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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

124 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1896. 
eine Lösung für die räthselhafte Thatsache, dafs die Fluthgröße längs der 
holländischen Küste eine jährliche Periode hat, deren Maximum an der 
Groningschen und Zeeuwschen Küste im Mai und in Ymuiden früher, im März, fällt. 
insofern nämlich durch verschiedene Ursachen der mittlere Seestand auf 
dem Wege, welchen die Kanalwelle einerseits und die ältere schottische Welle 
andererseits zurücklegen, eine Schwankung zeigt mit einer jährlichen Periode, 
welche in dem mittleren Seestand an der holländischen Küste beobachtet ist, so 
ist es möglich, dafs die eine Welle eine etwas gröfsere Fortpflanzungsgeschwindigkeit 
erhält im Vergleich zu der anderen, wovon die Folge ist, dafs die beiden inter- 
ferirenden Wellen sich auf einem anderen Punkte begegnen, was auf ein und 
demselben Beobachtungspunkt eine Schwankung der Fluthhöhe zur Folge 
haben mufs, 
Gesetzt z. B., dafs der Wellenscheitel aus dem Süden im Januar das Thal 
aus dem Norden einem gewissen Punkte A an der Küste gegenüber begegnet 
und dieser Begegnungspunkt sich in dem Laufe des Jahres südwärts verschiebt, 
bis ein halbes Jahr später die Begegnung beim Punkt B an der Küste stattfindet, 
dann muß auf Punkt A die Minimal-Fluthhöhe im Januar und umgekehrt auf 
Punkt B im Juli die Maximal-Fluthhöhe fallen. 
Aufserdurch Veränderung in dem mittleren Seestande kann die Beschleunigung 
oder Verzögerung der Fortpflanzung der Gezeitenwellen z. B. auch durch herrschende 
Winde beeinflulst werden. 
Verwirft man jedoch die Idee von interferirenden Gezeitenwellen, dann 
fällt diese Möglichkeit der Erklärung fort, während die Theorie, auf welcher die 
harmonische Analyse beruht, ebensowenig eine Erklärung der genannten KEr- 
scheinung giebt. 
: Gruppe XII. Irische See. 
Die Konstanten von Liverpool (No. 66) und von Helbre (No. 67) sind 
fast vollständig gleich und schließen sich ganz dem Charakter der Gezeiten von 
Brest und West-Hartlepool an. Sie gehören mit diesen somit augenscheinlich 
zu ein und demselben Wellensystem. 
Dies geht auch aus dem Alter der Gezeiten hervor. Dasselbe beträgt: 
Beobachtungspunkte, . . No. 55 66 67 64 
(Brest) (Liverpool) (Helbre) (West-Hartlepool) 
für Springtide . . 2.0... 37 44 43 40 Stunden 
für Parallaxtide , . . . . 31 40 44 46 % 
für Deklinationstide , . . . 95 141 134 148 » 
Die Gezeiten im Nordatlantischen Ocean längs der amerikanischen Küste 
(Gruppe VIII) und die längs der europäischen Küste in Brest, in der Irischen 
See und in West-Hartlepool haben gewisse Uebereinstimmung, namentlich in dem 
geringen Betrage der eintägigen Gezeiten und der schwachen Sonnenwelle S,. 
Ein Unterschied besteht darin, dafs die Sonnenwelle längs der amerikanischen 
Küste merklich schwächer ist als längs der europäischen und dafß das Verhältnifs 
©, welches längs der amerikanischen Küste bedeutend kleiner als die Einheit, 
1 
an der europäischen größer als 1 ist. 
Gruppe XIH. Ostsee. 
Die Gezeitenwelle in Kopenhagen (No. 65) ist sehr anormal; das Ver- 
hältnifs der Konstanten weicht gänzlich von dem von West-Hartlepool und 
Helgoland ab. Man kann deshalb die Gezeiten in Kopenhagen nicht als die 
fortgepflanzte Nordsee-Welle betrachten, sie sei denn bedeutend geschwächt und 
geändert durch Interferenz mit einer Ostsee-Welle, Während das Alter der 
Parallaxtide 35 Stunden und das der Deklinationstide 13 Stunden beträgt, ist 
das der Springtide negativ und = — 28 Stunden, so dafs vermuthlich M, durch 
Interferenz geschwächt ist, was auch mit den hohen Verhältnifszahlen von S,, N 
und L übereinstimmen würde. 
Gruppe XIV. Stiller Ocean. 
San Diego-Bai (No. 68 und 69) weicht im Charakter etwas ab von den 
nördlicher gelegenen Punkten No. 70, 71 und 72, welche unter sich mehr Ueber- 
einstimmung zeigen.
	        
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