von der gegenseitigen Lage
der drei Punkte im Schiffe:
Deplacements(),
System),
Metacentrum,
Bevor nun in die eigentliche Betrachtung der hauptsächlichen Stabilitäts-
verhältnisse des Schiffes in See und des lecken Schiffes übergegangen wird, sind
noch ein Paar Sätze über allgemeine Sta-
bilitätsverhältnisse anzugeben.
ii. Das Gleichgewicht eines schwim-
menden Körpers ist stabil oder unstabil, je
nachdem die Entfernung des System) vom
Deplacements(-) ein Minimum oder Maximum
ist, natürlich bezogen auf die benachbarten
Lagen:
stabil, wenn GF <GF, und GF,,
anstabil, wenn GF => GF, und GF,.
2. Die Anzahl der Gleichgewichts-
Jagen, welche ein schwimmender Körper
von unveränderlichem Volumen annehmen
kann, ist stets eine geradzahlige, und zwar
ist die Hälfte derselben stabil, die andere
Hälfte unstabil, und sie wechseln derart
miteinander ab, dafs auf eine stabile stets
eine unstabile folgt. .
3. Die Anzahl der Gleichgewichts-
lagen ist gleich der Anzahl Normalen, die ;
man von seinem System) aus auf seine DeplacementsC)kurve fällen kann; es
kommt hierbei also auf die Lage von G und auf die Form der Deplacements-
()kurve an.
ze.