440 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1896.
eine frische günstige Briese durchkam, so gelangte das Boot nach kurzer Zeit
— um 10'% Uhr vormittags — nach dem Schiffe zurück.
Der Kapitän eines auf der Rhede von Balasore ankommenden Schiffes
thut gut, um möglichst bald zur Stadt zu gelangen, mit dem Boote nach einem
in Ladung vor Anker liegenden Schiffe zu fahren und mit einem zurückkehrenden
leeren Leichter die Reise zu machen, wobei er sich für etwa 12 bis 18 Stunden
mit Proviant zu versorgen hat; besser noch, wenn er es sO einrichten kann, mit
dem von Kalkutta nach Balasore bestimmten Dampfer. Der Führer dieses
Dampfers, ein geborener Däne, ist recht zuvorkommend und stets bereit, die
Mitfahrt zu gestatten. Wenn indefßs keine dieser beiden Gelegenheiten sich
darbietet, sondern man auf sein eigenes Boot angewiesen ist, so mufß man das-
selbe mit reichlichem Proviant, den nöthigen Kleidern und Schlafdecken für ein
Vebernachten sowie mit einem Kompasse versehen. Dann trete man zur
geeigneten Stunde der Gezeit die Reise an, bringe die Flaggenstange am Lande
in WNW und segele dann direkt auf dieselbe los. Es werden dann nach kurzer
Zeit die weiße Tonne und die am Lande stehenden weifsen Leitbaken entdeckt
werden. Die Kosten für das Löschen des Ballastes und das Laden des Reis
in Balasore betragen 8 Annas (!/e Rp.) die Tonne. Hierfür werden aufser den
Leichtern die Arbeiter (Kulis) geliefert, welche die ganze Zeit an Bord bleiben
und vom Schiffe unentgeltlich mit Trinkwasser, Salz und Feuerholz versorgt
werden müssen. Das Trinkwasser kostet hier 20 Rp. für 400 Gallonen,
und ist noch dazu für Europäer ungesund. Fleisch, Gemüse, Kartoffeln, Yams
und süße Kartoffeln sind zu mäfsigen Preisen zu bekommen. Rindfleisch ist
zwar nicht immer vorhanden, wohl aber Schaffleisch. Hühner sind klein und
kosten 4 Rp. das Dutzend.
Am 26. Februar 1893 hatte „Castor“ die für ihn in Balasore bestimmte
Ladung von etwa 7000 Säcken Reis eingenommen. Ein ungefähr ebenso grofses
Quantum sollte das Schiff in Gopalpore, ungefähr 180 Sm weiter südwestwärts
an dieser Küste, laden. Noch an demselben Tage wurde die Reise dorthin
angetreten, An diesem Tage sowie an den beiden folgenden war der Wind
sehr flau und zuweilen so schwach, dafs das Schiff nicht zu steuern war. Auch
am 1. März war es bis Mittag still, dann kam eine lebhafte Seebriese durch,
worauf um 2 Uhr morgens den 2. März die Rhede von Gopalpore erreicht
wurde. Der Wasserstand auf dem Ankerplatze betrug 145m (8 Faden). Von
demselben peilte die Flaggenstange am Lande mw. WzN, der Nordpfeiler NNW
und der Südpfeiler W!/4S.
Während der Anwesenheit von „Castor“ auf der Rhede von Gopalpore.
vom 2. bis zum 10. März 1893 war das Wetter daselbst stets gut, und es fand
ein regelmäfsiger Wechsel von Land- und Seewind statt, KErsterer begann in
der Regel um 12 Uhr nachts, Letzterer um 12 Uhr mittags. Es war daher
auch nur eine geringe Brandung am Strande vorhanden, so dafs das Laden sehr
gut von Statten ging und es selbst möglich war, an einem Tage 2800 Säcke
Reis zu laden. Diese Leistung mul um so höher geschätzt werden, wenn man
bedenkt, dafs die Ladung in kleinen, flachbodenen Booten, die nur 20 Säcke
Reis zu einem Male tragen können, vom Lande nach dem Schiffe befördert wurde.
Proviant und Trinkwasser sind billiger und besser und die Arbeiter tüchtiger
in Gopalpore als in Balasore.
Am 10. März um 1 Uhr morgens verliefs „Castor“ mit der Landbriese die
Rhede von Gopalpore und trat die Reise nach Cochin an. Diese Reise wurde
für „Castor“ sowie für zwei mitsegelnde englische Schiffe, welche bezw. am
3. und 8. März von False Point abgegangen waren, eine lange. Den gröfsten
Aufenthalt hatten die Schiffe zwischen Kap Komorin und Cochin. „Castor“ kam
am 7. April in Cochin an nach einer Reise von 28 Tagen, während von den beiden
Engländern der eine ebenfalls 28, der andere 20 Tage zur Reise gebraucht hatte.