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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Weule: Zum Problem der Sedimentbildung. 
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Spannung als die Ursache. der Suspension und den Ausgleich derselben durch 
Salze, Säuren und Alkalien als die Ursache der schnellen Sedimentation ansah, 
der aber später der stärkeren Afßnität derselben Agentien zu dem Wasser die 
Fällung des schwächer gebundenen Thones zuschrieb. Ferner Sterry Hunt, 
nach welchem die Partikelchen im Meere deshalb schneller zu Boden fallen, weil 
die Kohäsion der Wassermoleküle infolge des Gehaltes an festen Stoffen eine 
geringere ist als im Süßwasser. Schließlich Ramsay, nach dessen Meinung die 
Schnelligkeit des Absatzes direkt proportional ist der. Wärmequantität, welche 
durch die Lösung der Salze gebunden wird. Eine ernsthaftere Beachtung be- 
anspruchen die Theorien jener Forscher, deren Spuren wir bisher in der Haupt- 
sache gefolgt sind, die Theorien von Brewer und Thoulet, 
Brewer bleibt sich konsequent, indem er der Chemie treu bleibt. Der 
Niederschlag erfolgt nach ihm deshalb so schnell beider Berührung von Süß- 
wasser mit Salzen, Säuren und anderen Stoffen, weil die von den Sinkstoffen im 
Sülswasser eingegangenen schwachen Verbindungen von den. hinzutretenden 
Meeressalzen zersetzt und damit die Theilchen frei werden, so dafs sie unbehindert 
zu Boden sinken können. ; 
Ebenso konsequent wie Brewer, abstrahirt T’houlet wieder von jeder 
chemischen Einwirkung. Er löste Chlornatrium und Bariumchlorid in Wasser 
auf, bestimmte den Salzgehalt, that dazu Marmor, Kaolin oder Quarz und be- 
stimmte den Salzgehalt des Wassers von Neuem. Es zeigte sich jedesmal eine 
Veränderung des Salzgehaltes. Diese erklärt Thoulet!) folgendermafsen: 
a) Zwischen einem in Lösung befindlichen Körper und einem in diese 
Lösung getauchten festen Körper findet eine Attraktion statt, die sich in der 
Weise äufsert, dafs die festen Körper eine gewisse Menge der gelösten auf ihrer 
Oberfläche fixiren, ohne dal[s dabei irgend welche chemische Einwirkung stattfindet, 
Es ist dies eine Erscheinung analog der von Chevreul so genannten „kapillaren 
Affnität“. ; 
b) Diese Attraktion erfolgt im Augenblick der Berührung unmittelbar, sofort. 
c) Sie ist direkt proportional (unter sonst gleichen Umständen) der Ge- 
sammtoberfläche der eingetauchten festen Theile, also relativ umso gröfßer, je 
kleiner die einzelnen Körnchen sind. 
Thoulet findet seine Ansicht überall in der Natur bestätigt. Es ist 
bekannt, dafs Flüsse, welche durch die Effluvien der Abzugskanäle menschlicher 
Siedlungen bis zu hohem Grade verunreinigt werden, oft von einer auffallenden 
Klarheit sind. Man spricht dann von einer Selbstreinigung der Gewässer. Die- 
selbe erklärt sich ungezwungen aus dem soeben Gesagten, nur kommt noch der 
Umstand hinzu, dafs auch von den zahlreichen organischen Substanzen, die in 
den Flüssen theils in Lösung, theils suspendirt stets im Ueberflufs vorhanden 
sind, viele von den Thonen mit zu Boden gerissen werden, was natürlich die 
Klarheit noch erhöht. 
Auch die auffallende Durchsichtigkeit der Gewässer kalkiger Gegenden, 
der salzigen und alkalischen Quellen läfst sich somit unschwer erklären. Die 
alkalischen Quellen des Far West sind wohl meist durch organische Substanzen 
gefärbt, enthalten aber nie Thonerden und sind deshalb nie trübe,. Dieser Um- 
stand ist, wie Brewer berichtet, sogar den Pferden und Maulthieren jener 
Gegenden bekannt, die das geklärte, weil alkalisch bittere Wasser verschmähen, 
dafür aber unbedenklich jedes trübe und schlammige Wasser geniefsen. 
Ziehen wir mit Thoulet die Schlufsfolgerung aus seinen Beobachtungen, 
so ergiebt sich, dafs auch im Seewasser jenes Niederschlagen eines Theiles der 
in Lösung befindlichen Salze auf die heranschwebenden Sinkstoffe die Ursache 
ist für den so auffallend raschen Fall der letzteren. Ob Thoulet dabei eine 
Vergrößerung des specifischen Gewichtes als nähere Ursache dieses schnellen 
Niedersinkens ansieht, ist aus seinen Ausführungen nicht ersichtlich. Bleibt 
damit dieser wichtige Punkt auch fernerhin noch ein Gegenstand der Forschung, 
so steht doch die Thatsache unumstöllich fest, daß feste Fremdkörper bei ihrem 
Fall durch das salzhaltige Meerwasser Salze mit sich niederschlagen. Ein Beweis 
%) 
immerges, 
J. Thoulet: Attraction s’exercant entre les corps en dissolution..et les corps. solides 
Comptes rendus, B. 100, S. 1002
	        
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