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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

412 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1896. 
dafür ist der Salzgehalt aller der sedimentären Gesteine, die noch keiner Aus- 
laugung unterworfen gewesen sind. 
Verlassen wir jetzt das enge Laboratorium des Forschers und treten in 
das grofse Laboratorium der Natur selbst ein. Sinkstoffe finden sich überall, 
wo Wasser vorhanden ist, seien es mineralische in den Flüssen, Landseen und 
Randzonen der Oceane, seien es die zahllosen winzigen Kieselpanzer der Fora- 
miniferen, Radiolarien und wie sie alle heifßsen, jene kleinen Lebewesen, deren 
unorganische Körperhülle so ungeheure Areale des Meeresbodens bedeckt. In 
den Flufsläufen, in Süfswasserseen und in den Mündungsgebieten jener in 
diese erfolgt Bewegung und Ablagerung der mitgeführten festen Stoffe aus- 
schliefslich nach den Gesetzen der Mechanik und Hydrostatik; ein chemisches 
Moment kommt hier kaum in Betracht. Dagegen ist ein solches bei der Sedi- 
mentation im Meere in hervorragender Weise insofern betheiligt, als in der 
chemischen Zusammensetzung des Seewassers ein Faktor gegeben ist, der seine 
Wirkungen besonders dort zu offenbaren geeignet ist, wo die süßen Wasser- 
massen der Kontinente mit der salzigen Fluth des Oceans sich mischen, an den 
Mündungen der Ströme und Flüsse ins Weltmeer. 
Sichtbare, in die Augen fallende Veränderungen treten bei lakustrinen 
Ablagerungen nur nach Hochfluthen ein. Diese Thatsache erklärt sich aus dem 
Umstande, daß die Tragkraft eines Stromes, die abhängig ist von Strom- 
geschwindigkeit und Wassermasse und die mit dem einen wie mit dem andern 
Faktor wächst, um einen erheblich gröfseren Betrag zunimmt, als sich aus dem 
einfachen Zunahmeverhältnifs eines jeden von ihnen ergeben würde. Gegenüber 
den Massen und den Dimensionen des zu dieser Zeit dem Alluvialgebiet vom 
Flusse zugeführten Materials können dann allerdings die geringen An- und Auf- 
lagerungen zur Zeit des niedrigen Wasserstandes verschwindend klein sein. 
Weniger einfach liegen die Verhältnisse in den Mündungsgebieten der ins 
Meer sich ergiefsenden Flüsse. Zwar sind auch hier Geschwindigkeit und 
Wassermasse des Stromes sowie seine Sedimentführung von hervorragender 
Wichtigkeit für die Sedimentation, aber sie sind nicht die alleinigen Faktoren, 
denn bei Meeren mit Ebbe und Fluth tritt diese Erscheinung in der Weise 
als modificirender Faktor auf, dafs sie die Kontaktstellen zwischen dem aus- 
strömenden und dem stillstehenden oder gar stromaufwärts fliefsenden Wasser 
beständig verlegt. Wo ferner Meeresströmungen vorbeigleiten — meist kommt 
nur die von der vorherrschenden Windrichtung abhängige Stromversetzung, früher 
Küstenstrom genannt, in Betracht —, vermögen auch diese in geringem Grade 
einzuwirken; wo aber und wie auch das Meer mit Sinkstoffen in Berührung 
kommt, überall und stets ist die Berührung begleitet von der Konstanten des 
beschleunigten Niederschlags. 
Füllt das Hochwasser eines Flusses das Bett desselben bis zum Grund, 
so findet keine Sedimentablagerung statt. Alle Sinkstoffe werden ins Meer 
yetragen, wo die gröfseren infolge der Berührung mit dem Seewasser sofort zu 
Boden fallen, während die fein vertheilte Flulstrübe entweder langsamer nach- 
sinkt oder aber weiter ins Meer getragen und dort von Strömungen Weiter- 
transportirt wird, Nachgewiesenermafsen wachsen die Pässe des Mississippi- 
Deltas nur während der durchschnittlich sechs Monate dauernden Hochfluth 
weiter in den Golf hinaus. 
Bei niederem Wasserstande füllt die Wassermasse das Flufsbett nicht aus, 
ein Seewasserkeil schiebt sich unter ihm das Bett hinauf, bis weiter oben eine 
Vermischung stattfindet, die eine starke Ablagerung zur Folge hat. Im Mississippi 
erstreckt sich dieses Vorschieben des Seewassers im günstigsten Falle die Pässe 
hinauf bis ins Bett des ungetheilten Stromes. Dort finden sich denn auch die 
Innenbarren des Niedrigwassers, während die Aufsenbarren des Hochwassers 
äraufsen vor den Pässen sich ausdehnen. Von diesen beiden Arten von Barren, 
die in so manchen Flüssen ausgebildet sind, erscheinen die Innenbarren des- 
wegen so merkwürdig, weil der Mississippi wie alle anderen Flüsse zur Zeit des 
Niedrigwassers bekanntlich einen nur minimalen Procentisatz an suspendirten 
Theilchen mit sich führt. Die Sedimentbildung über der Innenbarre ist so 
intensiv, dafs die Fahrtiefe nur durch fortgesetztes Baggern aufrecht erhalten 
werden kann.
	        
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