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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Reisen der Schiffe „Selene“, „Neck“, „Najade“ und „Bertha“. 493 
Windstärke plötzlich eine ganz geringe. Der Wind veränderte sich darauf nach 
SW und nahm aus dieser Richtung bald wieder bis zum Sturme zu. Näch 8a 
mäfsigte sich aber auch dieses Mal der westliche Wind sehr rasch, und um 12* p 
des 21. Juli wehte nur noch Südsüdwestwind von der Stärke 3.‘ Der. in fünf 
Stunden. um 18 mm gestiegene Luftdruck zeigte am Schlusse des Tages einen 
höchsten Stand von 765,5 mm. Am 22. Juli wurde sogar ein höchster Betrag 
von 770 mm abgelesen, „Selene“ befand sich dann in einem anderen, nur geringe 
Ausdehnung besitzenden Rücken hohen Luftdruckes, der, zwischen den Tiefdruck- 
gebieten gelagert, nach SO zu ziehen schien. Auf die. geringe Ausdehnung dieses 
Hochdruckgebietet deutet die Thatsache hin, dafs die ‚am Abend .des. 22. Juli in 
33° S-Br und 95° W-Lg befindliche „Bertha“ dort bei auf 756 mm . gesunkenem 
Luftdruck schon wieder einen orkanartigen Sturm aus Ost beobachtete, der durch 
ein neues, von NW heranziehendes Tiefdruckgebiet verursacht wurde. Von 
diesem Sturme blieben die drei Mitsegler, welche viel östlicher als „Bertha“ 
standen, unberührt. 
Wie aus den kleinen Karten hervorgeht, hatten die diese Stürme bewirkenden 
Depressionen in der Ost— Westrichtung nur geringe Ausdehnung. Ihre Gradienten 
scheinen aber sehr steile gewesen zu sein, und ist dies wahrscheinlich die Erklärung 
dafür, dafs die zum Theil nicht weit von „Selene“ entfernten Mitsegler‘ von ‚den 
Stürmen weit weniger betroffen wurden als jenes Schiff. Alle Schiffe blieben 
auf der rechten Seite der Bahn dieser sich nach hoch südlicher Richtung 
bewegenden. Tiefdruckgebiete, und es waren daher die von ihnen beobachteten 
Winde fast nur günstige. Vorherrschend wehten sie aus südöstlicher Richtung, 
ihre volle Ausnutzung wurde aber durch ihre übergrofse Stärke erschwert. In 
gröfserer Nähe von der Küste waren die Winde meistens .nordwestliche, und 
dort stehende Schiffe hätten damals nur langsamen Fortgang nach Norden erzielen 
können. Nach dem 22. Juli nahmen die Reisen aller nach Südamerika. bestimmten 
Schiffe einen ungestörten Verlauf. „Selene“ ankerte im Hafen von Valparaiso 
am 27, Juli, „Najade“ gelangte nach‘ Taltal am 21. Juli, „Neck“, welches. Schiff 
bei 26° S-Br fünf Tage lang durch Stille und leisen Zug aufgehalten worden 
war, nach Taltal am 4, August und „Beriha“ endlich, welche den Aequator in 
120,8° W-Lg am 10. August kreuzte, ankerte im Bestimmungshafen San Francisco 
am 5, September. . ; . 
In den kleinen synoptischen Karten und in der Tabelle sind aufser den 
Beobachtungen der vorerwähnten Schiffe auch noch die des auf einer Reise nach 
Tocopilla begriffenen Hamburger Schiffes „Flotow“, Kapt. J. Dethlefs, des nach 
Caleta: Buena bestimmten Hamburger Schiffes „Kepler“, Kapt. Jäger, der. für 
Guayaquil steuernden Hamburger Bark „Dorothea“, Kapt. Möller, und der von 
Japan nach Santos segelnden Bremer Bark „Germania“, Kapt. Diercks, enthalten. 
u 
Die Windhose vom 5. Juli 1890 bei Oldenburg und die Gewitterböe 
vom 10. Juli 1896 in Ostholstein. NN 
Beiträge zur Kenntnifs der Böen und Gewitterstürme, vierte Abhandlung). „8 
Von Dr. W. KöÖPPEN. | 5 
(Förtsetzang)) - 8 © 
ff 
Die zusammenhängende Spur der Windhose hört hier, oder vielmehr. schon 
bei Esenshamm, auf. Dagegen sind 20km nordöstlich von Bremerhaven, in 
Bederkesa; ferner in Südleda und endlich auch jenseits der Elbe, bei Marne, am 
gleichen‘ Abend Windhosen beobachtet worden, welche Fortsetzungen,. aber wohl 
nur mittelbare; der hier besprochenen bilden... 400 HE Ür 
Der: „Bremer Courier“ vom 11. Juli 1890 meldet! 3 4er 
. Bederkesa, 9. Juli. : Eine verheerende Windhose .ist.. am.‘ Sonnabend 
auch: über die. Gegend von Bederkesa: und Otterndorf hingezogen. .. Am Mittag 
zeigten sich. am. südlichen Horizont Gewitterbildungen. . Dieselben nahmen fort
	        
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