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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1896.
im wesentlichen Theile der Furche sich zusammendrängten. Beim Ostwärtsfort-
schreiten der Furche vollzog sich dementsprechend ein Temperatursturz, der sich
übrigens in Hamburg, wie aus Fig. 17 ersichtlich, nicht erst auf der Rückseite
der Furche, sondern schon beim ‚ersten Gewitter vollzog, das etwa die Mitte
derselben einnahm und von keiner erheblichen Barometerbewegung
begleitet war. In dem schmalen heiteren Zwischenraum zwischen . beiden
Gewittern stieg die Lufttemperatur wieder um 3'/2°, um dann während des
zweiten, mit Platzregen verbundenen Gewitters um 4° zu fallen, darauf wieder
um 2° zu steigen und erst von 5’/,* p anhaltend bis zum Morgen abzunehmen,
Erst bei diesem zweiten Gewitter gelangte Hamburg an den westlichen Rand der
Furche; das Barometer schnellte — übrigens um kaum 1 mm — empor,
und der Wind sprang nach NW um; anhaltendes Steigen des Barometers mit
langsamer Drehung des Windes von NW nach Nord setzte erst drei Stunden
später ein; während dieser drei Stunden war der Wind fast bis SW zurück-
gedreht und wieder bis Nord ausgeschossen. Der Wind war, wie am unteren
Rand der Figur zu sehen ist, bei dem ersten Gewitter, bei dem er von WSW
nach Süd (und darauf SE) krimpte, in Hamburg stärker als während seines Aus-
schiefsens beim zweiten Gewitter — ein seltener Fall! Dennoch war es bei
diesem zweiten Gewitter, dafs der Orkan in Ostholstein stattfand.
(Schlulfe folgt.)
Ueber Stabilität von Schiffen.
Ein Vortrag, gehalten in der Hamburger mathematischen Gesellschaft am 27. Juni 1896
von Prof, OSWALD FLAMM an der Technischen Hochschule in Charlottenburg.
(Abkürzungen: (+) = Schwerpunkt, WL = Wasserlinie.)
Alle Verhältnisse der Stabilität von Schiffen lassen sich bekanntlich auf
die Einwirkung zweier Kräfte im Hauptsächlichen zurückführen: auf die Wirkung
der Schwerkraft und die Wirkung des Auftriebes. Beide Kräfte sind hinsichtlich
ihrer Größe einander gleich und bei gewöhnlichen Fahrzeugen, welche an der
Oberfläche des Wassers schwimmen, nur in ihren Angriffspunkten und ihrer Kraft-
richtung verschieden.
Während die Schwerkraft, also das totale Schiffsgewicht, stets im Massen-
schwerpunkt des gesammten Systems, dem sogenannten System), den wir in
Folge mit G bezeichnen wollen, wirkt und zwar senkrecht nach unten, greift
der gleich grofse Auftrieb im C) der durch den eingetauchten Schiffskörper ver-
drängten Wassermasse, im Deplacements(), für die Folge mit F bezeichnet, an
und wirkt stets senkrecht nach oben. Solange oder sobald beide Kräfte genau
zusammenfallen, sobald also System(-) und Deplacements() senkrecht übereinander
liegen, ist das Fahrzeug im Gleichgewicht, d. h. es ist keinerlei Bestreben vor-
banden, das Fahrzeug nach der einen oder nach der anderen Seite hin zu drehen;
sobald aber jene beiden Kräfte, die stets parallel und entgegengesetzt gerichtet
sind, sich nicht mehr decken, heben sie sich in ihrer Wirkung auf das Schiff
nicht mehr auf, sondern bilden ein Kräftepaar, welches das Bestreben hat, das
Fahrzeug in irgend einem bestimmten Sinne zu drehen; als Hebelsarm für das
dann entstehende Kräftepaar ist der lothrechte Abstand der beiden Kräfte von-
einander, das Maß GH, zu nehmen. Also: in allen Fällen, in welchen GH = 0
ist, haben wir eine Gleichgewichtslage, in allen Fällen, in denen GH ein endliches
Maß beträgt, unterliegt das Schiff der Wirkung eines Kräftepaares, welches ein
Bestreben hat, das Fahrzeug um seine Längsachse zu drehen.
Bei unseren meisten Schiffen liegt nun stets der System) G über dem
DeplacementsC) F, Ausnahmen hiervon bilden nur gewisse Yachten mit schwerem
Blei- oder Eisenkiel sowie sämmtliche Unterseefahrzeuge; bei Letzteren ist es
Bedingung, dafs stets der System) G unter dem Deplacements() liege, wie
später gezeigt werden soll.
„. Noch ein anderer Punkt, der bei der Stabilität grofßsen Werth hat, ist zu
merken: es ist dies das Metacentrum M, oder allgemeiner: der Durchschnittspunkt