Schott: Die Sprungwelle in der. Mündung des Tsien-tang kiang, 469
plötzliches Steigen des Wasserspiegels um 3 bis 3,5 m in der Stunde von einer
Stunde nach Niedrigwasser an. Dort. bereits wirkt also die trichterartige Ein-
engung der Hang-tshau-Bucht auf die von dem Tshusan-Archipel herankommende
Fluthwelle so stark ein, dafs ihre Höhe ganz rapide zunimmt,
Diese Spanne Zeit, während welcher bei Rambler- Insel das. Wasser. so
kolossal stark und schnell steigt, während in Haining Niedrigwasser ist, kann
als Geburtsstunde des Stürmers betrachtet werden. Denn es ist klar, dafs eine
Niveaudifferenz von 3 bis 3'!/a m, welche in den ersten Stunden des Fluthstromes
bei Rambler-Insel sich noch weiter, bis zu 5, ja 5'/2 m steigert, auf eine Entfernung
von nur. 30 Sm einen gewaltigen Antrieb. zur Vorwärtsbewegung. flufsaufwärts
geben mufs.
Folgendes sind die am 21. September 1888 zur Tageswelle. gehörigen
Wasserstände für Haining, Rambler-Insel und die noch weiter seewärts gelegene
kleine Volcano-Insel:
(Zahlen in Metern.)
21, IX. 1888
Zeit
2ba
aha
4ba
5b a
öha
zha
aha
aha
ab 30ma
ioba -
job 30m a
lıha
Lıh 30ma
Mittag
ah 30m y
ıhp
2hp
3ahn
Ueber (+) oder unter (—)
Mittelwasser
Differenz zwischen
Rambler” Haining
. Insel und| und
| Rambler-|Volcano- | Volcano- | Rambler-
Insel. Insel Insel Insel
Haining
+2,7
+31
+2,9
0,0
=
—2,7
— 27
—2,7
—2,7
—2,9
959
|
|
+35
+30
+ 1,5
+0,0
—1.6
— 2,8
—3,5
—3,7
—36
— 2,8
— 1.1
40,7
+14
+22
+95
+11
+04
— 0,8
—0,9
—1,4
—1,7-
— 1,3
—0,5
—0,2
+0,38
+0,5
+08
+10
+11
A 1.2
7,4
2,6
1,8
0,9
0.2
1
+2
.z
4
1
5
01
0.4
4.1
13
D°
1
1,4
0,0
)
|
0,1
1,6
na
5,1
4
+12
49,7
+2,7
+3,0
+ 07
+1,11
+ 0,8
40,1
1,6
2,2
O6
Lö
9.0
Bemerkungen
; Entstehung der Springf£uthwelle.
Dh
36 p Haining von der Welle
passirt,
Diese‘ Tabelle ist äufserst lehrreich; sie zeigt, wie um 10*a zwischen
Volcano- und Rambler-Insel die gröfste Niveaudifferenz. besteht, um Mittag aber
zwischen Rambler - Insel und Haining, wie also der Hochwasserscheitel von
Östen her in die Bucht hineinläuft.. Existirte die Mündung des Tsien-tang nicht,
welche. der Wassermenge ein Hinauflaufen, wenn auch unter Schwierigkeiten,
gestattet, so würden wir wohl in der innersten Hang-tshau-Bucht eine Art Fundy
Bay mit kolossalem Gezeitenwechsel haben. ,
‚ Etwa 1!/2 Stunden nach dem ersten Auftreten der Sprungwelle bei Rambler-.
Insel, wo sie freilich den Namen „Sprungwelle“ noch nicht verdient, sondern
eben nur durch sehr schnelles Steigen des Meeresspiegels und durch Kabbelungen
bemerkbar wird, kann ınan bei Haining das erste Geräusch der heraufstürmenden
Welle im fernen Osten hören; erst wieder eine Stunde später aber zieht sie
dann in ihrer ganzen imposanten Höhe vorüber an Haining. Die Beobachtungen
zeigten, dafß bis unmittelbar zum Fuße der aufwärts eilenden Welle noch starker
Ebbestrom reicht und nicht etwa Stauwasser vorhergeht. Dieser Umstand trägt
offenbar auch dazu bei, die mauerartig ankommende Wasserkaskade steiler zu
gestalten; dabei beträgt bei Haining kurz vor der Welle die Wassertiefe kaum,
2 Fufß (die Kutter saßen ja, wie oben erwähnt, mit 3 Fufs Tiefgang am Grund),
stellenweise sind die Sände nur eben mit Wasser bedekt — und. nun denke man,
sich ganz unvermittelt eine wallähnliche Wassermasse von durchschnittlich 10 bis
11 Fuß Höhe mit durchschnittlicher Geschwindigkeit von mindestens 10 Knoten
in der Stunde über diese flachen Sände heranbrausen! Dabei ist noch besonders zu