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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1896.
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Von Tornöe durch
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bestimmt
Station 126
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34,2
Man ersieht aus dem Versuch, dafs die Diatomeen im Lichte 11 ccm
Sauerstoff per Liter Wasser entwickelt haben, und man kann also mit Wahr-
scheinlichkeit annehmen, dafs das Pflanzenplankton im Stande ist, das Sauerstoff-
procent zu dem von der Station 126 angeführten Werthe zu erhöhen.
Es ist den Hydrographen noch nicht gelungen, ein sicheres Abhängigkeits-
verhältnifs zwischen dem Kohlensäuregehalt des Meeres und der geographischen
Länge und Breite und der Zeit zu finden. Nach dem angeführten Versuche, wo
die Diatomeen im Licht den Kohlensäuregehalt von 43 ccm bis zu 33 ccm per
Liter im Verlauf weniger Stunden herabgesetzt haben, darf Niemand sich wundern,
große und unherechenbare Variationen im Kohlensäuregehalt zu finden, der sich
in so hohem Grade vom Plankton abhängig zeigt, und zwar sicher nicht allein
von dem Plankton, das im Augenblick da ist, sondern auch von dem, das in
demselben Wasser gewesen ist, und das da nicht völlig dekomponirt worden ist.
Sowie wenn die Rede von dem Sauerstoffgehalt ist, kann ja hier die aufser-
ordentlich grofse Wirkung der Atmosphäre die Veränderungen nicht aufheben.
In sehr grofsen Zügen kann man Regeln über die Vertheilung des Planktons im
Wasser geben, aber selbst an Stellen, die nahe aneinander liegen, und wo man
dieselben Lebensbedingungen erwarten sollte, kann man sehr grofse Verschieden-
heiten in der Menge und der Art des Planktons finden, und hieraus folgen gewi(s
die grofsen und unberechenbaren Variationen in dem Kohlensäuregehalt.
Kopenhagen, im September 1896.
Die Sprungwelle in der Mündung des Tsien-tang kiang
(Hang-tshau-Bucht).
(Mit zwei Abbildungen.)
Die Erscheinung, von welcher im Folgenden die Rede ist, wird in der
französischen Sprache mit „Mascaret“, in der englischen Sprache mit „Bore“
bezeichnet, im Deutschen meist mit „Sprungwelle“ oder „Stürmer“, Ausdrücken,
die wir ohne Unterschied zusammen mit „Springfluthwelle“ gebrauchen wollen,
Die Springfluthwelle ist eine in manchen Flußsmündungen im Gefolge von
Ebbe und Fluth ganz regelmäfsig auftretende Erscheinung, über welche nähere
Untersuchungen sehr erwünscht sind, da von den Gegenden, wo sie am grofs-
artigsten auftritt, wohl allgemeine Schilderungen, aber keine genügend exakten
Beobachtungen vorliegen, wie etwa vom Hugli- oder vom Amazonenstrom. Auch
im Mündungstrichter des Tsien-tang kiang, des südlich von Shanghai in die grofse
Hang-tshau-Bucht mündenden Stromes, tritt dieser Stürmer in ungemein imposanter
Weise auf, und da nun neuerdings sowohl sehr sorgfältige Beobachtungen hier-
über als auch photographische Abbildungen hiervon, die ersten ihrer Art, gemacht
worden sind, ist es in mehrfacher Hinsicht wünschenswerth, auch in den „Annalen
der Hydrographie etc.“ von diesen Ergebnissen Mittheilung zu machen. Die
nachfolgenden Schilderungen sind den zwei der englischen Admiralität eingereichten
Berichten des Kapt. W. U. Moore entnommen, welcher im Jahre 1888 mit
I. B. M. S. „Rambler“ und im Jahre 1892 als Kommandant I, B. M. S. „Penguin“
in eingehender Weise das Phänomen selbst und an Ort und Stelle studirte.*) —
Da, wo bei Springfluth vom Meere avs in kurzer Zeit eine grofse Menge
Wasser durch den auflaufenden Wellenkamm des Fluthstromes in eine sowohl
4) Siehe: „Report on the bore of the Tsien-tang Kiang“ 1888 und „Further Report on the
bore of the Tsien-tang Kiang“ 1892. Zwei officielle Veröffentlichungen der Admiralität, beide bei
Potter, London 1888 und 1893.