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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Lüning: Graphische Darstellung der Fehlergleichungen. 
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2. wenn beide Fehler ungleichnamig sind und das Azimuth stumpf ist 
(Fig, 8 und 10). 
HF’ 
. 
5 , 
Fig. 3, 
Fig, 8, 
Fig. 10. 
Aus allen bisherigen Betrachtungen geht hervor, dafs der günstigste 
Augenblick zur Zeit- und Längenbestimmung derjenige ist, in welchem .das 
Azimuth des Gestirns = 90° ist (es befindet sich dann rw. Ost oder West vom 
Beobachter), und dafs dieselben Fehler in Breite und Höhe nicht immer den- 
selben Einflufs auf den berechneten Stundenwinkel haben, sondern dafs ihre 
Gesammtwirkung davon abhängt, ob sie mit ihrer Summe oder mit ihrem Unter- 
schiede zur Geltung kommen. Unter allen Umständen ist auf das Messen der 
Höhe die größte Sorgfalt zu verwenden, weil der Höhenfehler nie wirkungslos 
ist, sondern selbst im günstigsten Falle mit seinem vollen Betrage auf den 
Stundenwinkel zur Wirkung kommt; deshalb hat man durch Vereinigung von 3 
oder 5 in kurzen Zwischenräumen nacheinander gemessenen Höhen zu einer 
Rechnung einen etwaigen Beobachtungsfehler möglichst zu verkleinern und bei 
der Herleitung der wahren Höhe die aus der Tafel entnommene Korrektion für 
Strahlenbrechung nach dem jeweiligen Stande des Barometers und Thermometers 
zu verbessern. 
Will man in gleicher Weise untersuchen, welchen Einflufs ein Fehler im 
Stundenwinkel auf die damit berechnete Breite hat, so drücke man denselben 
zunächst in Bogenminuten aus, dadurch erhält man den Längenunterschied (dl) 
and multiplieire diesen mit cos %, so ist das Produkt (da) der Fehler in der 
Abweichung, wodurch also der Fehler: im Stunden- 
winkel graphisch dargestellt werden kann. Dann finde 
man durch Rechnung oder mit Hülfe der Tafeln das 
wahre Azimuth des beobachteten Gestirns und be- 
stimme daraus die Lage der Standlinie AB des Schiffes 
und lege sie durch den Punkt C, den mit Hülfe von 
Schiffstagebuch und Beobachtung gefundenen Schiffsort 
(Fig. 11). Nun trage man auf dem Breitenparallel 
OW den Fehler in der Abweichung (da) von C bis E 
ab und errichte in E eine Normale, welche die Stand- 
linie in D, dem richtigen Schiffsorte, schneidet, dann 
ist DE = de der Fehler in der Breite, der durch den 
Fehler im Stundenwinkel erzeugt ist. In dem ent- 
standenen, bei E rechtwinkligen ebenen Dreieck CDE 
ist Z. DCE = ZZ. NCG (das Azimuth A des Gestirns), 
weil beide den Winkel BCN zum Komplement haben, und wir erhalten aus dem- 
selben nach den Regeln der ebenen Trigonometrie: 
1) 
de =— da-tgA 
Substituirt man auch in dieser Gleichung für da den in (1) gefundenen 
Werth, so erhält man: 
(4)
	        
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