Köppen: Die Windhose vom 5: Juli 1890 bei Oldenburg. . -
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so waren, dafs nach menschlicher Voraussicht für Jahrhunderte gebaute Häuser
nicht Stand hielten, so dafs man: die Stärke des Stofses an diesen. Stellen
unbedingt als orkanmäfßig oder 12 Beaufort gelten lassen kann, obwohl. sie in
nächster Nähe davon weit geringer, ja sogar, bei der Oldenburger Windhose, fast
Null war, Bemerken möchte ich nur, einerseits, dafs die kolossale Breite der nieder-
sächsischen Bauernhäuser und Scheunen’ mit den breiten und hohen Einfahrtthoren
darin, dem Winde grofse Angriffsflächen und, wenn die T'hore offen sind, Gelegenheit
giebt, das weite Strohdach mit ungeheurer Gewalt von unten zu fassen und ab-
zuheben, Andererseits aber ist mir bei meinen wiederholten Besichtigungen der
Sturmspuren ‚der Segen der im östlichen Holstein bestehenden „Windgilden“ —
auf Gegenseitigkeit beruhender Versicherungsvereine gegen Windschaden — und
die Nothwendigkeit ähnlicher Einrichtungen für das übrige Deutschland immer
wieder entgegengetreten. Da die Assekuranz-Gesellschaften keine Versicherung
gegen Windschaden annehmen, so fallen solche Unglücksfälle im übrigen
Deutschland, wo diese Einrichtung leider unbekannt ist, gänzlich auf die Schultern
der Betroffenen selbst und führen manchmal deren dauernden Ruin herbei. So
war es auch mit den Verheerungen des 5. Juli 1890 der Fall, da weder im
Oldenburgischen noch bei Bederkesa und Marne die beschädigten Gebäude ver-
sichert waren. Ebenso war es beim Crossener Orkan. Dagegen hat für die
Windschäden am 10. Juli 1896 die am stärksten betheiligte Gleschendorfer Gilde,
in der die meisten bäuerlichen Gebäude der betroffenen Ortschaften versichert
sind, einen Schaden von etwa 14 000 Mk. ersetzt. Die auf den grofsen Gütern
Heuerstubben, Travenort und am Hotel Marienlust umgewehten Gebäude waren
nicht versichert. Beim grofsen Sturm vom 13. Februar 1894, dessen Beschreibung
man in diesen Annalen 1894, Seite 87, findet, hat die Gleschendorfer Windgilde
weit mehr, über 56 000 Mk., Schaden zu vergüten gehabt. Kleine Schäden, wie
sie jedes Jahr vorkommen, werden aus den regelmäfsigen Jahresbeiträgen, die
nur 50 Pfennig pro Mitglied betragen, vergütet, für größere findet eine Umlage
der abgeschätzten Summe auf die Mitglieder nach der Geviertfläche der ver-
sicherten Gebäude statt.
Da Zerstörungen durch den Wind doch im Ganzen nur selten sind, im
Vergleich zu Feuer- und Hagelschäden, so würde es nur eines geringen Zuschlages
zur Prämie bedürfen, wenn die Assekuranz-Gesellschaften auch für Windschäden
Vergütung übernehmen würden. Es ist gar nicht einzusehen, warum gerade
gegenüber diesen Elementarereignissen der Landmann auch bei aller Vorsicht
schutzlos dem Zufall preisgegeben und höchstens auf ein Almosen’ angewiesen
sein soll. Die ärgerlichen Streitigkeiten darüber, ob der Schaden durch den Blitz
verursacht ist, für den die Gesellschaft haftet, oder durch den Sturm, für den sie
nicht haftet, würden wegfallen und höchstens festzustellen sein, ob das Bauwerk
nicht in ausgesprochen leichtsinniger, d. h. gegen die übliche Vorsicht verstofsehder
Weise errichtet war. Die Kontrole hierüber macht natürlich bei Gegenseitigkeits-
gilden am wenigsten Schwierigkeit. Durch ihre sporadische Natur eignen sich in
der That Windschäden weit besser für gegenseitige lokale Versicherung als
Hagelschäden, die oft gröfsere Landstriche zugleich treffen,
I. Die Windhose vom 5. Juli 1890 bei Oldenburg.
A. Hinterlassene Spuren.
Der Weg, den die Windhose genommen hat, war überall, wo Bäume oder
Gebäude auf ihrem Wege standen, durch die angerichteten Verwüstungen kenntlich.
Die Orte, wo ich solche Windschäden theils durch eigene Beobachtung, theils
durch Erkundigungen feststellen konnte, sind .auf der Karte durch Kreuze ge-
kennzeichnet. Wie man sieht, liegen sie alle auf einer fast schnurgeraden Linie
von 47 km Länge. Die Lücken in derselben sind durch Moore oder Marschen
gebildet, auf denen die Windhose keine Spur hinterlassen konnte; aufserhalb der
auf der Karte durch Punktirung herrorgehobenen Gebiete sind in der Nähe der
Bahn dieser Windhose, abgesehen von einigen Chausseebäumen und Telegraphen-
stangen, Torf- oder Heuhaufen, keine Objekte vorhanden, welche die Erdober-
fäche erheblich überragen. Nur an wenigen, noch. zu erwähnenden Stellen
scheint die Trombe. über Baumgruppen in einiger Höhe weggehüpft zu sein,
ohne sie zu beschädigen.