Von Santos über Diamond Island, Balasore und Gopalpore nach Cochin. 437
in der Höhe und der Ausdehnung eines grofsen Schiffsrumpfes empor- und. herum-
gewirbelt. Die Wasserhose verschwand nach. kurzer Zeit hinter einem dicken
Regenschauer und kam nicht wieder zum Vorschein. .
Am 3. Dezember wurde auf 6,1° N-Br und 92,4° O-Lg die Grenze zwischen
dem Nordwest- und dem Nordostmonsun überschritten. Letzterer wehte anfänglich
aus Nord und mit wenig Stärke, frischte aber nach. Verlauf von . zwei
Tagen etwas auf und holte nach NE. Im Ganzen. blieb. er indefs nur von
geringer Stärke, und da gleichzeitig ein südwestlicher Strom vorhanden war, so:
war der Fortschritt des Schiffes ein recht langsamer. In den Tagesstunden
wurde die leichte Briese glücklicherweise manchmal durch kurze Windstöße
verstärkt. Am Mittage des 22. Dezember war der Schiffsort 15° 17‘ N-Br und
94° 2’ O0-Lg. Auf Südsüdostkurs weiter segelnd, sichtete man 50 Minuten.später
die Insel Preparis im SSW, während gleichzeitig eine Wassertiefe von 71m
(39 Faden) gelothet wurde. Die Verhältnisse waren dann derartig schlecht, dafs
das Schiff zwei Tage — bis’ zum Mittage des 24. Dezember. — in Sicht : dieser
Insel verblieb. Gleich nach Mittag am vorhergegangenen Tage trieb das Schiff bei
Windstille steuerlos mit der Strömung über das Thaliariff, auf dem nur 10 Faden
Wasser. stehen, hinweg. Es wurden Stromkabbelungen, -Schilf, .Treibholz : und
Seeschlangen beobachtet. . .
Am 27. Dezember um 8 Uhr abends peilte das Feuer von Alguado-Riff beim
ersten Erscheinen mw. NOzO, 22 Sm entfernt. Am Vormittage des 30. Dezember
steuerte man bei beständigem Lothen und unter Peilung des Alguada-Feuer-
thurmes auf B. B.-Halsen voll und‘ bei, worauf um 12 Uhr mittags der genannte
Thurm mw. WNW!/W peilte. Bald darauf mußte wegen des starken Gegen-
stromes’ bei.der flauen Briese auf einer Wassertiefe von 29m (16 Faden) mit
dem Wurfanker und 90m (50 Faden) Stahltrosse geankert werden. Als um
4 Uhr nachmittags ein leichter nordwestlicher Zug durchkam, wurde der Wurf-
anker wieder gelichtet und. dann bei dem Winde nordwärts gesegelt, nach noch-
maligem Ankern während der Nacht endlich am Mittage des 31. Dezember der
Ankerplatz bei Diamond-Insel_ erreicht. ;
Einige der hier anwesenden Schiffe hatten den Aequator noch einige Tage
später in derselben Länge als „Castor“ gekreuzt, und von 5° N-Br in 93° O-Ly
Reisen von 13 bis 16 Tagen bis hierher gehabt; wohingegen. „Castor“ zur
Zurücklegung. dieser Strecke nicht weniger als: 30 Tage gebrauchte. .Erstere
waren, entsprechend der Segelanweisung von Heckford, entweder östlich oder
westlich von den Andamanen aufgekreuzt und hatten dort eine verhältnifsmäfsig
gute Gelegenheit gefunden; der „Castor“ hatte sich nach der Segelanweisung
von Rosser & Imray gerichtet und bis 12° N-Br die Mitte der Bai von Bengalen
gehalten, war dann durch den Preparis-Kanal gegangen und hatte auf der ganzen
Strecke, wobei man bis nach 16° N-Br hinauf kam; viel durch Stillen‘ und
starken Gegenstrom zu leiden gehabt. ')
In Diamond Island fand der Kapitän Briefe und zwei Charterpartien von
seiner Rhederei in Hamburg vor. Die eine. Charterpartie lautete auf eine Haus-
fracht ' von Cochin nach Hamburg, die andere, welche den Abschlufs einer
vorhergehenden Küstenfracht enthielt, war hinfällig geworden, weil sie bestimmte,
dafs das Schiff am 16.. Dezember ladebereit sein müsse. Am 5. Januar gelang
es dem Kapitän, eine neue Küstenfracht abzuschließen, um in Balasore und
einem anderen benachbarten Platze eine Ladung Reis einzunehmen und. nach
Cochin zu bringen.
Während .der Anwesenheit von. „Castor“ in Diamond . Island vom
31. Dezember 1892 bis zum 6. Januar 1893 wehte gewöhnlich von 4 bis 6 Uhr
morgens an ein frischer Wind von NEzN, der gegen Mittag abflaute und ver-
änderlich zwischen Nord und Ost wurde. Um.4 Uhr. nachmittags kam eine
nordwestliche Briese durch, die am Abend abflaute und. so bis zum nächsten
Morgen um 4 Uhr blieb.
Nach Aussage des Lootsen ist die Passage zwischen Diamond Island und
der Phaeton-Untiefe,. eine halbe Seemeile südlich des äufsersten sichtbaren Theils
1) Naclr den Anweisungen im Segelhandbuch der Seewarte sollten Schiffe, welche . nach
Rangun, Moulmain- oder Bassein bestimmt, sind, in den-ersten Monaten des Nordostmonsuns, wenn
möglich; die Route im. Osten‘ der Andumanen: nehmen.