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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

436 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1896. 
Wetterverhältnissen. und zum Andern das Herausfinden der Leuchtfeuer von den 
Lichtern der in der Nähe befindlichen Fahrzeuge. Die einzigen Merkmale zur 
Erkennung der Feuer waren die höhere Lage derselben und der Schein, welchen 
sie auf das zur Zeit vollkommen glatte Wasser warfen. 
Eine Segelanweisung über die Durchfahrt bei Nacht ezxistirt nicht. Nach 
den Erfahrungen halte ich zum Passiren bei Nacht einen Lootsen für nothwendig; 
jedenfalls dürfte die Durchfahrt zum ersten Male ohne einen solchen nicht ver- 
sucht werden. 
Reise der Bark „Castor‘“, Kapt. L. Rassmussen, von Santos 
über Diamond Island, Balasore und Gopalpore nach Cochin. 
Die Bark „Castor“ trat am 13. September 1892 bei frischer Südwestbriese 
und schönem Wetter eine Reise von Santos nach Diamond Island an. Der 
anfangs frische bis starke Wind von SW holte allmählich links herum und 
wurde flauer, bis er am Nachmittage des 17. September, in etwa 27,0° S-Br und 
35,3° W-Lg, eine südöstliche Richtung erlangte. Indem der Wind seine Drehung 
im gleichen Sinne fortsetzte, erlitt der Fortschritt des Schiffes eine nur geringe 
Unterbrechung. Bis zum 29. September in 36,6° S-Br und 13,3° W-Lg waren 
alsdann leichte bis frische Winde aus dem nördlichen Viertel vorherrschend. 
Nun aber drangen wieder südöstliche Winde bei regnerischem Wetter durch. 
Allein auch dieses Mal war der Gegenwind nur von kurzer Dauer, der Wind 
holte wieder langsam links herum, und am 5. Oktober wurde nach 22tägiger 
Reise der erste Meridian in ungefähr 39,0° S-Br gekreuzt. 
Den Meridian des Kaps der Guten Hoffnung passirte das Schiff am 
12. Oktober, nach einer Reise von 29 Tagen in 39,3° S-Br bei flauer südöstlicher 
Briese, schönem Wetter und einer hohen südwestlichen Dünung. Die Länge wurde 
gröfstentheils zwischen 40 und 41° Breite abgelaufen; die dabei erreichte höchste 
Breite war 43,5° S-Br in 60° O-Lg. Der Wind hatte durchweg eine mittlere 
Stärke und war bei Weitem am häufigsten aus einer günstigen Richtung, Es trat 
in dieser Zeit nur ein Sturm auf und zwar am 28. Oktober in etwa 42,5° S-Br und 
61,8° O-Lg aus Westen, Stärke 10 bis 11. 80° O-Lg erreichte das Schiff am 
4. November auf 36,7° S-Br. 
Die südliche Grenze des Südostpassats lag auf der Route des „Castor“ 
am 10. November auf 31,8° S-Br in 83,7° O-Lg. Bis nach 10° S-Br wehte der 
Passat frisch aus SE oder ESE, dann wurde seine Richtung vorwiegend Ost, und 
seine Stärke nahm bis zu der einer flauen Kühlte ab. Zwischen 7,7° und 
7,3° S-Br fand die erste Störung des Passats durch leichten nordwestlichen 
Zug statt, dann drang auf die Dauer der drei nächsten Etmale der Passat noch- 
mals schwach durch, um aber in etwa 3,6° S-Br und 90,4° O-Lg endgültig durch 
den Nordwestmonsun aufgehoben zu werden. Der Uebergang von dem einen 
Windsystem zu dem anderen vollzog sich allmählich, indem der Wind seine 
Richtung von SE durch SW nach NW veränderte. Der Nordwestmonsun war 
meistens leicht, doch auch nicht selten steif. Die Luft war häufig böig und 
regnerisch oder dunstig, und es fand manchmal Blitzen statt. Zweimal wurde ein 
Mondring gesehen. 
Am Vormittage des 27. November wurde kurz vor 9 Uhr auf 2,5° S-Br 
und 90,9° O-Lg, bei sehr leichter Nordwestbriese, böiger Luft und entferntem 
Donner im Osten, die rasche Bildung einer Wasserhose beobachtet. Von einer 
im Westen stehenden nicht sehr hohen, dicken böigen Wolke senkte sich ein 
trichterförmiger Schlauch, der nach unten zu enger wurde, bis nahe auf die 
Meeresoberfläche und verursachte hier einen starken Strudel. Die Wasser- 
theilchen sprühten herum, so dafs die Erscheinung aus der Ferne gesehen, wie 
Regen aussah. Bald darauf wurde dieselbe dem Auge des Beobachters durch 
eine sich vorlagernde Regenböe, die hinter das Schiff umging, für eine kurze 
Zeit entzogen; um 9'/ Uhr wurde sie jedoch wieder sichtbar, und jetzt ent- 
deckte man innerhalb des dunklen Schlauches eine weifse Säule von scheinbar 
10 bis 15 cm im Durchmesser. Die Meeresoberfläche wurde als weißer Gischt
	        
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