500 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1896.
daß hier für die nicht bis zur Erde herabreichenden Trombenbildungen ein eigener
Ausdruck, „Regentappen“ (Regenzapfen), im Gebrauch ist, den ich wiederholt
aus dem Munde von Landleuten hörte.
IL.
Die Gewitterböe vom 10. Juli 1896 in Ostholstein.
A. Hinterlassene Spuren.
i. Windschäden. Auf der beiliegenden Karte (Taf. 6, Fig. I) sind die
Orte, für die ich durch Erkundigungen und eigene Anschauung Windschaden
feststellen konnte, durch Kreuze kenntlich gemacht,
Der Schaden erfolgte:
a) An Gebäuden, grofsentheils durch Abheben oder Eindrücken des Daches
auf Scheunen, Ställen oder dem Dielentheile niedersächsischer Bauernhäuser,
An mehreren Stellen, z. B.’in Grofs- und Klein-Timmendorf, sind dabei die betreffenden
Gebäude bis aufs Fundament umgestürzt worden. Vielfach sind neue, solide
Gebäude arg mitgenommen, während daneben alte, scheinbar viel schwächere,
anberührt geblieben sind. Auf dem Gute Heuerstubben, das wohl die größte
Verwüstung erlitten hat, sind ein Stall und zwei grofse Scheunen fast ganz
zerstört und ist außerdem das Schieferdach des Gutshauses an der Westnordwest-
seite schwer beschädigt; in Travenort ist das Dach und der solide Schornstein
von einem großen neuen Schweinestall auf und über das viel höhere Dach der
danebenstehenden Meierei geworfen und z. Th. 200 Schritt weit nach ESE fort-
getragen. Dafs in einer Reihe von Fällen der Nordgiebel und die nördliche
Hälfte des Daches zerstört, der südliche stehen geblieben ist, mufs vielleicht
dem in diesen Fällen nach Nord gelegenen Dielen- bezw. Scheunenthor zugeschrieben
werden, das offen stand oder vom Wind aufgerissen wurde. Von den beiden
grofsen Scheunen von Ad. Maass in Gnissau, deren Nordthore offen standen,
blieb die alte ganz, die neue wurde grofsentheils des Daches beraubt; der Grund
dürfte der sein, dafs der Dachboden in der alten mit Heu gefüllt, in der neuen
leer war.
Von Mühlen scheint nur eine, die nördlich von Garbeck belegene, gelitten
zu haben, und zwar wurden hier die Flügelklappen weggeweht und der dicke
Zapfenbalken zerbrochen.
Ueberhaupt sind bedeutendere Schäden an Gebäuden von folgenden Orten
mir bekannt geworden: Gtarbeck, Travenort, Travenhorst, Steenkrütz, Gnissau,
Gnissauer Heckkathen, Hohenhorst, Kattenberg, Heuerstubben, Wildkoppel resp.
Vorwerke von Ahrensbök westlich vom Wahlsdorfer Holz, ferner weiter im Süden
zerstreut Tankenrade, Böbs, Curau und Malkendorf, und endlich der zweite
ziemlich zusammenhängende Strich, in dem Pansdorf, Grofs- und Klein-Timmen-
dorf, Hemmelsdorf, Offendorf, Marienlust, Niendorf und Travemünde mehr oder
weniger grofse Schäden an Gebäuden aufweisen. In Hemmelsdorf und Offendorf
sowie in Malkendorf, Curau, Tankenrade und Travenhorst waren diese nicht 8o
bedeutend, wie an den anderen genannten Orten; am stärsten waren sie in
Gnissau, Heuerstubben, Grofs- und Klein-Timmendorf,
b) Die Schäden an Bäumen waren auf dem ganzen Verwüstungsgebiet an
vielen Stellen zu sehen, ganz besonders aber im Travenorter Holzberg, Wahls-
dorfer Holz, bei Pansdorf, in den Gehölzen südlich von Niendorf und im Kur-
garten von Travemünde. Sie bestehen in gebrochenen oder entwurzelten Stämmen,
meist von 40- bis 100jährigem Alter, deren Lage die genaueste Auskunft über
die Richtung des Windstofßses gab, Danach kam dieser meistens aus einer
Richtung zwischen West und NW. Die Aufzählung der einzelnen Fälle würde
zu weit führen; dagegen dürfte eine Statistik der festgestellten Richtungen von
Interesse sein. Es wurden von mir Peilungen der Fallrichtung an 160 in diesem
Sturm gebrochenen oder entwurzelten Bäumen genommen, die sich so auf die
verschiedenen Azimute vertheilen (Richtung des Stofses aus:)
NNW NWzN NW NWzZW WNW WiN W WzS WSW SWzZW SW
4 17 23 8 36 7 29 5 5 14 11
Aufserhalb der angegebenen Grenzen West und NW fielen nur folgende
Erscheinungen, die sich unregelmäfsig über das Gebiet vertheilen; in der Reihen-