486 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1896.
versetzte, Vom 29. bis zum 31. August wehte der Wind stürmisch, am letzten
Tage sogar zeitweilig mit der Stärke 10 bis 11, aus West, wobei sich natürlich
eine furchtbare See einstellte. Das Schiff arheitete schrecklich, und das Deck
lag in Lee fortwährend unter Wasser, während von der Luvseite keine schwere
See überkam, da wir am Luvkrahnbalken zwei Oelsäcke aushängen hatten. Am
schlimmsten wütheten Sturm und See von 5 bis 7 Uhr morgens am 31. August,
als wir recht an der Kante der Agulhas-Bank standen. Zum Unglück brachen
auch noch um 6 Uhr die Klampen zu beiden Seiten des Bugspriets, durch welche
das Vorstängestag fuhr, wodurch das Stagsegel, welches noch beistand, verloren
ging. Als wir im Laufe des Vormittags aus dem warmen Wasser nordwärts
herauskamen, nahm die See plötzlich ab, freilich mäfsigte sich auch der Sturm
rasch. Mittags standen wir auf 35,5° S-Br und 23,5° O-Lg, und hatte uns der
Strom in den letzten 48 Stunden 112 Sm nach WSW versetzt, in den letzten
5 Tagen also im Ganzen 321 Sm. Wenn man sich bei Weststurm auf dem
kalten Wasser halten dürfte, würde man lange nicht so sehr von der See zu
leiden haben, aber leider ist bei Gegenwind die Strömung das einzige Mittel zum
nothwendigen Vorwärtskommen. Nachdem der Sturm aus West rasch abgeflaut
war, holte der Wind am 1. September durch SW und SE nach NE, mit Stärke 4,
wurde wieder flau, mallte zwischen Süd und NW und kam schliefslich aus ENE
bis SE durch. Mit mäfigem Südostwinde und schönem Wetter passirten wir am
2, September Kap Agulhas, wo wir Signale zeigten, und abends gegen 10 Uhr
die Länge von Kapstadt; 29 Tage von Java Head.
Nachdem wir. den Parallel von 30° Süd am 6. September überschritten
hatten, gelangten wir mit veränderlichen Winden am 11. in 26° S-Br und 1° O-Lg
an die Südgrenze des Passats. Dieser wehte auf dem Wege zur Linie, aus-
genommen zwischen 18° und 15° S-Br, ziemlich frisch, mit häufigen Regen-
schauern und aus einer ziemlich östlichen Richtung. Am 26. September gingen
wir auf 29,2° W-Lg von der südlichen zur nördlichen Breite über. Schwacher
bis mäfsiger Südsüdostwind begleitete uns bis zum 1. Oktober in 8° N-Br und
33,5° W-Lg; hier wurde der Wind für kurze Zeit flau und kam als leichte Briese
aus NE durch, mallte dann noch mehrere Male nach SE, bis er am 2. Oktober
aus NE auffrischte. Von frischem Passat getrieben, erreichten wir am 9. Oktober
21° N-Br und 53° W-Lg, wo der Wind zur mäfsigen Briese abflaute und bei
dicker .Luft und häufigen heftigen Regengüssen südöstlich holte. Aus dieser
Richtung wehte er bis zum 12. Oktober und ging dann allmählich westlich. Vom
12. bis zum 22. Oktober machte der Wind vier Umläufe nach rechts um den
ganzen Kompafls, wobei er in Nord abflaute, aber bald wieder aus Ost einsetzte;
nur am 17. Oktober hatten wir in 31° N-Br und 69° W-Lg vier Wachen Windstille.
Nördlich von 35° N-Br hielt der Wind sich meistens in den nördlichen Vierteln,
was die Fahrt noch so sehr verzögerte, dafs wir erst am 25. Oktober New York
erreichten. Reisedauer von der Sunda-Strafse 82, von Singapore 94 Tage.
Die weiße Bark, welche wir in der Sunda-Strafse sahen, war „Adolph“,
Kapt. Paulsen, von Hongkong. Dieselbe kam 10 Tage nach „Columbus“ in
New York an.
San Benito, Westküste von Mexico.
Von Kapt. J. GRUBE, Führer der Bark „Theodor“,
Auf unserer Reise von Hamburg nach San Benito kamen wir am Neujahrs-
morgen 1895 in die Nähe unseres Bestimmungsplatzes. Um 7 Uhr erblickten
wir eine Anzahl Hütten; da wir aber nach unserem Besteck ‚noch nicht ganz
bis San Benito gekommen, segelten wir nahe daran vorbei, doch liels ich
vorsichtshalber die Flagge setzen, worauf auch am Lande die mexikanische
Flagge aufging, Ich fragte dann vermittelst Flaggensignal an: Wie heilst dieses
Dorf? Darauf folgte die Antwort: Dies ist San—Be—ni—to. Wir segelten also
gine kleine Strecke zurück und ankerten um 8 Uhr morgens auf 7 Faden Wasser,
nach einer Reise von 133 Tagen ab Hamburg und 125 ab Lizard.