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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Weule: Zum Problem der Sedimentbildung, 
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Die Fluth des’ nächsten Jahres hebt dies Alles wieder auf und trägt es 
zum Meere hinaus, trotzdem das Flufswasser ‚schon ‚stärker: mit. Sinkstoffen 
beladen ist als dasjenige des niederen Wasserstandes, Es findet dann. sogar 
Erosion statt, die zum Schutze der Molen und Deiche Buhnenbauten nöthig macht. 
| Brewer führt selbst dieses „Fegen des Kanals“, wie er es nennt, auf 
chemische Ursachen zurück, wohingegen er, die Stromgeschwindigkeit nur als 
Faktor zweiten Grades zu betrachten geneigt ist. Hierin geht er jedoch ent- 
schieden zu weit, denn es erscheint keineswegs als wahrscheinlich, dafs’ eine 
Erosion des Grundes stattfinden würde, wenn zur Zeit der Hochflutk nur die 
Wassermasse, nicht aber auch die Stromgeschwindigkeit eine gröfsere‘ würde. 
Der Strom würde dann wohl befähigt sein, ein relativ grofses Quantum an 
festen Bestandtheilen schwebend fortzutragen; damit. wäre aber auch seine Kraft 
erschöpft, eine Erosion:des Grundes wäre ausgeschlossen, ‘ 
Man mufs sich überhaupt vor Extremen hüten, In den von Flüssen durch- 
strömten, sozusagen als Klärungsbecken dienenden Seen ist von einem chemischen 
Effekt überhaupt keine Rede und doch lassen die Ströme‘ in ihnen fast alles 
mitgeführte feste Material fallen... Und wenn es einerseits auch dargethan ist, 
dafs die Verminderung der Stromgeschwindigkeit, mit welcher das ausströmende 
Flußswasser auf das Seewasser trifft, keineswegs als die Ursache jeglicher Ab- 
lagerung angesehen werden darf, so wäre es andererseits wiederum. völlig ver- 
kehrt, den Strömungen überhaupt keine Wirkungen zuzuschreiben. Die Strömungen 
können in der That. recht bedeutend werden und sind es in allen Aestuaren, die 
von heftigen Gezeitenströmen gefegt werden. ') . In‘ diesen Fällen, so. kann man 
ohne Uebertreibung sagen, sind es einzig und allein die heftigen Stromversetzungen 
in Gestalt des Fluth: und Ebbestromes, die. die Sedimentation nach jeder Richtung 
hin bedingen, denn das chemische Moment, um mit Brewer zu reden, kommt in 
den Aestuaren umsoweniger in Betracht, als diese vorwiegend bis hoch hinauf 
Brackwasser enthalten, das in Bezug auf Schnelligkeit der. Klärung. sich‘ völlig 
wie reines Seewasser verhält: Der Ebbestrom trägt die Sedimente davon, die 
thonigen bis weit hinaus ins Meer, die sandigen nur bis zur Aulsenseite des 
Aestuars, wo sie infolge der Geschwindigkeitsabnahme des ausgehenden Stromes 
niederfallen und die für die Schiffahrt so lästigen Barren bilden. - Indem das 
aus- und einströmende Wasser die oberen Theile dieser Barren seitlich verschiebt, 
verhindert es ein Anwachsen. dieser Barren bis zur Oberfläche des Wassers und 
wird dadurch zu einem ausschlaggebenden Faktor der „negativen“ Delta-Bildung. 
Am Ende unserer Darlegungen angelangt, erübrigt es noch zu bemerken, 
dafs Druck ohne jeden Einflufs auf Art und Schnelligkeit der Sedimentbildung 
zu sein scheint, wenigstens konnte Thoulet dies bei einem’ Druck bis zu 15 Atm. 
konstatiren. Ob nicht trotzdem das ungeheure Gewicht vieltausendmetriger 
Wassersäulen modificirend auf die Sedimentation einwirkt, ist eine Frage, welche 
der im vorstehenden Aufsatze nicht gestreiften Frage der Sedimentbildung auf 
dem Boden der Tiefsee angehört. Die obigen Ausführungen geben im Grofsen 
und Ganzen den neueren Stand der Forschung auf dem Gebiet der Sediment- 
bildung wieder. ‘ Sind auch die Beobachtungsresultate der verschiedenen Forscher 
die gleichen, so. gehen doch die Erklärungsversuche so mancher Phänomene noch 
weit auseinander, und viel Ausdauer und Scharfsinn wird noch aufgeboten werden 
müssen, um eine allgemein gültige Lösung des Problems zu erzielen, 
Ueber. die Form und den Ursprung der- Gezeitenwellen. 
Von Baumeister VON Horn: “ ; 
(Schlufs.) " 
. Uebersicht der Konstanten der harmonischen Analyse ‘für Beobachtungs- 
punkte im Nordatlantischen und im Nördlichen Stillen Ocean: © 
1) Vgl. über die Erosionswirkungen von Gezeitenströmen: Krümmel; „Ueber Erosion durch 
Gezeitenströme.“ Petermanns Mitth. 1889, VI, sowie Weule, „Beiträge zur Morphologie der 
Flachküsten, Weimar. Geogr, Institut 1891 (auch in der „Zeitschrift für wiss. Geographie“ 1891. 
Doppelheft Noav.-Dez.).
	        
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