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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Schott: Das Rothe. Meer. 
qq 
Köppens Ergebnissen vergegenwärtigen, dafs selbst über kalten Meeresströmungen 
im grofsen Durchschnitt der Wärmeüberschuls der Luft nur 0,1° C beträgt. *) 
Neu. ist der Meeresforschung dieses Gebiet von Perim und Aden mit 
seinen hydrographischen Eigenthümlichkeiten ja nicht, aber man ist jetzt in der 
Lage, auf Grund eines sehr umfangreichen Materials die Erscheinungen im 
Einzelnen festzulegen, 
Besuch des englischen Schulgeschwaders in Spitzbergen während 
des Sommers 1895.°) 
Da von drei Seehundsfang-Schonern die Nachricht gebracht wurde, dafs 
bei der Bären-Insel, südlich von Spitzbergen, kein Eis wäre, verliefs das aus 
I. Br. M. Schiffen „Active“, „Volage“, „Ruby“ und „Calypso“ bestehende Schul- 
geschwader unter dem Kommando des Kommodore George L. Atkinson 
Hammerfest, die nördlichste Stadt Norwegens, unter Dampf am 25. Juli 10a 
und fuhr an der Ost- und Nordküste der Insel Soro vorbei, wo‘ zwei Stunden 
angehalten wurde, um Kabeljau zu fangen, wovon etwa 90 Stück geangelt wurden; 
dann ging die Fahrt auf Spitzbergen zu. 
Nichts Besonderes ereignete sich auf der Hinreise, leichte Winde und 
schönes Wetter herrschten auf dem ganzen Wege; es gab sehr wenig Nebel, und 
kein Eis wurde in See gesehen. nn . 
27. Juli. Das Geschwader fuhr in etwa 16 Sm Entfernung südwestlich 
von der Bären-Insel vorbei, die 110 Sm südlich von Spitzbergen liegt, in 
Lothungen von wenig über 100 Faden (183 m). Da das Wetter herrlich klar 
war, sah man deutlich diese verlassen aussehende Insel; Mount Misery am Süd- 
ende; ein oben mit Schnee bedeckter Berg, fiel besonders auf. 
Zwischen den beiden Inseln wurden zahlreiche Wale und kleine grön- 
ländische Tauben gesehen; ein kleiner Wal-Schooner wurde auch bemerkt. 
28. Juli. Das Geschwader fuhr an der Westküste Spitzbergens in einem 
Abstand von etwa 25 Sm vorbei. Das Südkap wurde Nebels wegen nicht gesehen. 
Das allgemeine Aussehen des Landes ist sehr merkwürdig. Unzählige scharfe 
Spitzen, fast alle von gleicher Höhe, erheben sich aus der weiten Fläche von 
Eis und Schnee; fast alle Thäler sind mit Gletschern gefüllt, die bis zur See 
reichen. Die Farbe ist nicht so weifßs wie man erwarten sollte, denn viele Hügel 
sind zu steil, so dafs kein Schnee darauf liegen bleibt. Die Luft. ist so klar, 
dafs das Land viel näher zu sein scheint, als es ist. 
Der Bel-Sund bildet eine tiefe Oeffnung zwischen hohem Land, aber wenn 
man näher kommt, sieht man, dafs die Spitzen im Norden und Süden der Ein- 
fahrt von dem Fufßs der Hügel an eine ganze Strecke weit niedriges Land bilden; 
besonders weit dehnt sich die Spitze im Norden aus, und eine Annäherung soll 
gefährlich sein. ; 
29. Juli, Das Geschwader fuhr in den Bel-Sund ein und ankerte früh 
morgens N südwestlichen Theil der Recherche-Bai in 18 bis 20. Faden (833 
bis‘ 37 m). 
Das Landschaftsbild ist sehr schön, aber furchtbar öde aussehend und ver- 
lassen. Die Berge fallen in gezackten und gegen den Himmel scharf umrissenen 
Ausläufern nach dem Meere zu ab. Furchtbare Gletscher füllen die Thäler bei- 
nahe aus — die Arbeit ungezählter Jahrhunderte — die sich allmählich nach 
dem Meere hin durcharbeiten und dann Eisberge bilden. Die höheren Spitzen 
sind mit ewigem Schnee bedeckt. 
Ein seltsames Schweigen herrscht durchweg, dann und wann durch Laute 
unterbrochen, die an Donner oder schweres Geschützfeuer erinnern, verursacht 
durch das Reifsen dieser mächtigen Eismassen. Die Natur scheint erstarrt, keine 
Pflanze ist irgendwo zu sehen, aufser bier und da, an den Abhängen der Hügel 
Stellen mit Moos und ein paar verkümmerte isländische Mohnpflanzen. Seehunde 
ij Siehe „Annalen der Hydrographie“, 1890, S. 449, 
7?) Auszugsweise übersetzt aus dem „Geographical Journal“, London 1895, S, 547.
	        
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