498 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1896,
Fahrzeugen, über deren Schicksal man in Sorge war. Angesichts von Boulogne
sur Mer versank ein Fischerboot mit Mann und Maus, ohne dafs Hülfe gebracht
werden konnte; in Grandcamp scheiterte der „Frederic Lue“, in St. Malo die
„Jeanne d’Arc“; in beiden Fällen ertrank ein grofser Theil der Besatzungen.
Ueber die genauere Zeit dieser Katastrophen ist mir nichts bekannt. '
Die der Bahn der Windhose nächste mit meteorologischen Registrir-
apparaten voll ausgestattete meteorologische Station ist Bremen, Durch die
Güte ihres Leiters, Herrn Dr. Bergholtz,
konnte ichdie Angaben derselben benutzen;
Fig. 15 giebt unter T, H und B genaue
Kopien der Kurven des Thermo-, Hygro-
ınd Barographen, und zuunterst die in um
Regenmenge pro Minute umgerechneten
Aufzeichnungen des Ombrographen, für
den 5. Juli, von Mitternacht bis Mitter-
nacht. Man sieht, wie die Luft besonders
von 10a bis 2'/* p, bei fortwährendem
Regen, sehr kühl war, und die Temperatur
erst danach bis 4" um 2° stieg, während
gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit abnahm.
Diese sank auch dann, als die Temperatur
nach 4 wieder abzunehmen begann, noch
weiter bis kurz vor 6*, von 85°% auf 62°/o,
um darauf ebenso schnell wieder zuzu-
nehmen. Der Tag war trübe und regnerisch, aber zwischen 2'/2* p und 9"p hat es
nur einmal, von 4*/: bis 52 p, einen schwachen Schauer gegeben; um 9% abends dagegen
kam ein kurzdauernder Regengufs, der in 8 Minuten 6,2 mm ergab. Dabei herrschte
seit 2" nachts anhaltend leichter bis mäfsiger Südwind, der erst am folgenden
Morgen, um 5%a, dem West platz machte, welcher bald darauf auffrischte.
Anders in Oldenburg, auf der linken Seite der Windhose und in viel
geringerer Entfernung von dieser; hier soll der bis dahin südliche Wind zur
Zeit ihres Auftretens nach Nordost umgesprungen sein,
Ueber die Gewitter in dieser Gegend am 5. Juli liegen mir genaue Auf-
zeichnungen von Elsfleth vor. Von 3'/ bis 6'/4®p herrschte fern im Westen
ein Gewitter, das aus Süd zog; der erste Donner wurde um 3" 27” gehört; am
nächsten war es um 4* 55"; eben vor dem Ende der Hose blitzte es im NW.
Geregnet hat es von 11a bis 3%4" p (mäßig) und wieder am Abend, von 8* 58”
bis 9% 20” (schwach), während abermals fern im Westen ein Gewitter lag, das
aus SW zog; später, von 9* ab bis gegen Mitternacht, Wetterleuchten im Osten,
Bei diesem zweiten Gewitter ging der Wind, der beim ersten SE geblieben war,
aus SE in SW um (Dr. Behrmann).
Die interessante Frage, ob die Windhose in einer bestimmten Beziehung
zu einer Gewitterfront stand, würde sich wahrscheinlich auch dann nicht sicher
beantworten lassen, wenn die Gegend nicht, wie thatsächlich der Fall, sehr arm
an Gewitterstationen gewesen wäre. Denn nach den oben angeführten Angaben
von Augenzeugen sind in der Oldenburger Gegend an diesem Nachmittage mehrere
Gewitter und Regenschauer vorgekommen, deren Identificirung jedenfalls sehr
schwer wäre. Einer ausgedehnten Linienböe gehörte die Trombe jedenfalls nicht
an — was von Wichtigkeit ist, da auf See ein solcher Zusammenhang anscheinend
nicht selten sich zeigt.
In den folgenden Wochen sind in Deutschland und dem südlichen Schweden
noch mehrere ähnliche lokale Windstöße von zerstörender Gewalt vorgekommen,
die ich kurz erwähnen will.
Am 12. Juli bewegte sich bei Schömberg in Sachsen-Weimar eine
Windhose über eine Wiese, welche grofse Heumassen „trichterförmig“ 20 m hoch
hob und sie dann unter einem Winkel von 40° aufwärts führte; die drehende
Bewegung derselben konnte man noch ca 300m über dem Boden deutlich sehen;
30 Schritte vom Centrum des Wirbels war Windstille.
Der 14. Juli brachte eine verheerende Trombe bei Wimmerby, Kalmar-
län, die für mehrere Tausend Kronen an Bäumen, Gebäuden und Vieh Schaden
gethan hat und von Herrn Thure Wigert untersucht und bearbeitet ist.