Knipping: Taifun-Zugstrafsen im fernen Osten.
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Taifun-Zugstrafsen im fernen Osten.
No. 1. Am Südende der Formosa - Strafse vorbei.!)
Der Verfasser beabsichtigt, mit besonderer Rücksicht auf die Praxis in
einer Reihe von Arbeiten die Taifune je einer bestimmten Zugstrafse zu behandeln.
Er sagt darüber in der Vorrede: „Ich werde aus jeder Reihe (der zu ein und
derselben Zugstrafse gehörigen) Taifune einen, gewöhnlich den zuletzt beobachteten,
eingehender untersuchen, dann die hauptsächlichsten Taifune derselben Zugstrafse
übersichtlich zusammenfassen. und endlich daraus einige allgemeine Schlüsse ab-
zuleiten versuchen.“
Kapitel I behandelt demnach den Taifun vom 19. September 1895, II die
wichtigsten Taifune im Süden des Formosa-Kanals (21 Fälle); III enthält die
Schlufsfolgerungen.
In jedem Jahre folgt mindestens ein Taifun dieser Zugstrafse, mit Vorliebe
in der zweiten Hälfte des Septembers. Die Richtung ist vom Südkap Formosas
an meist NW, die mittlere stündliche Geschwindigkeit 14 Sm, der Halbmesser
rund 200 Sm. Das Barometer fällt durchschnittlich bis 739 mm (von 757 mm),
der schnelle Fall dauert 14 Stunden. Sie zeichnen sich durch ihr plötzliches
Auftreten, ihre Heftigkeit und ihre geringe Ausdehnung aus; ihre barometrische
Tiefe nimmt mit der Annäherung an die Festlandküste schnell ab. Eine Reihe
von Wetterkarten und Zeichnungen sind eine willkommene Zugabe.
Interessant ist die in der Vorrede angedeutete Bestimmung der Barometer-
verbesserungen. Wenn ein von der Nordsee ausgehendes oder dahin zurück-
kehrendes Schiff, das für die Seewarte beobachtet, durch den Kanal fährt, werden
später die Barometerstände von 8a an Bord mit denen der gleichzeitigen Wetter-
karten verglichen. Man überzeugt sich so,.ob das (Quecksilber-) Barometer an
Bord vor und nach der Reise in Ordnung war. An der chinesischen Küste
bestimmt umgekehrt Herr Froc die Barometerverbesserung der Landstationen
in Ermangelung eines besseren Mittels durch gleichzeitige Beobachtungen an
Bord in See, und zwar so: Das Observatorium von Zikawei hat eine ganze
Reihe von regelmäfsig in Shanghai verkehrenden Schiffen mit Richardschen
Barographen ausgerüstet, deren gefüllte Beobachtungsbogen ihm eingesandt werden.
Eine fortlaufende Ueberwachung der Barographen bei jeder Rückkehr nach Shanghai
und Vergleich der Kurven mit den gleichzeitigen Beobachtungen auf den Leucht-
thürmen (3, 6, 9, 12a und p) u. s. w., wo die Dampfer vorbeifahren, ermöglichen
das Anbringen genauer Verbesserungen an die Landbeobachtungen, Der Ver-
fasser bemerkt, die Genauigkeit dieser Barographen sei sehr grofs, die Abweichung
betrüge gelegentlich weniger als ein halbes Millimeter im Laufe eines Jahres.
Für manche Untersuchungen wäre es sehr erwünscht, wenn sich diese
billigen (137 Fres.) Barographen auch in der deutschen Kriegs- und Handels-
marine einbürgerten, zumal eine ununterbrochene Aufzeichnung des Barometer-
standes auch in der Praxis an Bord gerade an kritischen Tagen unleugbare Vor-
züge vor Einzelbeobachtungen besitzt.
Die fleifsige und gründliche Arbeit ist klar geschrieben und sehr lesens-
werth; sie kennt den Ausdruck „Taifun“ nur in seemännischem Sinne, berück-
sichtigt die örtlichen Verhältnisse in besonderem Male — man vergleiche z. B.,
was über das Verhältnis des Nordostmonsuns zu den Taifunen dieser Zugstrafse
gesagt ist — und hält sich in erster Linie an Thatsachen und sichere Beob-
achtungen
Eine solche Bearbeitung wird, wie schon diese erste Nummer zeigt, auch
zu praktischen Ergebnissen führen. Eins mag hier hervorgehoben werden: Diese
Taifune treffen vor September die chinesische Küste nördlich von Chapel Island
(Nordnordwest- bis Nordwestkurs), im September die Küste südlich davon
(Westnordwestkurs vom Südkap). E. K.
1 „Typhoon Highways in the Far Eust“ by R. F. L. Froc S. J. „No. 1. Across the
South End of Formosa Strait.“ Zikawei Observatory. Shanghai 1896. Kelly & Walsh. Gr. 4°.
42 Seiten. 5 Tafeln.