accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

506 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1896. 
Süd, das andere nach Ost.üher uns hinwegzog“. Beide Angaben sind ziemlich 
unklar gefafst, in der zweiten zudem die Zeitangabe entschieden falsch. 
Anderswo wufste man nur von einem Gewitter; dafs es bis zum Ausbruch dieses 
Unwetiters trocken war, beweist der Umstand, daß es an mehreren Stellen, 
namentlich in Gnissau, die Arheiter beim Heuaufladen überraschte. 
Von dem Nordrande dieses Gewitters scheint eine richtige Schilderung 
aus Neustadt vorzuliegen, die auch darin interessant ist, dafs ein ähnliches 
sausendes oder zischendes Geräusch, wie das darin erwähnte, auch bei den 
wenigen, aber sehr heftigen Blitzen bezw. Donnerschlägen des zweiten Gewitters 
in Hamburg auf der Seewarte gehört wurde. 
„Neustadt, 10. Juli. Hente Nachmittag von 4 bis 5 Uhr zog ein Gewitter, 
so heftig, wie es seit vielen Jahren nicht beobachtet wurde, über die Gegend. 
Der helle Tag verwandelte sich in dunkle Nacht, dabei kam der Regen wolken- 
bruchartig zur Erde. Bl'tz und Donner folgten unmittelbar aufeinander; mit dem 
Blitz war ein eigenthümlich sausendes Geräusch durch die Luft verbunden, ein 
Zeichen, dafs die Gewitterwolken sehr niedrig hingen. Ein Blitzstrahl fuhr in 
einen Kichbaum in der Burg, einem Gehölz im hiesigen Binnenwasser, im Uebrigen 
ist Neustadt selbst vom Blitzschlag verschont geblieben, Das Gewitter scheint 
hier seine nördliche Grenze gehabt zu haben, in Dorfschaften eine Meile nördlich 
hat man viel weniger heftige Donnerschläge vernommen und noch weiter nördlich 
soll auch gar nicht einmal Regen gefallen sein.“ 
Zu einer genaueren Untersuchung dieser Verhältnisse gehen die Meldungen 
der Gewitterbeobachter des Königlich Prenfsischen Meteorologischen Instituts, 
welche von diesem gefälligst der Seewarte für diese Untersuchung zur Verfügung 
gestellt sind, die erforderliche Grundlage. Die gewonnenen Resultate sind in 
den drei unteren Kärtchen der Taf. 6 niedergelegt. Bei dem Auftreten mehrerer 
Gewitter kurz nacheinander war deren Verfolgung ziemlich schwierig, weil 
offenbar einige Beohachter sie getrennt, andere sie als ein einziges Gewitter 
behandelt haben, und es schwer festzustellen ist, wo ihre wirkliche spätere Ver- 
schmelzung stattfunden hat. 
Auf Fig. 11 findet man für jede Station Anfang und Ende des Gewitters und 
mit dem Buchstaben n die Zeit der gröfsten Nähe, doch nur falls es ein „Nahgewitter“ 
war, und zwar bedeuten die Punkte Viertelstunden, also 2: z, B. 2'/.* p. Durch 
Linien ist auf dieser Figur die Zeit der gröfsten Nähe (oder Stärke) des Ge- 
witters — der „fase massima“ von C. Ferrari-— in ihrem Fortschreiten über das 
Land gekennzeichnet; dabei sind auch die entsprechenden Angaben für Fern- 
gewitter mitlenutzt, für welche die Zeiten gröfster Nähe auf der Figur, um 
diese nicht zu überladen, fortgelassen sind. Dafs viele Gewitter ausschliefslich 
als „Ferngewitter“ zur Beobachtung kommen, hat schon Assmann in den „Er- 
gebnissen“ des Preufsischen Meteorologischen Instituts 1890, S. LIV, hervor- 
ehoben. 
5 Ein Zusammenhang der Gewitter an der Küste mit den zahlreichen Ge- 
wittern, die an diesem Tage in Mitteldeutschland auftraten, ist nicht zu erkennen. 
Die Gewittertbätigkeit an der Küste begann schon um 8'/2* a in Ost- 
friesland; auf Borkum ist das Gewitter erst später, um 9%, aufgetreten. Von 
Ostfriesland ist der Zug dieses Gewitters ostwärts gut zu verfolgen: sein Höhe- 
punkt überschritt bald nach 11® die Weser und erreichte bald nach 1* einerseits 
Bremervörde, andererseits den Schleswigschen Landrücken, während es dazwischen, 
in Holstein, nicht zum Ausbruch kam; sein nördlicher Theil starb nun ab und 
wurde von dem nachfolgenden Gewitter überflügelt, der südliche, durch das Elb- 
Thal und das südliche Mecklenburg ziehende Theil behielt noch bis gegen 5* 
seine Selbständigkeit. Dies ist das erste der beiden in Hamburg beobachteten 
Gewitter, das in Harburg um 2'/,* die Verheerungen anrichtete. Eine weitere 
Komplikation entstand dadurch, dafs um 2" an der Ostgrenze Holsteins ein 
schwaches Gewitter entstand, das in Nusse sogar als einziges an diesem Tage 
zur Beobachtung gekommen ist. während in Hagenow alle drei unterschieden zu 
sein scheinen. 
Der zweite grofse Gewitterzug war um 1* über den Nordfriesischen Inseln, 
und dürfte mit dem schon um 11%" auf Helgoland beobachteten identisch sein. 
Sein rechter Rand breitete sich rasch südwärts aus und scheint um 3* sich an 
den linken Flügel eines durch Mitteldeutschland, ebenfalls nach Osten ziehenden
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.