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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Köppen: Die Windhose vom 5, Juli 1890 bei Oldenburg. 497 
Tiefe auf der im untenstehenden Kärtchen Fig. 162 verzeichneten Bahn zum 
Skagerrak und lag zur Zeit des Auftretens der Windhose nordwestlich von Borkum 
in dessen Nähe, Die Erscheinung spielte sich also im Südostviertel einer De- 
pression, im südlichen Strome ab, jedoch ohne dafs die Temperatur eine hohe 
gewesen wäre; im Gegentheil liegt diese in Nordwestdeutschland am Morgen des 5. 
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Fig. 6b. 
1 bis 4°, am Morgen des 6. sogar 4 bis 7°” unter ihrem Normalwerth, und ist 
ihre Zunahme zum Nachmittag am 5. wegen des trüben regnerischen Wetters 
noch merklich geringer, als normal, Da zudem die horizontalen Temperatur- 
unterschiede in der Umgebung der südlichen Nordsee nur gering waren —. um 
3b p am 5. hatten Shields, Borkum und Helgoland 14 bis 15°, Keitum 16°, Kaisers- 
Jautern, Kassel und Kiel 17°, Hamburg 18°, und erst weiter nach Osten nahm 
die Temperatur rascher zu: Chemnitz, Swinemünde und Petersburg 23° — so-ist 
aus den Temperaturverhältnissen keine Ursache für ein labiles Gleich- 
gewicht der Atmosphäre in vertikaler Richtung zu erkennen, Von 
einer Ueberhitzung der untersten Luftschicht‘ konnte, bei dem trüben kühlen 
Wetter, nicht die Rede sein. Aber auch für eine mechanische Entstehung des 
Luftwirbels in der südlichen Strömung erscheinen: die Verhältnisse ungünstig, da 
die letztere am 5. in Nordwestdeutschland nur schwach bis mälfsig wehte und 
erst am folgenden Tage theilweise auffrischte. Wenn also auch im Allgemeinen für 
die Tromben dieselbe Eintheilung in Wärme- und Wirbel-Phänomene, welche für 
die Gewitter üblich ist, eine gewisse Berechtigung hat, so ist auffallenderweise 
die höchst ausgeprägte Trombe vom 5. Juli 1890: in keiner dieser Klassen unter- 
zubringen. Näher zur Bahn des Minimums scheinen allerdings am 4. und 5. die 
Winde, namentlich jene aus Nord und NE, weit heftiger gewesen zu sein. Finden 
sich auch in den Wetterberichten der Seewarte aus diesen Tagen nur wenige 
Beobachtungen mit Windstärke 8 und keine mit einer gröfseren Stärke, so liefern 
doch Zeitungsberichte den Beweis, dal an der belgischen und französischen 
Küste der Sturm viel höhere Stärkegrade erreicht haben muß. In einer Kor- 
respondenz aus Antwerpen vom 7. Juli heißt es, die Fischer und Seeleute er- 
innerten sich nicht, im Monat Juli an der Nordseeküste - einen solchen Sturm 
erlebt zu haben, wie er in den letzten Tagen wüthete; „es war ein förmlicher 
Orkan, der sich am Abend des 4. Juli entfesselt hat und ohne Unterbrechung 
bis zum Morgen des 7. dauerte. Der angerichtete Schaden ist ein sehr be- 
trächtlicher. An der belgischen Küste haben wir den Verlust mehrerer Fischer- 
boote in Nieuwport zu beklagen, welche. den Hafen nicht erreichen konnten und 
mit Mann und Maus untergingen. ;. Im Seebade Heyst wurde das ganze Dach 
des Kursaals herabgerissen und eine Anzahl Badekabinen zerstört. . Angesichts 
des Hafens von Ostende ist der französische Dreimaster „Berard“ mit 1500 'Fonnen 
Gehalt gesunken“, Noch schlimmer scheint der Sturm: an der französischen 
Küste gewesen zu sein, am 7, wurde die Zahl der ertrunkenen Fischer und 
Matrosen bereits auf 27 angegeben, es fehlten aber noch Nachrichten vorx vielen 
Aun, 4. Hydr. etc., 1896, Heft XI
	        
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