504 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1896.
Anfrage hat sich ergeben, dafs die Gesellschaft an diesen Orten keine Versiche-
rungen hat; ein näheres Eingehen auf diesen zweiten Hagelstrich lag aufserhalb
der Aufgabe dieser Arbeit. Aus den Gewitterbeobachtungen des Preufsischen
Meteorologischen Instituts ergiebt sich, dafs in Boizenburg von 3* 14* bis 3" 18”,
in Banzkow (am Nordende des Lewitz-Bruches) von 4* 22” bis 4* 32”, in Gold-
berg von 4* 55" bis 5" 20”, in Krakow von 5*27” bis 5* 33” bei stürmischem
westlichem Winde Hagel fiel, an den dazwischen liegenden Orten Hagenow und
Runow dagegen keiner. Der Beobachter zu Banzkow schreibt: „Die Körner
hatten die Gröfse einer guten Haselnufs, fielen jedoch nicht sehr dicht, so dafs
kein nennenswerther Schaden entstand; in Ost und SO von hier war bedeutender
Schaden durch Sturm und Hagel.“ !)
Auch in Mitteldeutschland haben an diesem Nachmittag Hagelschläge statt-
gefunden, wie folgende Nachricht heweist, der sich wahrscheinlich noch manche
andere an die Seite stellen liefsen: Marburg, Reg.-Bez. Cassel, den 11. Juli. Das
gestrige Unwetter mit Hagelsturm hat in der hiesigen Gegend großen Schaden
angerichtet. In Marburg schlug der Blitz, ohne zu zünden, vier Mal ein. Die
Wassermassen haben das Stralsenpflaster aufgerissen. In der Gemarkung Kirchhain
ist die Ernte durch Hagelschlag vernichtet. In Niederklein wurde ein Wohnhaus
vom Blitz eingeäschert. In Kirtors wurden 24 Schafe getödtet und der Schäfer
täubt.
3. Blitzschäden. Abweichend von den Hagelschäden zeigen die
Blitzschläge von diesem Nachmittage keine nähere Verbindung mit dem Gebiet
gröfster Windstärke. In und bei diesem sind nur wenige Blitzschläge vor-
gekommen; man findet sie auf der Karte mit dem Zeichen 4 angedeutet: bei
Kamp in eine grofse Eiche, zu Blomnath in die Viehscheune, wobei 100 Fuder
Kleeheu verbrannten, bei Kohlsdorf, wo das Haus des Hufners Ehlers abbrannte,
bei Häven, wo ein Knecht vom Blitz gelähmt wurde, und in Travemünde, wo
ein Blitzschlag die Mühle traf. Ueber das ganze südliche Holstein und die
Nachbargebiete verstreut finden sich aber Blitzschläge von diesem Nachmittag
verzeichnet: so in Hesel bei Meldorf, Raade bei Hohenwestedt, Roge, Lehmkamp,
Ottendorf und Bujendorf um Süsel herum, in Lübeck, in Barsbüttel bei Steinbeck,
endlich mehrere Blitzschläge in Hamburg, Altona, Harburg und Umgebung.
Von den zwei Gewittern, welche diese letzteren Orte, wie weiter unten dargelegt
ist, am 10. hatten, war es in Altona, Hamburg und auf Georgswerder das zweite,
um 4 Uhr ausbrechende, das die Schäden herbeiführte, in Harburg dagegen das
erste, das zwischen 2 und 3 Uhr stattfand. Auch weiter östlich, in Mecklenburg,
hat es an diesem Nachmittage viele Blitzschläge gegehen, so in Boltenhagen,
Grundeshagen und Broock bei Klütz, Friedrichsruh und Klinken bei Parchim,
Rövershagen bei Rostock, Banzkow, Krakow, Meyenburg, Demmin, Penzlin,
Neustrelitz, Prenzlau und Pencun; Feuerschäden waren auch östlich von Trave-
münde, bei Barth und Triebsees, zu bemerken.
B. Witterungslage und -verlauf am 10. Juli 1896 in der weiteren Umgebung
des Verwüstungsgebiets.
Der weit engere Zusammenhang des orkanmäfsigen Windstofses mit den
Vorgängen in der weiteren Umgebung, der die Böe gegenüber der Trombe aus-
zeichnet, nöthigt zu einer abweichenden Reihenfolge in der Behandlung. Wir
wollen daher diesen Abschnitt hier voranstellen.
In und bei Hamburg fanden am Nachmittage des 10. zwei Gewitter statt,
uam 21/* und um 4* p, zwischen denen von 2% 4 bis 3'/4” es im Zenith aufklarte,
Beide zogen von West nach Ost; das erste vorwiegend südlich von der Stadt,
über Harburg hinweg, wo es an einer Anzahl von Stellen eingeschlagen hat und
wo auch der Regen so stark war, dalßs in mehreren Strafsen die Keller voll-
liefen und von der Feuerwehr ausgepumpt werden mufsten. In Hamburg, wo
es seit 1" 35" im SW geblitzt und gedonnert hatte und um 2*5" der erste
nahe Donnerschlag kam, gab es schon um 2% etwas Regen und von Q* 17”
1) Dies wird auch durch eine Zeitungsnotiz bestätigt, wonach der das Gewitter begleitende
Sturm bei Parchim mehrere mit Heu beladene Wagen umgestürzt hat.