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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1896.
Wiederauffindung des Pearn-Riffes. Korallenmeer.
Der Hydrograph der Britischen Admiralität, Admiral W.J, L. Wharton,
schreibt an den Herausgeber des „Nautical Magazine“ ?) unter dem 27. Juni d. J.
Folgendes: ;
„Die Wiederauffindung des Pearn-Riffes auf der inneren Route des Großen
Barrieren-Riffes an der Ostküste Australiens verdient einige Bemerkungen, weil
sie wieder ein Beweis dafür ist, wie ungemein schwierig selbst in häufig befahrenen
engen Gewässern ganz kleine Felsspitzen sich wiederfinden lassen.
Es war im Jahre 1876, als ein kleiner Schoner, von Kapt. Pearn geführt,
gegen den Passat in dem inneren Hauptfahrwasser ankreuzte, etwa 50 Sm südlich
von Kap York. Frau Pearn, welche auch an Bord war, rief plötzlich, daß sie
den Meeresgrund sähe, und als Pearn daraufhin selbst herzukam, sah er noch
den Felsen achteraus. Beide waren ihrer Beobachtung, daß es sich um einen
kleinen Felsen handle, durchaus sicher. Die Positionsbestimmung war nicht ganz
und gar genau, was nicht Wunder nimmt, wenn man die etwas unvollkommenen
Hülfsmittel der Navigirung an Bord eines so kleinen Fahrzeuges sich vergegen-
wärtigt; 2a Sm in SSW von Half-way Island sollte der Felsen liegen.
Im Laufe der systematischen Vermessung des Kanals, die mehrere Jahre
hindurch von einem britischen Marinefahrzeug ausgeführt worden ist, suchte man
zweimal sehr genau ein beträchtliches Stück der Meeresoberfläche ab, ohne
Erfolg; keine Andeutung von einer Untiefe war zu finden.
Da aber die Erfahrung gezeigt hat, dafs kleine Felsspitzen manchmal sich
außerordentlich leicht den Blicken entziehen, es mag nun Wind und Seegang
sein wie er will, und da außerdem die Berichte Kapt. Pearns und seiner Frau
ganz augenscheinlich zuverlässig waren, so wurde der Felsen auf der Seekarte
nicht getilgt, sondern beibehalten unter Hinzufügung von P. D. (position doubtful).
1895 passirte des Nachts der Dampfer „Duke of Buckingham“ die in Rede
stehende Gegend und berührte etwas, doch ohne Schaden zu nehmen, auch ein
Taucher konnte keine Beschädigung konstatiren.
Nun wurde endlich in diesem Jahre die Gegend noch einmal abgesucht,
und es ist soeben ein Telegramm von Lieutenant Commander Howard (britisches
Vermessungsschiff „Dart“) eingegangen des Inhaltes, dafs er einen sehr kleinen
Felsen, über dem nur 10 Fuls Wasser stehen, genau auf der Linie gefunden hat,
welche in den Admiralitätskarten als „course recommended“ eingetragen ist, und
zwar 1 Sm noch südsüdwestlich von der durch Pearn angegebenen Lage,
Erinnert man sich an das schreckliche Unglück, das auf einem ähnlichen
Felsen 50 Sm nördlicher in eben dieser Passage die „Quetta“ betroffen hat, so
wird man dankbar sein, daß auf dem nunmehr genau festgelegten Pearn-Riff in
der Zwischenzeit nicht auch ein Schiff verloren gegangen ist.“
Soweit Admiral Wharton.
„Wir fügen hinzu, dafs in den von der Nautischen Abtheilung des Reichs-
Marine-Amts herausgegebenen „Nachrichten für Seefahrer“ nicht nur die Erfahrung
des Dampfers „Duke of Buckingham“ bekannt gemacht ist,*) sondern auch die
Mittheilung des Kommandanten des „Dart“ bereits wiedergegeben ist.°) Hier-
nach ist die berichtigte Lage des Pearn-Riffes:
11° 25’ 39“ S-Br
142° 56° 2“ O-Lg,
das ist 3,2 Sm in S 27° W von der Mitte der Insel Half-way entfernt; auf der
Klippe steht bei Niedrigwasser 3 m (10‘) Wasser, während die nächste Umgebung
21,9 m (12 Faden) Tiefe zeigt.
1) Augustheft 1896, S. 743 u. 744
2) Siehe a. a. O. 1895, No. 1056.
3) Siehe ebenda 1896, No. 1674.