Ann. d. Hydr. ete., XXIV. Jahrg. (1896), Heft XI.
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Segelanweisung für den Hafen von Quemoy.
Auf Grund von Vermessungen, ausgeführt im Auftrage des Chefs der Kreuzer-Division,
Kontre-Admirals HOFFMANN.
_ Der Hafen von Quemoy wird durch die Insel Grofs-Quemoy im Osten und
Klein-Quemoy im Westen gebildet. Er hat eine Ausdehnung in nord—südlicher
Richtung von 3!/a Sm bei einer Breite von rund 1 Sm.
Strand und Ufer. Die Ufer sind fast durchgängig Steilufer. Bei dem
östlichen Ufer auf Grofs-Quemoy wird durch das Steilufer ein ca 12 bis 15 m
hohes Plateau gebildet, während das eigentliche Gebirge der Küste fernbleibt;
nur an der Südostspitze bei Pagode tritt letzteres bis dicht an den Strand
heran. Die Küste auf Grofs - Quemoy ist zweimal durch grofse Becken unter-
brochen, die jedoch für die Navigation werthlos sind, weil sie bei Niedrigwasser
vollständig trocken fallen. An denselben liegen gröfßsere Städte. Die Küste ist
überhaupt stark bevölkert. Dem Ufer weit vorgelagert sind Watten, die seitens
der Chinesen mit Steinen zum Austernfang dicht besetzt sind, weshalb beim
Landen mit fallendem Wasser Vorsicht geboten ist. Eine günstige Stelle zum
Anlegen ist die 500 m lange Steinbrücke, deren Kopf jedoch bei Niedrigwasser
in der Springzeit ebenfalls trocken fällt. . .
. Die Kleine, dem südlichen Becken vorgelagerte Insel, auf welcher die
Kaiserbake steht, steht bei Niedrigwasser mit dem Festlande in Verbindung.
. Das westliche Ufer, welches von der Insel Klein-Quemoy gebildet wird,
ist gröfstentheils auch Steilufer, jedoch nicht so ‚ununterbrochen wie auf Grofs-
Quemoy. Auch treten hier die Berge, steil abfallend, vielfach bis dicht an den
Strand. Die Berge sind im Allgemeinen kahl. Die zwischen den Bergen liegenden,
vor Wind geschützten Thäler sind fleifsig und, wie es scheint, mit gutem Erfolge
bebaut. ‚Sowohl in Klein- wie Grofß-Quemoy machen die Häuser und Ortschaften
einen für die chinesischen Verhältnisse sauberen und ordentlichen Eindruck; fast
alle Häuser sind solide aus Stein gebaut. Einen gleich günstigen Eindruck
machen die Einwohner, .
Auch auf Klein-Quemoy ist beim Landen Vorsicht zu gebrauchen wegen
der vielen dem Strand weit vorgelagerten Steine.
Tiefenverhältnisse. Von der Ansegelungstonne an führt eine reichlich
4 Kablg. breite, tiefe Rinne (Tiefen zwischen 18 und 40 m) nordwärts nach dem
Hafen; diese Tiefen nehmen nach Westen zu allmählich ab, während die Rinne
im Osten durch 'steilabfallende Sände, die sich durch Brandung gut markiren,
begrenzt wird. Die Tiefen im eigentlichen Hafen sind sehr wechselnd; mitten
im Hafen. ist eine kleine 6 m-Stelle, eine Kabellänge davon werden schon 20 m
gefunden.
Gezeitenerscheinung. Der mittlere Fluthwechsel beträgt 4'/2 m bei
einer Stromgeschwindigkeit von ca 3 Sm. Der Strom setzt in der Regel in der
Richtung des Fahrwassers.
Witterungsverhältnisse. Während der Zeit der Vermessungen wehte
ze ununterbrochen steifer Nordostmonsun, Stärke 3 bis.5, bei klarem trockenen
eiter. . . : ;
Objekte, die sich besonders zu Peilungen eignen:
i. Quemoy-Pagode, östlich vom Eingang auf einem 68 m hohen Berge,
2. Ein altes Steinfort auf derselben Landzunge nahe am Strande auf 23. m
Höhe gelegen. .
. 3. Der Thurm, der direkt an der Südecke vom Eingang ‚zum nördlichen
Becken liegt. Die Lage desselben ist irigonometrisch bestimmt. Kine Ver-
wechselung mit den anderen Thürmen kann nur vorkommen, wenn man sich nahe
dabei befindet, da: die anderen T’hürme im. Lande verschwinden, während dieser
Thurm, höher gelegen,. weithin sichtbar ist. :
Aun. d. Hydr. ete.. 1896. Heft XI