Reisen. der Schiffe „Selene“, „Neck“, „Najade“ und „Bertha“, 489
23,1°. W:Lg; „Neck“ in 11° N-Br- und 208° W-Lg, „Najade“ in‘11° N-Br. und
24,6° W-Lg und „Bertha“ in 14,1° N-Br und 21,6° W:Lg befunden. Um von
diesen Orten aus die Linie zu erreichen, .waren für „Selene“ und „Neck“ je
8 Tage, für „Najade“ 5/2 und für „Bertha“ fast 9 Tage erforderlich... „Najade“
scheint gegen die beiden zuerst genannten Schiffe deswegen gewonnen zu haben,
weil sie nach dem Passiren der Kap Verden einen westlicheren Kurs steuerte.
Infolgedessen traf sie vom Stillengürtel kaum Spuren an, und eine Verzögerung
der Fahrt beim Uebergange vom Gebiet des Nordost- in das des Südostpassates
fand bei ihr nicht statt. Am 30. Mai konnte „Najade“ 154 Sm zurücklegen,
„Selene“ dagegen nur 104,
Im Südatlantischen Ocean fanden alle vier Schiffe einen frisch und beständig
wehenden Passat, dessen südliche Grenze von „Selene“ bei 25° S-Br in 41° W-Lg, von
„Neck“ in 24,5° S-Br und 89,7° W-Lg und von „Bertha“ in 23,5° S-Br und 38,8° W-Lg
angetroffen wurde. Der Wind nahm dort eine nördlich von NE liegende Richtung
an und hielt sich so für mehrere Tage, bevor er eine rasch verlaufende Drehung
nach links um den ganzen Kompafs ausführte. Nachdem der kräftige Wind bei
der am 9. Juni in 25° S-Br und 38° W-Lg stehenden „Najade“ ebenfalls durch
NE gedreht hatte, veränderte er sich, ohne an Stärke abzunehmen, rasch weiter
nach Westen, um auch hier bald zum südöstlichen Quadranten zurückzukehren.
Auf dem weiteren Wege der Schiffe nach 50° S-Br fanden alle’ verhältnilsmäfsig
günstige Winde von nicht zu grofser Stärke. Am 19. Juni mittags befanden
sich „Selene“ in 37,1° S-Br und 53,6° W-Lg, „Neck“ in 36,9° S-Br und 53° W-Lg,
„Najade“ in. 43° S-Br und 55° W-Lg und „Bertha“ in 34,8° S-Br und 49,5° W:Lg.
Am 22. Juni, nur 22 Tage später als nördliche Breite verlassen worden. war,
erreichte „Najade“ in 59° W-Lg, also recht Nord von den Falkland-Inseln; den
Parallel von 50° Süd. Die während der letzten Tage beobachteten stürmischen
Westwinde hatten die Anholung eines westlicher gelegenen Schnittpunktes un-
möglich gemacht. Vorher hätte man jedoch mit Leichtigkeit mehr Länge anholen
können, und die ganze Reisedauer würde, wenn dies gethan worden wäre, wahr-
scheinlich noch kürzer ausgefallen sein. . „Najade“ gebrauchte nach dem 22, Juni
noch vier Tage, um nach 50,6° S-Br in 62,4° W-Lg zu kommen. „Selene“ gelangte
nach 50° S-Br in 65° W-Lg am 27. Juni, „Neck“ nach 50° S-Br in 64,5°. W-Lg
am 28. Juni und „Bertha“ nach 50° S-Br in 64,5° W-Lg ebenfalls am 28. Juni.
Am Mittage des 2. Juli befanden sich „Selene“ in 54,8° S-Br und 63,3° W-Lg,
„Neck“ in 54,6° S-Br und 63,5° W-Lg und „Bertha“ in 54,7° S-Br und 62,4° W-Lg
in der Nähe des Kaps St. John auf Staaten Eiland. „Najade“ hatte dies Vor-
gebirge schon am 27. Juni umsegelt, bei stürmischem Nordostwinde, der von
einem in höheren Breiten liegenden Hochdruckgebiete verursacht wurde. Da ‘die
östlichen Winde bei diesem Schiffe anhielten, konnte es während der nächsten
Tage so rasch nach Westen vorrücken, dafs schon am 2. Juli mittags 58° S-Br
in 78,7° W-Lg erreicht wurde... Auch die anderen drei Schiffe wurden bei der
Umsegelung des Kaps St. John von kräftigem Nordostwinde begünstigt, der am
3. Juli nach Nord drehte und dann zum Sturm zunahm. „Selene“ konnte dabei
einen weit günstigeren Fortgang erzielen als ihre beiden Begleiter, Sie segelte
bis zum Mittage des 6. Juli nach 58° S-Br in 72,8° W-Lg, während gleichzeitig
„Neck“ nur 57,8° S-Br in 67,1° W-Lg und „Bertha“ nur 57,5° S-Br in 70,4° W-Lg
erreichen konnten.
Am 6. Juli, nur 11 Tage später als 50° S-Br verlassen worden war, 1::hrte
„Najade“ in 80,8° W-Lg zu diesem Parallel zurück. Die anderen drei Schiffe
wurden nach dem ©. Juli zunächst durch westliche Winde. aufgehalten, die :an
mehreren Tagen heftig stürmten. Ein nördlich von ihnen erscheinendes Hoch-
druckgebiet, in welchem das Barometer am 11. Juli den für diesen Meerestheil
ungewöhnlich hohen Stand von 773,5 mm erreichte, brachte auch. keine Ver-
änderung der ungünstigen Winde. Dies zwischen zwei Depressionen auftretende
Gebiet hohen Druckes, welches einen Tag früher, am 10. Juli, auch von der in
38,5° S-Br und 79° W-Lg stehenden „Najade“ beobachtet worden war und bei
diesem Schiffe am 11. Juli stürmischen Nordwind hervorrief, scheint nur eine
geringe Ausdehnung gehabt und sich nach SO hin fortbewegt zu haben,
Am 14. Juli, an welchem Tage mittags sich „Selene“ in 54,2° S-Br und
82,5° W-Lg, „Neck“ in 56,3° S-Br und 79° W-Lg und „Bertha“ in 54,8° S-Br
und 82,7° W-Lg befanden, stellte sich ein stürmischer Südostwind ein,‘ der bewirkt
Ann. & Hyär. ete.. 1896. Heft XI.