Köppen: Die Gewitterböe vom 10. Juli 1896 in Ostholstein.
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Hühnereies gehabt haben mufs. Die Verwüstung auf den Feldern ist fürchterlich.
Roggen, Buchweizen und Kartoffeln sind sämmtlich abgeschlagen und die Ernte
in diesen Feldfrüchten damit vernichtet. Einem Bauern gingen unterwegs die
Pferde durch; er erlitt davon keinen Schaden, dagegen haben ihm die Hagel-
schlofsen gefährliche Beulen am Kopf beigebracht. Eine wüste Zerstörung zeigen
auch die Knicks. Viele Häuser stehen mit zerbrochenen Fensterscheiben. Die
Landleute werden ihr Getreide zumeist versichert haben, recht schlimm dagegen
sieht es für die kleinen Leute aus. Auch in der Richtung auf Schenefeld und
Peifsen zu ist bedeutender Hagel gefallen, hat jedoch daselbst weniger geschadet.“
„Klütz (Mecklenburg), 10. Juli. Ein schweres Unwetter zog heute zwischen
5 und 6 Uhr aus nordwestlicher Richtung über unsere Gegend hinweg. Heftig
rollte der Donner, unaufhörlich zuckten Blitze. Ein orkanartiger Wirbelsturm
jagte daher, wolkenbruchartiger, stellenweise mit schwerem Hagel untermischter
Regen schlug hernieder. ... Den weitaus gröfsten Schaden hat das Hagelwetter
angerichtet, indem es die zum Einfahren bereit liegenden Oelsaaten traf und sie
stellenweise total vernichtete. Am ärgsten ist in der näheren Umgegend die
Feldmark von Niederklütz betroffen worden“. ;
Schenefeld und Klütz liegen ca 110 km auseinander; ihre Verbindungslinie
schneidet Heuerstubben und Niendorf, Es dürfte also ein und derselbe Theil
des Gewitters' gewesen sein, der über alle diese Orte hinweggegangen ist und
in seinem mittleren Laufe die Orkangewalt erreicht hat, welche die Zerstörungen
im Fürstenthum Lübeck und im Travemünder Winkel hervorgebracht hat. Ja
sogar bis zur Nordseeküste scheint sich dieselbe Spur zurück verfolgen zu lassen,
da eine Zeitungsnachricht aus Meldorf von Hagel in demselben Gewitter berichtet,
der freilich nur von kurzer Dauer war und in der Umgegend keinen nennens-
werthen Schaden angerichtet hat. Die Hagelschäden bei Klütz scheinen indessen
nicht sehr bedeutend gewesen zu sein, da die befragten Gesellschaften in diesem
Theile Mecklenburgs keine Entschädigungen auszuzahlen gehabt haben.
Nicht mehr in die Verlängerung dieser geraden Linie, aber wenig nördlich
davon, fällt der Schauplatz folgender Nachricht: Rostock, 10. Juli. Heute Nach-
mittag gegen 6 Uhr zog ein sehr starkes Gewitter über die Stadt hinweg. Das-
selbe war von starkem Hagelschlag begleitet. In den Gärten und auf den
Feldern hat der Hagel manchen Schaden gestiftet. — Der Gewitterbeobachter
des Preufsischen Meteorologischen Instituts schreibt: 5" 43 bis 55 Böen aus NW
bis West (Stärke 4 bis 10); 5* 48 bis 50 schwacher Hagel, Dunkelheit. Von
etwa 6" an Sonnenschein bei T und 6,
Ein anderer Hagelstrich ist über Lauenburg und Boizenburg ostwärts
hinweggegangen, wie folgende Zeitungsberichte zeigen: Lauenburg a. E., 12. Juli,
Bei dem Freitag Nachmittag über unserer Gegend zum Ausbruch gekommenen
heftigen Gewitter ist strichweise sehr starker Hagel gefallen, der nach uns
gewordenen Mittheilungen besonders in der Juliusburger, Krüzener und Buchhorster
Gemarkung sehr grofsen Schaden an den Feldfrüchten angerichtet hat. Die
niedergegangenen Hagelstücke waren von solcher Größe, dals sogar das auf der
Weide befindliche Vieh Verletzungen davongetragen hat. In den von dem
Unwetter betroffenen Ortschaften ist auch eine grofse Anzahl Fensterscheiben
zertrümmert und sonstiger Schaden angerichtet worden.
Boizenburg, 10. Juli. Heute Nachmittag zog ein ziemlich heftiges Gewitter
herauf, das vereinzelt große Eisstücke im Gefolge hatte. Das eigentliche Hagel-
schauer hat sich nördlich der Stadt über der städtischen Feldmark und Gehrum
entladen. Korn- und Kartoffelfelder sind dort vollständig in den Grund gehagelt.
Der begleitende Sturm hat auch das Schützenzelt theilweise abgedeckt und eine
Schiefsbude völlig umgeworfen. Auf den Wiesen sah man mehrfach beladene
Heuwagen umgestürzt liegen.‘ |
Nach Mittheilung der Generalagentur Schwerin der Elberfelder Ver-
sicherungs-Gesellschaft hatte diese infolge des Hagelwetters vom 10. Juli in
Mecklenburg zu vergüten Schäden von 10 bis 25°0o in Banzin und Marsow, von
50%o in Friedrichsınoor im Lewitz-Bruch und von 12 bis 33° in Raduhn, östlich
davon. Unter diesen schliefsen sich die Hagelschläge der ersten beiden Orte
direkt an den von Boizenburg an; auch die beiden anderen fallen ungefähr in
die Verlängerung dieses Striches; auffallend mufste zwar das Fehlen. von Meldungen
aus Hagenow, Kirch-Jesar, Kraak und Goldenstädt erscheinen, allein auf nähere