Ann. d. Hydr. etc., XXIV. Jahrg. (1896), Heft X.
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Zur Hydrographie der Samoa-Inseln.
Aus dem Reisebericht S. M, S, „Bussard“, Kommandant Korv.-Kapt. WINKLER.
Den 15. November 1895 9 Uhr vormittags verließ S, M. S. „Bussard“ den
Hafen von Apia und dampfte mit OzS-Kurs 1 Sm von den Riffen ab an der
Nordküste Upolus entlang nach Saluafata, wo um .11l* 30“ geankert wurde.
Während des Vorbeidampfens bei Vailele war die dortige KEinsegelungslinie
Bake und Blechdach zwischen zwei Hütten am Strande von Letiongo — gut
auszumachen, wie überhaupt bei östlichem Stande der Sonne; es wurde später
während der Schießübung die Bake, welche weils gestrichen worden ist, auf 7 Sm
Entfernung deutlich gesehen, bei westlichem Stande der Sonne dagegen sind die
Marken schwierig zu sehen, und es ist daher das Einlaufen zu dieser Tageszeit
nicht rathsam.
Die Bake auf der Ariadne-Huk war in schlechtem Zustande, die Farbe
abgewaschen, viele Latten herausgebrochen, und da die Bake zur Hälfte im
Gestrüpp steht, so ist sie bei östlichem und hohem Stande der Sonne sehr. schwer
zu erkennen, bei westlichem und niederem Stande der Sonne dagegen war sie später
stets gut auf 7 bis 8 Sm deutlich auszumachen, nachdem die Farbe erneuert und einige
Latten eingesetzt worden waren. Die Höhe der Bake beträgt nicht 35 m über
Niedrigwasser, wie in der Karte XII, No. 164, angegeben ist, sondern, wie durch
direkte Messung festgestellt wurde, 15 m. Die falsche Angabe von 35m Höhe
verführt dazu, die Bake auf dem Kamm der Huk zu suchen, während sie unmittelbar
am Wasser steht.
Pango-Pango. Beim Ansteuern von Süden bildet der Peiva Peak östlich
des Hafens eine gute Marke. Die Taema-Bank, auch die 4'!/2 Faden-Stelle (8,2 m)
am Westende derselben, vor welcher in den Segelanweisungen besonders gewarnt
ist, markirte sich garnicht, auch vom Topp aus war selbst bei Niedrigwasser
nichts davon zu bemerken. ; ;
Die Marke zum Vermeiden der Taema-Bank beim Ansteuern von Süden
— Peiva Peak und Breaker Point in Eins — ist schwer auszumachen, weil sich
Breaker Point von dieser Seite schlecht markirt und nur an der Unterbrechung
der weißen Strandlinie in Verbindung mit den davor stehenden Brechern zu
erkennen ist. Es genügt jedoch die magnetische Peilung NzO0'/4O des Peiva Peak,
um von allen flachen Stellen oder Riffen freizukommen. Es wurde bestätigt
gefunden, dafs die Küstenkonturen von Sail Rock bis Pango-Pango auf. der
Karte XII, No. 163, nicht richtig gezeichnet sind und dafs deswegen die Karte XII,
No. 162, trotz des kleineren Mafsstabes vorzuziehen ist. Die Einsteuerung in
den Hafen von Pango-Pango mit Hülfe der Deckpeilung „Bake über dem Süd-
giebel der Missionskirche“ war leicht, Whale Rock wurde vom Topp aus gesehen,
Grampus Rock nicht, dagegen Sunken Rock an der darauf stehenden Brandung
erkannt. Der Hafen bietet guten Ankergrund und einen. sicheren geschützten
Liegeplatz, es fehlt dagegen frischer Proviant und Wasser. Der in den Segel-
anweisungen und in der Karte angegebene Platz zum Wassernehmen liegt im
innersten Theil der Bucht, südlich von Pango-Pango; es mündet dort ein kleiner
Bach, welcher sehr wenig Wasser hat; die Annäherung selbst mit kleinen Booten
ist schwierig und nur bei Hochwasser überhaupt möglich, ein Wassernehmen
deshalb ausgeschlossen. |
In Fonga-Tongo ist die in der Karte gezeichnete Landebrücke nicht vor-
handen, dagegen eine nicht in der Karte verzeichnete Kirche, welche ein gutes
Peilobjekt bildet, ebenso in Pango-Pango.
Der Hafen von Pango-Pango wird gelegentlich von Kopra-Schonern aus
Apia angelaufen, die Hauptstation für diesen Handel ist jedoch Leone. Auch
die Dampfer der „Union Steam Ship Company“, Neu-Seeland, kommen nur in
gröfseren Zeitintervallen dahin, um eine Ladung Kopra zu nehmen.
Ann. d. Hyär. etc., 1896, Hoft X.
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