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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1896, 
oder vorangehendes Wellenthal bilden!) und bei dem plötzlichen Uebertritt einer 
bestimmten Wassermasse in einen engen Kanal erscheinen. Die: von dem 
französischen Ingenieur Comoy für die Sprungwellen der Ströme seiner Heimath 
gegebene Formel scheint für alle Ströme nicht zu passen, wenn nicht überhaupt 
ein Glied in der Formel fehlt. Er sagt,°) dafs die Fortpflanzungsgeschwindigkeit 
les Mascaret oder des Stürmers sehr nahe komme dem Ausdruck 
= Vg@+h)—U 
worin g die Beschleunigung durch die Schwere (9,8 m) bedeutet, p die Wasser- 
nr bei Niedrigwasser, h die Höhe der Sprungwelle, U die Stromstärke des 
usses. 
Eine Versuchsrechnung für den Tsien-tang kiang ergab ein ganz un- 
befriedigendes Resultat, wobei auf Grund der Mooreschen Berichte 
c = 64m in der Sekunde, 
pP = 0,5 m, 
h = 3,0 m, 
U == 2,8 m in der Sekunde, 
gesetzt wurde. Es müfste doch offenbar in der Formel das wichtige Moment 
der plötzlich abnehmenden Zugangsbreite auch vertreten sein; davon wird © 
in ungefähr demselben Grade abhängig sein wie von der Tiefe p. — 
Es erübrigt noch, auf die photographischen Aufnahmen, die Kapt. Moore 
im Jahre 1892 hat machen lassen, des Näheren zurückzukommen; da alle die 
Mittheilungen Moores hierüber sehr interessant sind, zumal wegen der zahl- 
reichen technischen Einzelheiten, so empfiehlt es sich, möglichst wörtlich dem 
Berichte Moores zu folgen. 
Wie schon oben?) erwähnt wurde, sind die Photographien des Stürmers, 
von denen zwei hier reproducirt werden, im Herbst 1892 aufgenommen, 
zur Zeit des ersten Vollmondes nach den Herbst-Aequinoktien. Ein Chemiker 
der Firma „Watson & Co.“ in Shanghai, ein Herr E. A. Cooper, ging auf 
Einladung Moores mit nach Haining, um mit einer grofsen Camera für Platten 
von 10“ >< 8” Größe die hauptsächlichsten Bilder aufzunehmen. Moore hatte 
seinen etwas kleineren Apparat bei sich; als Dritter war Ingenieur Walker dabei, 
welcher von der Bhota-Pagode aus die Phasen der Sprungwelle beobachten sollte. 
Vollmond war um 2h 14m am 6. Oktober, 
Erdnähe um 1b 0m am 7. Oktober, 
Deklination des Vollmondes 5° 38‘ Nord, zunehmend, 
Deklination der Sonne 5° 26‘ Süd, zunehmend, 
Breite des Ortes 30° 24‘ Nord, 
Es heißt nun in dem Bericht wörtlich weiter: „Wir kamen am Nach- 
mittag des 5. in Haining an. 
Unglücklicherweise hatten wir nur einen Tag mit Sonnenschein, den 6. 
Am 7., 8., 9. und 10.. war die Sonne durch Wolken verdeckt. Am 7%. und 8. 
vregnete es zu Zeiten ein wenig. Dieses düstere Wetter ist in gewissen Beziehungen 
Schuld daran, dafs die Photographien nicht volle bildliche Darstellungen des Vor- 
ganges geworden sind, aber für die Diskussion in Betreff der Form. Höhe etc. 
scheinen sie zu genügen. 
Es ist nicht leicht, eine Sprungwelle zu photographiren. Die erste 
Schwierigkeit besteht darin, den Fokus einzustellen. Kein Boot ist natürlich 
auf dem Flufs während der letzten fünf Stunden vor dem Herannahen der Fluth- 
welle, und bei schönem Wetter ist nicht genug Kabbelung vorhanden, um eine 
Einstellung von genügender Schärfe für den Zweck zu machen. Ferner muß 
der Platz, wo immer er auch ausgewählt werden mag, nicht weniger als 4,3 m 
über der Niedrigwasserlinie des Flusses und irgendwo an der Seite liegen, 
Die Geschwindigkeit, mit welcher die Fluthwelle herankommt, ist so grofs (6 m 
in der Sekunde), dafs die Richtung der Platte auf einen Bruchtheil einer Sekunde 
beschränkt werden mulfs. 
(Ar 
1) Siehe hierüber nach Russels u. A. Beobachtungen Krümmel im „Handbuch der 
Oceanographie“, II. Band, S. 24 ff, 
2) Siehe a. a. O,, S. 280. 
3) Siehe S. 468.
	        
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