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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Häfen und. Fahrten. an: der pacifischen Küste von Mexiko. und Centralamerika, 443 
Am 4."April morgens 6 Uhr. verließen wir mit Hochwasser diesen: Platz 
wieder, um nach Corinto, zu segeln. Es war ein sehr leichter veränderlicher Zug 
vorhanden, sodafs wir uns nur mit Mühe im Fahrwasser halten konnten. Die Weiter- 
reise wurde mit Winden aus verschiedenen Richtungen ausgeführt; am 6. April 3 Uhr 
morgens ankerte „Aeolus“ unter Cardon-Island, und um 1 Uhr nachmittags; als 
günstiger Wind durchkam, wurde eingesegelt.. ; 
In Corinto löschten wir den Rest der von Hamburg gebrachten Ladung 
und nahmen soviel Ballast, als zur Reise nach Puntarenas nöthig war. Alsdann 
wurde diese Reise bei stürmischem Südostwinde am 16. April angetreten. Am 
18. holte der Wind südlich und flaute ab. Am 20. April befanden wir uns in 
der Nähe der Insel Blanca, am 21. ankerten wir auf der: Rhede von Puntarenas, 
Hier mufsten wir 10 Tage Quarantäne liegen, weil die Nachricht eingelaufen 
war, daß in Nicaragua die Blattern ausgebrochen seien. Der reine Gesundheits- 
pafßs, den ich vorzeigen konnte, schützte uns nicht. Ein später von Corinto ein- 
kommender amerikanischer Dampfer wurde dagegen sofort zur Entlöschung zuge- 
lasseır. Eine von mir beim Kaiserlich deutschen Konsulate in San Josg de 
Costarica dieserhalb eingereichte Beschwerde ist ohne Erfolg geblieben. ; 
; Venado. Nachdem wir unsere Quarantäne abgehalten hatten, verliefsen 
wir Puntarenas am 4. Mai.wieder, um nach Venado, an dieser Küste zwischen 
Pargos und Lagasto, etwa 3 Sm von jedem. dieser Orte entfernt,. auf 10° 6,5’ N-Br 
und 85° 48‘ W-Lg belegen, zu segeln und dort Cedernholz für Europa zu laden, 
Am 7. Mai um 5 Uhr nachmittags legten wir das Schiff noch südlich von der 
Spitze Guionos bei dem Winde, um nicht während der Nacht durch die herrschende 
nördliche Strömung an unserem Bestimmungsplatze vorbei getrieben zu werden, 
und weil nur mit der. Seebriese einzusegeln ist. Am folgenden Morgen bei 
Tagesanbruch stellte es sich jedoch heraus, daß wir trotzdem etwa 15 Sm: nördlich 
von Venado, bis in die Nähe des Kaps Velas versetzt worden waren. Die 
Folge hiervon war, dafs wir noch bis zum Abend des 9. Mai gegen eine frische 
südliche Briese zu kreuzen hatten, bevor es uns möglich wurde, unweit Venado 
zu Anker zu kommen. Am 10. Mai um 8 Uhr morgens erreichten‘ wir dann 
endlich unsern Ankerplatz in Venado. ; 
In der gegenwärtigen Jahreszeit, derjenigen der vorherrschenden südwest- 
lichen Winde, ist die Lage eines Schiffes auf dem Ankerplatze von Venado eine 
sehr schlechte, und das im SWzW 1 bis 2 Sm aufserhalb desselben unter Wasser 
liegende Riff trägt noch ganz besonders dazu bei. Ein grober Seegang aufßserhalb 
des Riffs verursacht auf diesem eine hohe Brandung, welche als Roller oder 
Dünung ihre Wirkung einwärts bis über den Ankerplatz ausdehnt. Ein Vorzug 
besteht jedoch in dem gut haltenden Ankergrunde, Während unseres Hierseins 
vom 10. Mai bis zum 16. Juni hatten wir sehr viel schlechtes Wetter — viel 
Regen, täglich eine steife Seebriese und eine hohe See —, so da[ls das Beladen 
unseres Schiffes nur mit grofser Mühe vor sich gehen konnte. Eine Landung 
mit dem Boote läfst sich am besten mit halber Tide ausführen, und zwar eben 
nördlich vom Südriff, woselbst alsdann gar keine oder doch nur wenig Brandung 
steht. Das Cedernholz wird mit der Ebbe den Flufs hinunter geflöfst und von 
der Mündung desselben vermittelst einer Leine längsseits des Schiffes gezogen. 
Allein beim Passiren der Brandung werden: die Flösse nicht selten entzwei- 
gerissen oder unterst zu oben gekehrt. Das Wiederzusammensuchen der einzelnen 
Balken und das alsdann mit gröfserer Mühe verbundene KEinschlingen derselben 
gestalten das Uebernehmen der Ladung zu einer schwierigen und langwierigen Arbeit. 
Erst am Morgen des 16. Juni konnten wir Venado mit einer Theilladung 
wieder verlassen, um nach Puntarenas zurückzusegeln und dort weitere Order 
entgegenzunehmen, Die Landbriese brachte uns aber nicht weit genug vom 
Lande ab, und bei der nun folgenden Windstille trieb uns der Strom nach NO, 
so dafs wir-später in der Nähe von Pargos wieder ankern mufßsten. Um Mittag 
brachte uns ein mit einem Gewitterschauer durchkommender Nordostwind frei 
von der Küste. Am Abend des 19. Juni wurde Puntarenas erreicht. 
Am Morgen des 21. Juni versegelten wir nach dem etwa 9 Sm in südöst- 
licher Richtung entfernt liegenden Platze Jesus Maria, wo wir den Rest unserer 
Ladung einnehmen sollten. Hier konnte an mehreren Tagen wegen zu hohen 
Seegangs gar nicht geladen werden; zu anderen Zeiten lief ein sehr starker Strom, 
der mitunter eine Geschwindigkeit von 5 bis 6 Knoten erreichte, von Calderas-
	        
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