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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1896.
Es ist also, wie man sieht, die bekannte Fehlergleichung durch die Figur
richtig zur Darstellung gebracht.
Denkt man sich die Standlinie AB mit der Normalen CG fest verbunden
und um C gedreht, so bemerkt man leicht, dafs der Einflufßs des Fehlers im
Stundenwinkel auf den Fehler in der Breite um so größer wird, je mehr das
Azimuth sich dem Werthe 90° nähert, und dafs dieser Einflufs sein Maximum
erreicht, wenn A — 90° ist; dagegen völlig verschwindet, wenn das Azimuth 0
oder 180° wird, d. h. wenn sich das Gestirn im oberen oder unteren Meridian
befindet. Dieser Zeitpunkt ist demnach der günstigste zur Anstellung einer
Breitenbestimmung, während Höhen, die weit vom Meridian entfernt liegen, dazu
völlig untauglich sind, weil sie auf See wegen der unvermeidlichen Fehler in der
Höhe und im Stundenwinkel zu unsichere Resultate geben.
Um die Wirkung eines Höhenfehlers auf die berechnete Breite zu ver-
anschaulichen, verschiebe man (Fig. 12) die durch den mit Hülfe von Schiffs-
tagebuch und Beobachtung gefundenen Schiffsort C gelegte Standlinie AB parallel
mit sich selbst um den Betrag dieses Fehlers (dh)
nach A‘B‘, so bezeichnet der Schnittpunkt I dieser
Standlinie mit dem Meridian von C den richtigen
Schiffsort, da da = 0 sein soll, und CI wird der
Fehler in der Breite (de), der durch den Fehler in
der Höhe erzeugt wurde. Das bei F rechtwinklige
sbene Dreieck CFI liefert nach den Regeln der
Trigonometrie die Gleichung:
(5) de = dh- sec A
Denkt man sich die parallelen Standlinien AB
und A‘B‘ mit CG fest verbunden und um € gedreht,
So sieht man leicht, dafs auch die Wirkung des
Höhenfehlers auf die berechnete Breite um so größer
wird, je näher das Azimuth des Gestirns an 90° liegt,
dafs sie dagegen den kleinsten Werth erreicht, wenn
das Azimuth = 0 oder = 180° ist, d. h. wenn sich das Gestirn im oberen oder
unteren Meridian befindet. Dieser Zeitpunkt ist also auch in Bezug auf einen
Höhenfehler der günstigste zur Breitenbestimmung, dagegen liefern Breiten-
bestimmungen wegen der unvermeidlichen Fehler in Stundenwinkel und Höhe
sehr feblerhafte Resultate, wenn das Gestirn bei der Beobachtung weit vom
Meridian entfernt ist. Man bemerkt durch diese Darstellung übrigens auch, dafs
die Wirkung des Höhenfehlers nie ganz verschwindet, wie dies beim Fehler im
Stunden winkel ja der Fall sein kann, sondern dafs er selbst im allergünstigsten
Fall mit seinem vollen Betrage in die berechnete Breite übergeht. Es hat also
das vorhin bei der Ermittelung des Stundenwinkels in Betreff der Höhenmessung
Gesagte auch bezüglich der Breitenbestimmung volle Gültigkeit.
Fig. 18.
Will man dem Schüler zeigen, dafs auch hier insofern verschiedene Fälle
eintreten können, als die Fehler in Stundenwinkel und Höhe ihre Wirkung auf
die berechnete Breite sowohl nach derselben, als auch nach verschiedenen
Fig, 14.