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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1896.
der in Cardiff beständig wehende Ostwind vermuthen lief, oder sie hatten ‘eine
östlichere Route verfolgt und waren dadurch den in niederen Breiten bis 20° Nord
wehenden westlichen Winden gegenüber in Nachtheil gerathen.
Eine unverhältnifsmäfßig lange Zeit, nämlich 31 Tage, war erforderlich,
um die Strecke von der Linie bis zum ersten Meridian zurückzulegen, da der
Südostpassat, wenn auch raum, so doch in zu geringer Stärke wehte. Dann
hatten wir in 27° S-Br und 29° W-Lg 3 Tage völlige Windstille und später noch
wieder längere Zeit anhaltenden Ostwind, so dafs wir erst am 8. April bei steifem
Südwestwinde in 42° S-Br in östliche Länge übergingen. Bei steifen, aber nie
stürmisch auftretenden Westwinden, die nur zwischen 70° und 80° O-Lg von
Ostwind unterbrochen wurden, konnten wir, uns zwischen 42° und 48° S-Br
haltend, ziemlich rasch die Länge ablaufen, und schnitten wir 80° O-Lg in
42,5° S-Br am 29. April, dem 21. Tage von 0° Länge ab.
Beim Aufsteuern nach dem Passatgebiet hatten wir den Wind von mäfsiger
Stärke aus NNW, nur nördlich von 32° S-Br war derselbe aus Nord bis Ost,
bis wir am 10. Mai in 27° S-Br und 106° O-Lg die Südgrenze des Passats
erreichten. Dieser, mäfsig bis frisch und meistens südlicher als ESE wehend,
brachte uns am 15. Mai in Sicht von Christmas Insel. In den letzten Tagen
hatten wir eine regelmäfsige Stromversetzung nach NW bis NNW von 12 bis
20 Sm im Etmal gehabt. Am folgenden Tage fanden wir nur geringen Strom
und nachmittags sogar eine östliche Versetzung. Da zugleich der Barometerstand
verhältnifsmälfsig niedrig war, betrachtete ich dies als ein Anzeichen, daß der
Passat nicht ganz bis zur Sunda-Strafse durchstehen ‚würde, und setzte deshalb
den Kurs westlicher als Java Head. Der Wind flaute denn auch bald darauf ab
und holte schließlich in Sicht des Landes durch Nord nach West, Vom 17. zum
18. Mai trieben wir bei leisem umlaufenden Zuge in der Nähe von Java Head,
bis um 4 Uhr nachmittags am letzteren Tage eine Böe aus West uns in den
Prinzen-Kanal brachte. Bei leichtem Westwinde passirten wir am Mittage des
19. Mai Anjer nach einer Reise von 97 Tagen ab 50° N-Br. Indem wir uns von
Java Head so nahe wie möglich unter der Java-Küste hielten, hatten wir in den
letzten 20 Stunden im Ganzen nur 18 Sm südwestlichen Gegenstrom gehabt.
Eine Viermastbark, welche am 18. Mai in unserer Nähe war, aber offenbar danach
arbeitete, den grofsen Kanal nördlich von Prinzen-Insel zu gewinnen, war am
nächsten Morgen hinteraus aus Sicht gegangen.
_ Von Anjer ab schien der Strom nachmittags schwach nach Norden zu
setzen. Wir passirten St. Nicholas-Spitze um 4 Uhr nachmittags des 19, Mai,
hatten somit zur Durchsegelung der Sunda-Straße 24 Stunden benöthigt. Um
durch den hier wieder beginnenden Südweststrom nicht zu weit vertrieben Zu
werden, steuerten wir während der Nacht nahezu recht gegen denselben an, mit
Kurs auf Babi-Insel, und so konnten wir bei dem leisen Südostwinde, wenn nicht
viel, so doch etwas gewinnen, während ein Vollschiff, welches bei St. Nicholas-
Spitze einige Meilen vor uns war, aber nördlicher weg steuerte, am nächsten
Morgen dicht unter Sumatra stand, bei durchkommendem östlichen Winde auf
Backbordhalsen gehen mußte und bald hinteraus aus Sicht verschwand. Bei
umlaufenden flauen Winden passirten wir erst mittags den 21. Mai Nord-Wächter,
hatten abends für drei Stunden mit einer Böe durchkommenden frischen Südwest-
wind und während des übrigen 'Fheiles der Nacht sowie am folgenden Tage
flauen Südwind, mit dem wir zur Banka-Strafse steuerten. Am 22. Mai um
Mitternacht sichteten wir Pulo Dapur und segelten frühmorgens mit mäfßiger
Südwestbriese in den Stanton-Kanal hinein. Hier schralte der Wind bis WzS,
raumte jedoch bald wieder auf, so dafs wir, wenn auch scharf am Winde, Kurs
halten konnten. Der Strom lief aus der Strafse heraus und schien mehr nach
der Banka-Seite zu setzen, da wir WNW steuern mufsten, um Nordwestkurs gut
zu machen. Um 8 Uhr morgens standen wir SSW von Pulo Besar, hatten also
die engste Stelle der Strafse hinter uns. Hier begann der Wind langsam bis
SSE zu holen, und von 9'/a Uhr vormittags hatten wir auch den Strom mit; wir
passirten mittags Lalarie-Spitze, um 4 Uhr nachmittags Nangka-Insel, wo der
Wind mit einem Gewitterschauer nach SW holte, aber bald wieder aufraumte,
und um Mitternacht Kilian-Feuer. Viel besser hätten wir es auch wohl nicht
treffen können, wenn wir durch die Gaspar-Strafse gegangen wären, was anfänglich
meine Absicht war. .