Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1896.
Ohne Sonnenschein, wie im Allgemeinen das Herannahen der Sprungwelle
für uns verlief, bietet diese grofßse Geschwindigkeit dem Photographen nur eine
dürftige Gelegenheit. Schlielslich umfafst keine Photographie, die eine deutliche
Ansicht der Vorderseite der Sprungwelle innerhalb 450 m giebt, mehr als einen
Theil ihrer Breite, und da die Camera nothwendigerweise einer Seite näher ist,
wird der höchste Theil der Fluthbrandung, der rund 300 m vom Haining-Ufer
abliegt und verspätet aufläuft, in unvortheilhafter Perspektive wiedergegeben.
Wir fanden, dafs der Strebepfeiler!) im Westen von der Pagode auf seiner
Westseite durch eine massive Steinmauer gestützt war, deren Oberkante 4,6 m
über Niedrigwasser lag. Herr Cooper nahm Stellung auf dem Rande dieser
Mauer, 45 m von den westlichen Faschinen des Strebepfeilers und 70 bis 80 m
von der Stelle entfernt, wo die nördliche Kante der Fluthbrandung um den
Strebepfeiler herumkommt. Von diesem Punkte aus beobachtete er die Sprung-
welle jeden Tag, und am 7., 8., 9. und 10, brachte er es fertig, sie zur Aufnahme
zu bringen, wenn ihr Fuf identisch denselben Fleck traf. Am 6. (dem einzigen
Tage mit Sonnenschein) brachte er sie zur Aufnahme, als sie etwa 180m östlich
von dem Strebepfeiler war. Das auf diese Weise gewonnene Bild gewährt, wenn
88 auch nicht zum Anstellen von Vergleichen mit denjenigen der folgenden Tage
geeignet ist, eine gute, allgemeine Idee von einer durchschnittlichen Sprung-
welle am Vollmondstage; auch umfalst sie eine gröfsere Breite derselben als die
in gröfserer Nähe aufgenommenen; möglicherweise umfafst sie ein Drittel der
ganzen Linie der Fluthbrandung.
Der Strebepfeiler liegt 8,2 m über Niedrigwasser. Demgemäfs würden die
nahe ihrer Kante, aber nicht thatsächlich auf der Brustwehr stehenden Leute
sich etwa 9'/% m über Niedrigwasser befinden. Die Entfernung zwischen der
Camera und der Süd- oder rechten Ecke der Photographie betrug 350 bis 400 m.
Nur 300 m der Fluthbrandung sind im Bilde dargestellt, aber wir denken, dafs
der höchste Theil derselben noch gerade mit darauf ist.
Meine Photographien mit der halben Platten-Camera wurden von ver-
schiedenen Strebepfeilern aus aufgenommen. Am 6. war ich auf dem zweiten
Strebepfeiler im Westen von Haining, ungefähr eine Meile von der Pagode und
8 m oberhalb des Flusses; am 7. und 8. auf dem ersten Strebepfeiler im Westen
von der Pagode (auf demjenigen, der auf Herrn Coopers Bild zu sehen ist),
9'!/a m über dem Flusse, und am 9. und 10. auf dem Strebepfeiler 450 m im Osten
von der Pagode, 8 m über dem Flusse,
Die hauptsächlichsten durch die Photographien erzielten Resultate bestehen
darin, dafs sie die äufserste Regelmäfsigkeit der täglichen Form der Sprungwelle
und die konvexe Kurve?) der Fluthbrandung zeigen und eine bessere Idee von
deren Höhe geben, als sich durch irgend welche Beschreibungen geben läßt.
Das Wetter war während unseres Aufenthaltes zu Haining durchweg
ziemlich dasselbe und der Flufs ungestört. Am 8., 9. und 10. herrschten starke
Nordostwinde im Chusan-Archipel, aber im Flulsgebiet waren leichte Nordwinde
und das Wasser glatt. ;
In Bezug auf die Hauptgebilde des Phänomens habe ich zu meinem Berichte
von 1888 wenig hinzuzufügen. Die Sprungwelle, die wir für die höchste hielten,
trat am 9. ein und erreichte eine Höhe von 3,7 m (12 Fuß) über dem tiefsten
Theile des Flufskanals.
Die mir von der Haininger Bevölkerung im Jahre 1888 gemachten An-
gaben, dafs die höchsten Gezeiten bis auf 0,6 m (2 Fuls) von der Oberkante
der querab von der Pagode gelegenen Deichmauer hinaufreichten, wurden bei
diesem Besuche bestätigt. Am 8, war das Hochwasser nur '/s m (1!/2 Fufs) von
der Oberkante der Mauer entfernt, dies macht einen Fluthwechsel von 6,7 m für
den Tag, indem der Stürmer 3,4 m hoch war, und am 9. war der Wasserstand
nur 15cm niedriger.
Am 8. und 9. Oktober gewährten der Zurückprall von der Deichmauer
und die plötzliche Aufhäufung der Gewässer, wie die Fluthbrandung sich der
engen, hier bei Niedrigwasser kaum eine Seemeile breiten Flufsmündung anpakßte,
ein herrliches Schauspiel. Eine Reihenfolge von Brechseen bildete sich hinter
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1) Von diesen Pfeilern ist oben S. 471 die Rede gewesen.
2) Hierüber siehe oben S. 470.