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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

von Horn: Ueber die Form und den Ursprung der Gezeitenwellen. 
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Gruppe XI. Kanal und Nordsee. 
Beobachtungspunkte . No. 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 
Alter der Springtide. . ..37 49 51 51 50 59 66 66 66 40 Stunden 
Alter der Parallaxtide . . 31 17 29 53 22 50 44 37 62 46 
Alter der Deklinationstide 95 110 200 180 137 148 150 2145 138 148 » 
Sämmtliche Beobachtungspunkte zeigen ein und denselben Gezeitencharakter 
mit Ausnahme von No. 56 (Portland Breakwater), wo die Verhältnifsziffern von 
S,, K, und der eintägigen Wellen von dem allgemeinen Charakter abweichen, 
wahrscheinlich durch Interferenz. 
Für die übrigen Beobachtungspunkte schwanken die Verhältnifszahlen von 
S, zwischen 0,38 und 0,25, abnehmend von Brest nordwärts und von West- 
Hartlepool südwärts bis zum Minimalwerthe am Hoek van Holland, die für N 
zwischen 0,20 und 0,15, abnehmend von Brest nordwärts und von West-Hartle- 
pool südwärts mit Minimum am Helder und bei Helgoland. 
Die Deklinationswellen sind sehr klein; N = 0,03 in Brest und == 0,07 
in West-Hartlepool, am gröfsten = 0,10 — 0,11 längs der holländischen Küste. 
Charakteristisch ist das Kennzeichen, dafs die Amplitude von O0 gröfser 
ist als die von K,; das Verhältnifs ist in Brest 1,01, in West-Hartlepool und bei 
Helgoland = 1,14 und ein Maximum =— 1,84 in Ostende. Die zunehmenden 
Verhältnifszahlen für Q und P längs der holländischen und vlämischen Küste 
weisen auf eine Abnahme von K,. 
Die halbiägigen Wellen pflanzen sich von Brest nordwärts längs der 
holländischen Küste fort. Die eintägigen Wellen K, und O scheinen sich vom 
Hoek von Holland und Ostende in beiderseitiger Richtung fortzupflanzen. 
Eine andere merkwürdige Erscheinung ist die Gröfse von MS und M, am 
Hoek van Holland, in Ymuiden und am Helder. 
Der Phasenunterschied und die daraus abzuleitende Fortpflanzungs- 
geschwindigkeit der halbtägigen und vierteltägigen Wellen zwischen Hoek van 
Holland, .Ymuiden und Helder zeigen auch fremdartige Unregelmäfigkeiten 
So beträgt zwischen: 
Hoek ° Ymuiden 
van Holland und 
and Ymuiden Helder 
87 Minuten 120 Minuten 
.0 4 98 m 116 
oder im Mittel 92 Minuten 118 Minuten 
woraus sich nach der Formel v = Y g D ergeben ; 
würde eine Seetiefe D von ungefähr . . . 127m 7m 
und für die vierteltägigen Gezeitenwellen: 
die Fortpflanzungsdauer von MS . . . . . . 28 Minuten 32 Minuten 
die Fortpflanzungsdauer von M, ..... . 21 , 38 » 
oder im Mittel 25 Minuten 35 Minuten 
woraus sich nach der Formel v = VzgD eine See- ; 
tiefe D ergeben würde von . . .. . .163m 83 m 
Alle genannten Abnormitäten, das Fallen und Steigen der aufeinander 
folgenden Verhältnifszahlen, die Unregelmäfigkeiten in der Fortpflanzung, die 
starke Zunahme der ‚vierteltägigen Wellen an der holländischen Küste und das 
Fehlen einigen Verbandes zwischen den Fortpflanzungsgeschwindigkeiten der 
verschiedenen Wellentypen und der .‚Seetiefe deuten alle auf starke Interferenz- 
erscheinungen, verursacht durch die Begegnung und gegenseitige Einwirkung 
einer Kanalwelle längs Brest und Dover und einer um Schottland kommenden 
Welle, charakterisirt durch die Konstanten von West-Hartlepool. Die fremd- 
artige Erscheinung, dafs die Wellentypen K, und O theilweise in den halb- 
tägigen Wellen entgegengesetzter Richtung laufen und was bezüglich der Ampli- 
tuden der eintägigen Wellen gesagt ist, scheint auf ein in der Nordsee selbst 
entstehendes System von eintägigen Gezeitenwellen hinzuweisen, welche in Rück- 
sicht auf die geringe Größe der aus dem Atlantischen Ocean fortgepflanzten ein- 
tägigen Wellentypen nicht zu vernachlässigen sind. 
Während alle genannten Unregelmäfsigkeiten ohne Annahme von inter- 
ferirenden Wellensystemen nicht zu erklären sind, giebt umgekehrt diese Annahme
	        
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