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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

468 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1896. 
wahr, die zur Zeit des ersten Vollmondes nach den Herbst-Aequinoktien besonders 
starken Fluthen zu beobachten und die Sprungwelle auch zu photographiren, 
wozu 1888 leider keine Möglichkeit gewesen war. 
Auf diese photographischen Aufnahmen kommen wir am Schlufs dieses 
Aufsatzes zu sprechen. 
Um eine möglichst lebhafte Vorstellung von der Art und Weise, wie eine 
solche Springfluthwelle im Tsien-iang verläuft, zu geben, lassen wir zunächst 
eine freie Uebersetzung des Mooreschen Berichtes über den Stürmer der Nacht 
vom 20. zum 21. September und über denjenigen vom 21. September folgen. 
„An Bord des »Rambler«, bei der Rambler-Insel, wurden die ersten Kabbe- 
jungen um 10 Uhr abends bemerkt; das Wasser stieg rapid an dem Pegel von 
2,7 m unter Mittelwasser (um 9 30” p) auf 1,7 m über Mittelwasser (um 11” p). 
Gleichzeitig saßen aber die Schiffsboote (die ja seit dem Morgen des 20. auf 
der Fahrt nach Haining sich befanden) am Eingang des Tsien-tang in der Nähe 
von Haining an Grund auf der „Südbank“ bei Mittelwasser, Dort hörte man 
das erste Brausen der Fluth um 11* 20”p. 12% 20” nachts passirte der Hoch- 
wasserscheitel unter lautem Getöse die Pagode von Haining. 
Diese Sprungwelle war wohl die höchste während dieser Vollmondperiode, 
denn das Wasser stieg bis auf 6,0 m über den gewöhnlichen Niedrigwasserstand 
und erreichte an den folgenden Tagen nicht wieder diese Höhe. Da es dunkle 
Nacht war, konnten nähere Beobachtungen über die Gestalt der Welle, ihre 
Höhe ete. nicht gemacht werden. Die Chinesen behaupteten am anderen Morgen, 
es sei keine ungewöhnlich hohe Welle gewesen. Die See in der Bucht und der 
Flufs selbst zeigten vorher ruhiges Wasser. Der Wind webhte leicht aus NW, 
gelegentlich mit feinem Regen. Hochwasser war erst 3" 15” a; doch lief schon 
seit 3*a der Ebbestrom wieder stark aus. 
Der am 21. September des Tags über zu erwartende Stürmer machte sich 
aufserhalb der Strommündung bei Rambler- Insel zuerst um 9* 45" a dadurch 
bemerkbar, dafs starke Kabbelungen, von NO herankommend, in einer Entfernung 
von 4 bis 5 Sm gesehen wurden; sie erreichten das Schiff 10* 15” a und waren 
stark genug, um bis über das Heck Spritzer zu werfen, und verschwanden, in west- 
licher Richtung fortschreitend. Um 10*0"” a hatte das Wasser bei der Insel stark 
zu steigen begonnen von 2,8 m unter Mittelwasser bis auf 1,4 m über Mittel- 
wasser um 11* 0"a, 
Von dem einen Schiffskutter aus, der bei Hochwasser an der Mündung. 
des Tsien-tang kiang auf Strand gesetzt worden war, sah man die Springfluth- 
welle entlang dem Deiche zwischen Chi-san und Haining zuerst um 11 24” a 
entlang laufen wie eine weifßsglänzende Mauer. Das Wetter war ruhig. In größerer 
Nähe hatte man den Anblick eines langgedehnten Wellenkammes, der stellenweise 
Brecher zeigt. 12* 47” mittags wurde die Pagode (wo Moore beobachtete) von der 
Welle passirt; ihre Front bildete eine weilßse Kaskade schäumenden Wassers, an 
der südlichen Hälfte überwogen die Brecher. Auf dem Rücken der Springfluth- 
welle, noch für eine grofse Entfernung hinter dem Scheitel, war das Wasser 
derart unruhig, daß ein Boot dort sich nicht hätte halten können. Ueber dies 
Wasser erhob sich manchmal ein zweiter kleiner Roller, der aber sofort wieder, 
wie von einer unsichtbaren Macht gezogen, in einer Wolke von Gischt und 
Schaum versank. Die Höhe des vorderen Wellenscheitels war 2,7 m, aber das 
Wasser hinter ihm mufte wenigstens 4 m über Niedrigwasser sein, war also 
noch mächtiger. Wiederum erklärten die Chinesen, die Welle sei nicht hoch, 
das Wetter sei ja ruhig. Neun Djunken kamen unter Segel mit der Sprung- 
welle den Flufs herauf, aber es, war kein Wind zu spüren, und sie trieben mit 
grofßser Geschwindigkeit aufwärts. Um 1* 15” war das Wasser ungefähr auf 
4,6 m gestiegen. Hochwasser war zwischen 3" und 3* 30” p. Der Strom setzte 
um diese Zeit stark längs der südlichen Sände hinaus.“ 
Aus den Beobachtungen an diesen und den übrigen Tagen lassen sich die 
allgemeinen Resultate in folgenden Sätzen zusammenfassen. 
Die Springfluthwelle in ihrer ganzen, jede regelmäßige Schiffahrt unmöglich 
machenden Ausbildung entsteht nicht erst bei Kanpu oder Haining, wo sie von 
Moore beobachtet wurde, sondern mindestens schon bei Rambler- Insel. Denn 
aus den Pegel-Ablesungen, die dort während der Abwesenheit der drei Kutter 
von H. M, S. „Rambler“ gemacht wurden, ergiebt sich für Rambler - Insel ein
	        
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