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Annalen der Hydrographie und Maıitimen Meteorologie, Januar 1896.
Südostwinde noch manchmal vorhanden.) Im grofsen Ganzen herrscht also jetzt
eine einzige, allgemeine Luftströmung von NW bezw. SW, d. h. der indische
Sommermonsun, Der Nordwestwind des Rothen Meeres ist der abgelenkte SW
des Aden-Golfes. Dies ist ein bemerkenswerther Unterschied zu den Verhältnissen
im Winter. Der Nordostmonsun des Arabischen Meeres, der in den Winter-
monaten die Bab-el-Mandeb-Strafse und die südliche Hälfte des Rothen Meeres
als Südostwind beherrscht, vermag nicht bis nach der nördlichen Hälfte vor-
zudringen; dem Südwestmonsun des Sommers gelingt es, die Luft des ganzen
Rothen Meeres in seine Bewegung hineinzureifsen. Daraus ergiebt sich zugleich,
dafs eben in der nördlichen Meereshälfte nördliche Winde während des ganzen
Jahres überwiegen, und die im März besonders bemerkbar gewesenen Ansätze
zu Südostwinden gerade nach den Sommermonaten hin zu Gunsten der Nordwest-
winde verschwinden müssen.
Im Juni ist die Stärke des Windes (aus NW) am gröfsten ganz im Norden,
wo in Abtheilung „A“ und „B“ vereinzelt Sturmstärke erreicht worden ist.
Windstillen sind südwärts von der Breite Massauas und im Golf von
Aden häufig notirt mit über 10° der Beobachtungen.
Auch hinsichtlich der vorherrschenden Stromrichtungen sind nunmehr
beträchtliche Aenderungen in dem Sinne eingetreten, dafs, entsprechend dem
einheitlichen Luftstrom, auch die Meeresströmung fast durchweg nach der einen
Richtung SO, im Golf von Aden aber nach Ost setzt. Stromstillen sind nicht
sehr häufig, im Golf von Aden so gut wie gar nicht beobachtet. Denn hier
setzt das Wasser mit einer durchschnittlich sehr beträchtlichen Geschwindigkeit
nach dem offenen Ocean hinaus, offenbar angezogen von der starken Trift, die
an der Somaliküste und am Kap Guardafui vorbei um diese Jahreszeit nach NO
und Ost läuft. Oestlich von 46° O-Lg sind unter der arabischen Küste mehrmals
stündliche Geschwindigkeiten von über 2 Knoten festgestellt worden, während
unter der afrikanischen Küste, besonders zwischen 48° und 46° O-Lg, ein
leichter Neerstrom nach Westen zu flielsen scheint. Im Rothen Meere ist die
Südostbewegung des Wassers weniger stark, und schwache Gegenströme nach
Nord und NW sind nirgends ausgeschlossen.
7. Juli.
Nordwestwind im ganzen Rothen Meere, Südwestwind im Golf von Aden.
Zwischen 20° und 16° N-Br ist auch die Richtung West und sogar SW
aufgetreten. Im Rothen Meere weht der NW am stärksten und mit sehr grofser
Beständigkeit ganz im Norden bis zu „Brüdern“; weiter südlich wird der Wind
unter Zunahme von Windstille schwächer. Im Golf von Aden ist die Stärke
wieder größer, hier sind auch Stürme aus SW beobachtet. —
Auffallenderweise sind gerade im nördlichen Theile des Rothen Meeres,
wo der frische, beständige NW steht, die beobachteten Versetzungen recht
variabel und auch Stromstillen häufig. Erst südlich von der Breite von Djiddah
überwiegt die natürliche Südostbewegung, ist aber schwach, (selten 1 Knoten
pro Stunde) jedenfalls nicht stärker als im Juni, trotz des Vorschreitens der
Monsunperiode. Nur in der Enge, zwischen Jebel Zukur (14° N-Br) und Perim
steigert sich die Geschwindigkeit auf 1'/z Knoten.
Im Golf von Aden herrscht in der Mitte und in der nördlichen Hälfte
Ostbewegung des Wassers, nahe der afrikanischen Küste aber Westbewegung.
Westlich von Aden, im innersten Theil des Golfes, ist die Stromstärke nicht
bedeutend, um so kräftiger aber östlich von 46° O-Lg, wo ein reifsender Strom
nach Osten bis 3 Knoten und auch mehr setzt. In diesem Monat wird hier die
größte durchschnittliche Geschwindigkeit konstatirt; in der Mitte ist die Richtung
nicht selten Norden, was offenbar derart zu Stande kommt, dafs von der unter
der afrikanischen Seite schwach nach Westen setzenden Neerströmung Wasser
nach Norden und Osten zum Hauptstrom fortgerissen wird.
8. August.
Der mäßig starke Wind weht über dem ganzen Gebiet des Rothen Meeres
vorherrschend aus NW, wobei aber zwischen Suez und 26° N-Br manchmal
Sturmesstärke erreicht wird. Zwischen 22° und 18° N-Br sind auch West- und
Südwestwinde öfters beohachtet, aufserdem ganz im Süden, im „Perimfeld“, wo