Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1896.
I. Winde und Stromversetzungen.
1. Januar.
Die Winde wehen zwischen Suez und 20° N-Br hauptsächlich aus Nord
und NNW und sind mäfsig oder schwach. Die Zone „F* zwischen 20° und
18° N-Br bildet den Uebergang zu den in der südlichen Hälfte des Meeres vor-
wiegenden Südostwinden, denn es sind hier nördliche und südliche Winde ungefähr
gleichmäfsig vertreten. Die Südostwinde erlangen in den Abtheilungen „H“ und
„J“ manchmal Sturmesstärke; im Golf von Aden endlich ist die Richtung aus
Ost bis NE. Windstillen sind in diesem Monat nirgends häufig (unter 10%),
besonders in den Gewässern nahe der engsten Stelle bei Perim hat man mit
grofser Wahrscheinlichkeit frische Briese aus südlicher Richtung zu gewärtigen,
Auffallend ist, dafs in diesem Monat die Stromversetzungen wenig in
UÜebereinstimmung mit den angegebenen Winden stehen; nur im Golf von Aden
herrscht ziemlich gut ausgeprägter Weststrom, neben welchem jedoch, besonders
nach der arabischen Küste hin, auch Oststrom konstatirt ist. In der Gegend
der Bab-el-Mandeb-Strafse ist mäfsiger Nordstrom; über der ganzen Fläche des
eigentlichen Rothen Meeres aber sind Stromstillen häufig, und die durchweg schwachen
Versetzungen, welche im Dampferkurs 1 Knoten in der Stunde selten erreichen,
gehen nach fast allen Richtungen auseinander. In der südlichen Hälfte (bis
etwa 16° N-Br) hat man häufig eine Versetzung nach Süden, in der nördlichen
setzt das Wasser umgekehrt und in leidlich gut ausgeprägter Weise nordwärts,
beide Male also dem vorherrschenden Winde entgegen. Im Golf von Suez sind
aber nur Südströme beobachtet,
Jedenfalls darf man aber in diesem Monat durchaus nicht mit nur einiger
Sicherheit auf diese angegebenen Richtungen rechnen.
2. Februar.
Die Windvertheilung ist noch dieselbe wie im Januar, d. h. man findet
meist nördliche Winde im Norden, südliche Winde im Süden; nur liegt die
Begegnungszone der nördlichen und südlichen Winde nicht zwischen 20° und
18° N-Br, sondern zwischen 18° und 16° N-Br, ist also nach Süden gewandert,
Hier erreichen auch Windstillen 9% aller Beobachtungen. Den gröfseren Luft-
druckunterschieden im Norden und Süden des Meeres entsprechend, ist auch die
Windstärke durchschnittlich etwas gröfser als im Januar, wenigstens im südlichen
Theil ist sie meist von Beaufort-Skala 4 bis 7; hier sind auch Stürme häufiger
als in irgend einem anderen Monat. Im Golf von Aden dagegen sind leichte
östliche Winde vorherrschend und Stürme nicht beobachtet. Stromstillen sind
jetzt seltener, das Wasser setzt mit nicht unbeträchtlicher Geschwindigkeit
(manchmal 40 Sm pro Tag) und ziemlicher Gleichmäfsigkeit durch die Perim-
Enge nach NNW; West- und Nordwestrichtung herrscht auch in der Mitte und
auf der afrikanischen Seite des Golfes von Aden unbestritten vor, während unter
der arabischen Küste schon von Aden ab ostwärts sehr häufig ein manchmal
stark fließsender Neerstrom nach Ost und ONO fühlbar wird.
Im ganzen Rothen Meere selbst aber überwiegt eine Wasserbewegung nach
Norden, welche durch den Nordostmonsun des Arabischen Meeres in letzter Ursache
bedingt.ist; in der nördlichen Hälfte des Rothen Meeres setzt also das Wasser
in der Regel dem Winde entgegen. Andere Richtungen kommen freilich auch
vor, und südliche sind im Golf von Suez wieder, wie im Januar, vorherrschend.
3. März.
Zwischen Suez und 18° N-Br überwiegt noch die Luftbewegung aus NW,
doch treten überall, selbst ganz im Norden, auch Südostwinde schon vereinzelt
auf, Die Begegnungszone der nördlichen und südlichen Winde liegt noch
zwischen 18° und 16° N Br. Auch in der südlichen Hälfte ist der südliche Wind
nicht mehr so unbestritten wie in den vorhergehenden zwei Monaten, denn hier
3zind nunmehr nördliche Winde auch öfter vertreten, Zwischen Aden und Perim
ist aber der Wind ausschliefslich SE, im ganzen Aden-Golf Ost und NE. Wie
in den Vormonaten, so hat man auch im März innerhalb des gesammten hier
behandelten Gebietes auf der Strecke zwischen 14° N-Br und Aden die relativ