San Benito, Westküste von Mexico.
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Auf der von mir benutzten Küstenkarte „Panama to San Blas“ von 1883!)
ist die Lage. von San Benito zu 14° 47‘ N-Br und 92° 31’ W-Lg angegeben.. Dies
kann nicht richtig sein, Nach meinen Beobachtungen. — den Gang meines
Chronometers konnte ich auf der Rhede von Champerico genau reguliren -—
liegt ‚es‘ auf 14° 43‘ N-Br und 92° 24“ W-Lg.?) Es- ist ein kleines verkommenes
Dorf, aus Hütten. der Eingeborenen bestehend. Alles, was etwas mehr ist, wohnt
in Tapachula, einem 27 Sm entfernten Städtchen; nur wenn der Dampfer hier
vorspricht, was: alle 14 Tage. geschieht, kommen die Vertreter der‘ beiden hier
vorhandenen Agenturen. nach San Benito. Vor etlichen Jahren war beabsichtigt
worden, eine Eisenbahn 'nach Tapachula zu bauen; ein Drittel der Strecke ist
auch fertig gemacht und das gauze Material ist importirt worden, darunter zwei
Lokomotiven und andere Maschinen mehr. Seit drei Jahren schon, glaube. ich,
liegt. dies aber alles zum Verrosten; es ist ein wahrer Jammer!. Ebenso : ist
eine Brücke durch die Brandung gebaut worden, wie man sie ähnlich an : allen
Plätzen weiter ostwärts, die ich vor einigen Jahren: besuchte, findet, nur mit dem
Unterschiede, dafs man in San Benito statt Eisen Holz genommen hat. Dies ist
freilich fast ebenso theuer geworden, hat aber nur: zwei Jahre gehalten; jetzt
sind von der Brücke nur noch die Ruinen zu sehen..
Die -.Ladung wird in ziemlich grofsen bootartigen Leichtern gelandet, die
bach meiner Schätzung ungefähr 10 Tonnen fassen oder tragen können, wegen
der Brandung aber nie mehr als 3 bis 4 Tonnen einnehmen, .Aufserhalb‘ der
Brandung, etwa 2 Kablg. vom Strande, sind vier starke fünfzöllige Trossen an
dort ‚verankerten Tonnen befestigt; die anderen Enden sind durch die Brandung
nach dem. Lande geführt, wo sie mit Taljen sehr steif geholt werden. An-diesen
Trossen werden nun die Leichter, die vorne und hinten spitz sind, von und nach
dem Lande geholt; die Trosse liegt dabei vorne und hinten in den mit Rollen
versehenen Doppelsteven. Der Leichter wird so weit wie möglich auf Strand
geholt. und hier. geleert. oder beladen; abends zieht man ihn. auf Rollen hoch auf
den Strand, was immer viele Arbeitskräfte. erfordert. ..
Der Arbeitslohn am Lande beträgt 2 $ den Tag. Die Leichterbesatzung
erhält für jede Fahrt: der Vormann 15% und jeder der übrigen neun Mann
6 Realen bis %/4 $. Dies ist sehr viel. Meinem Agenten kostete es 37'% $, um
einen Leichter ins Wasser und wieder auf das Land zu transportiren; daher
kommt es auch, dafs hier der Ballast so kolossal theuer wird, 10 Schilling und
mehr noch die Tonne. Für vier Fässer Trinkwasser forderte mein Agent mir 130 $
ab, dabei war das Wasser noch umsonst zu baben, nur für Arbeitslohn. Wir
haben uns, als der Dampfer da war, wir also nicht löschen konnten und die
See auch ausnahmsweise ruhig war, das Trinkwasser in unserm grofsen Rettungs-
boote selbst geholt. Zu dem Zwecke hatten wir auch ein Brandungstau ver-
ankert und konnten so im Laufe des Tages achtmal hin- und herfahren und
alle vier Fässer füllen. Trotzdem die See, wie gesagt, verhältnilsmäfsig ruhig
war und ich selbst das Boot mit aller Vorsicht durch die Brandung führte,
bekamen wir doch viel Wasser: ins Boot, einmal wurde es sogar beinahe voll
geschlagen. Nebenbei zog ich mir durch mein Thun noch die Feindschaft meines
Agenten und der ganzen Dorfbewohnerschaft zu. : .
Während unseres drei Wochen langen Aufenthaltes — 1. Januar bis
22. Januar — in San Benito konnte an vier Tagen wegen zu hoher Brandung
nicht gelöscht werden. Man liegt dort nahe .bei den Tonnen auf 5 Faden
(9 m) Wasser, .nur 2 Kablg. vom Lande, ist aber durch die Brandung völlig
von demselben abgeschlossen, Der Strom lief immer nach SO, !/s Sm die Stunde,
Land- und Seebriese wechselten regelmäfsig ab, das Wetter war schön, nachts
ziemlich kühl; bisweilen machte sich eine hohe südwestliche See bemerkbar, in
der das Schiff heftig schlingerte. Dreimal konnten wir während der Zeit frisches
Fleisch bekommen; Gemüse gab es nicht und an Früchten nur einige wenige
Bananen, Apfelsinen und Ananas.
Als Erkennungsmarke für San Benito möchte ich noch das alleinstehende
Haus an der rechten (östlichen) Seite der anderen Hütten, nahe bei den Trümmern
4) Wahrscheinlich Imray 134. . .
2) In der Karte No. 1007 des U. 5. Hydrographie Office, „Pacific Coast of Mexico and
Central America“, herausgegeben 1887, liegt San. Benito auf.14° 43‘ N-Br und 92° 27' W-Leg.