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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1896, 
Da die Ablesungen der feuchten Thermometer gleichfalls vorhanden waren, 
wurden auch die Werthe für die absolute und relative Feuchtigkeit ausgerechnet; 
diese Vervollständigung wird den Meteorologen vielleicht nicht unwillkommen sein. 
Wir lenken schliefslich noch die Aufmerksamkeit auf die Eigenart der 
Kurven, welche das Diagramm zeigt. Es sind in demselben die Mittelwerthe der 
für die verschiedenen Felder (A bis K) in den verschiedenen Monaten geltenden 
Wassertemperaturen durch Kurven verbunden, und ınan erkennt nun deutlich 
einige sehr auffällige Verhältnisse, die man in den Tabellen selbst bei auf- 
merksamer Betrachtung nur sehr schwer überschauen kann. 
Wenn man vom Felde A (Golf von Suez) bis zum Feld K (Gebiet von 
Aden) fortschreitet, so geht man beständig von Norden nach Süden; die 'Tem- 
peraturen wachsen aber nur bis Feld F (20° bis 18° N-Br) gleichmäfsig in allen 
Monaten. Südlich von dieser Breite ab sind die Temperaturen entweder während 
eines Theils des Jahres oder während des ganzen Jahres zu niedrig, was zum 
Theil auf meteorologische, hauptsächlich aber auf hydrographische Vorgänge 
zurückzuführen sein wird. Sehen wir genauer zu, so finden wir, dafs die Zone 
gröfster Wasserwärme, der hydrographische Aequator, 
in den Monaten November, Dezember, Januar Hiegt zwischen 20° und 18° N-Br 
in den Monaten Februar, März, April liegt zwischen 18° und 16° N-Br 
in den Monaten Mai, Juni, Juli, August, September liegt zwischen 16° und 14° N-Br 
im Monat Oktober liegt zwischen 18° und 16° N-Br. 
Dafs die Gegend höchster Wärme nicht ganz im Süden, sondern immer 
in den Breiten von Massaua und Suakin zu finden ist, ist zunächst darin be- 
gründet, dafs daselbst der kontinentale Einflußfs der grofsen Landmassen von 
Afrika und Asien am stärksten ist; nach dem Südausgang des Rothen Meeres 
und zum Golf von Aden hin machen sich schon die ausgleichenden Wirkungen 
des offenen Indischen Oceans bemerkbar. Daher finden wir in den Wintermonaten 
die Wasserwärme von Aden bis nach Massaua hin niedriger als bei Suakin; 
man darf in diesen Monaten nicht an Auftrieberscheinungen denken, da die Be- 
wegung des Wassers in dieser Zeit in das Rothe Meer hinein gerichtet ist, und 
bei gleichzeitig südlichen Stromversetzungen im nördlichsten Rothen Meere ein 
Anstau, eine Anhäufung von Wasser stattfinden mufs, 
Anders liegt die Sache zur Zeit des Südwestmonsuns; das Zurückbleiben 
der Kurven von Abtheilung „I“ und „K“ (Perim—Aden) während der langen 
Periode von Mai bis Oktober und im Besonderen die auffällige Einbuchtung der 
Kurven in den Monaten Juli und August zeigen deutlich, dafs hier lokale Tem- 
peraturerniedrigungen vorliegen, welche nunmehr sicher durch Aufquellen tieferer, 
kühlerer Wasserschichten hervorgerufen werden. Es herrscht, wie wir sahen, 
während des nördlichen Hochsommers im ganzen Rothen Meere eine zusammen- 
hängende und vergleichsweise sehr kräftige Oberflächenströmung, welche zum 
Indischen Ocean setzt, also dem Binnenmeere sehr grofse Wasserquantitäten 
entführt, die irgendwie ersetzt werden müssen. Gerade zur Zeit des stärksten 
Auswärtsfliefsens finden wir dementsprechend auch die niedrigsten Wasser- 
temperaturen; bei Perim ist die Wassertemperatur in dieser Jahreszeit um 
mindestens 3° bis 4°, bei Aden um 5° bis 6° im Mittel zu niedrig! 
Während die anderen Kurven ein einziges Maximum zeigen, haben wir 
in den Gegenden von Perim und Aden 2 Maxima, ein erstes im Spätfrühling 
(Mai, Juni), ein zweites im Herbst (September, Oktober), und diese Zeiten dürften 
auch ungefähr der Kenterung der Bewegungsrichtung des Wassers entsprechen. 
Dafßs übrigens diese Deutung zutrifft, ersieht man auch aus dem Verhalten 
der Lufttemperaturen. Während des Winters, in welchem die allgemein meteo- 
rologischen Verhältnisse die Depression der Wassertemperatur südlich von 
Suakin — Massaua bedingen, ist die Lufttemperatur noch etwas niedriger als 
die Wassertemperatur, was dem normalen Zustande entspricht; im Sommer 
aber ist das Wasser kühler als die Luft, kann also von dem Luftocean her 
nicht abgekühlt sein. Im Felde von Perim erreicht der Ueberschufs an Wärme 
zu Gunsten der Luft im Juli den hohen Werth von 2,2° im Mittel; für denjenigen, 
der solchen Untersuchungen ferner steht, mag eine solche Differenz geringfügig 
erscheinen, sie ist aber sehr bedeutend, wenn wir uns an der Hand von Prof,
	        
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