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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1896. 
geschaffenen, stets aus östlicher Richtung beginnenden Stürme scheinen nicht bei 
allen drei Schiffen in gleicher Stärke geweht zu haben. Am meisten hatte von 
ihnen „Selene“ zu leiden, die mit 723,5 mm auch den niedrigsten der abgelesenen 
Barometerstände beobachtete. Die bei diesem Schiff hier stattgefundenen Baro- 
meterschwankungen gewähren ein lehrreiches Bild von dem unruhigen Zustande, 
in welchem die Atmosphäre sich damals über diesem Theile des Stillen Oceans 
befand. Von dem am 11. Juli bei 57° S-Br in 76° W-Lg beobachteten höchsten 
Stande von 773,5 mm sank der Luftdruck, während der Wind gleichzeitig aus 
NW wehte, in drei Tagen bis auf 733,0 mm. Das Schiff war, ohne dafs dabei 
eine Windveränderung stattgefunden hatte, aus dem Bereich des Hochdruck- in 
das eines Tiefdruckgebietes gelangt. Hier stellte sich ein stürmischer Südwind 
ein, bei dem das Barometer wieder stieg bis zu einem am 15, Juli abgelesenen 
höchsten Stande von 741,2 mm. Am 16. Juli, an welchem Tage zuerst fast 
Windstille herrschte, scheint sich „Selene“. am Ende des Tages, als‘ das‘ Baro- 
meter einen tiefsten Stand von 723,5 mm erreicht hatte, aber schon wieder ganz 
nahe am Minimum eines neuen Tiefdruckgebietes befunden zu haben. Denn der 
vorher wehende stürmische Südostwind nahm damals bis zum ganz leisen Zuge 
ab, und so wie das Barometer rasch zu steigen begann, stellte sich Sturm aus 
SW ein. Am Morgen des 18. Juli herrschte für kurze Zeit abermals Stille als 
das Barometer auf einen höchsten Stand von 756,5 mm zeigte. Dagegen wüthete 
während der letzten Wachen dieses Tages, als der Luftdruck auf 737,5 mm 
gesunken war, schon wieder ein voller Orkan aus Ost. Das sich zur Zeit in 
44° S-Br und 81,3° W-Lg befindende ranke Schiff gerieth dadurch in grofse 
Gefahr. Kapt. Israel theilt darüber in seinem Tagebuch vom 18. Juli Folgendes 
mit: „Der Ostwind nachmittags zur steifen Briese zunehmend, im Osten eine 
dicke Wolkenbank aufkommend. Um 2*p Wind zum schweren Sturme werdend 
mit orkanartigen Böen, Barometer stark fallend. Hielten ab nach Westen, um, 
wenn möglich, die Nähe des Minimums zu vermeiden. Um 5*p hörte der bis 
dahin fallende starke Regen auf, und im Zenith wurde der Himmel klar, um 5'%* p 
begann es jedoch aufs Neue heftig zu regnen. Steuerten SW, voller Orkan, 
Luftdruck noch immer abnehmend. Um 8"p schien das auf 738,6 mm zeigende 
Barometer nicht mehr fallen zu wollen. Drehten dann mit St. B.-Halsen vor dem 
noch immer in orkanartiger Stärke, jetzt aus ESE wehenden Winde bei. Die 
Schooten des allein noch geführten Grofsuntermarssegels wurden vorher’ oben aufs 
Halbdeck genommen, um sie im Nothfalle von dort aus loswerfen zu können. 
Als „Selene“ sich dann beim Anluven derart auf die Seite legte, dafs das Wasser 
auf Deck bis zur grofsen Luke reichte, muften die Schooten losgeworfen 
werden, und das Marssegel ging natürlich verloren. Das nun vor Topp und 
Takel liegende Schiff lag halb unter Wasser ganz ruhig. Glücklicherweise 
konnte die aus Kokes bestehende Ladung nicht übergehen, sonst wäre das 
Schlimmste zu befürchten gewesen, Um 4"a am 19. Juli, als das Barometer den 
tiefsten Stand von 736,3 mm zeigte, machte sich trotz des noch immer mit 
Stärke 11 aus SE wehenden Sturmes Dünung aus NW bemerkbar, die, aus Lee 
kommend, in gefährlicher Weise über Deck und Luken brandete. Um 5°a 
richtete sich „Selene“ endlich wieder auf, und nach Mittag nahm auch die Stärke 
des inzwischen nach SW umgelaufenen Windes so rasch ab, dafs am Schlufs des 
19. Juli Windstille herrschte“, Das in acht Stunden um 14mm steigende Baro- 
meter hatte um 12*p des 19. Juli einen höchsten Stand von 760,3 mm erreicht. 
Kaum war dieses aber geschehen, so machten sich auch schon wieder die An- 
zeichen einer vierten, aus hoch nördlicher Richtung heranziehenden Depression 
bemerkbar. Der aus ENE als ganz leiser Zug einsetzende Wind nahm in acht 
Stunden bis zum Sturme zu, und während derselben Zeit fiel das Barometer um 
nicht weniger als 18 mm. Um 6"p am 20. Juli wurde der Wind ganz schwach 
and veränderte sich nach Nord, erlangte aber, nachdem er NW geworden war, 
bald wieder orkanartige Stärke. Der Regen fiel dabei in Strömen, und es donnerte 
und blitzte. Die auch jetzt vor Topp und Takel beigedreht liegende „Selene“ 
{ag mit der St. B.-Riegelung vollständig unter Wasser, und es hatte zeitweise 
den Anschein, als ob das Schiff sich gar nicht wieder aufrichten wollte. Um 
3a am 21. Juli zeigte das Barometer auf den niedrigsten Punkt von 735,5 mm. 
Der Wind wehte dann noch immer mit orkanartiger Stärke aus Nord. ‘Kurze 
Zeit nach 4a, als der Luftdruck schon wieder zuzunehmen begann, wurde die
	        
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