Weule: Zum Problem der Sedimentbildung.
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Was an’ diesen Hypothesen richtig ist, oder welche von ihnen der Wahr-
heit am nächsten kommt, ist schwer zu entscheiden. Bei der hygroskopischen
Natur . der meisten Thone sind chemische Vorgänge innerhalb der Flüssigkeit
gehr wahrscheinlich. Hierfür spricht auch die vorhin erwähnte und später in
erweiterten. Umfange zu wiederholende Eigenschaft des reinen Wassers, Stoffe,
die bei anderen Temperaturen oder in Seewasser abgelagert waren, wiederum
vom Boden aufzuheben und in Suspension zu erhalten. Im Grunde. genommen
laufen beide Hypothesen, die Brewersche sowohl als die von Barus, auf eins
hinaus, nämlich auf Dichtedifferenzen, nach welchen die Theilchen geordnet werden,
ginerlei ob ‚eine Hydratbildung stattfindet oder nicht. ;
IL.
Wir haben bei den in den vorstehenden Ausführungen behandelten Fragen
ziemlich lange verweilt; einmal, weil sie für den Haushalt der Natur, soweit er
die Sedimentbildung in allen Sülswasserseen und Flufßsläufen betrifft, von grofser
Wichtigkeit und Tragweite sind, dann aber auch, um zu zeigen, wie komplicirt
schon im Laboratorium die Vorgänge sich gestalten und wie schwierig die ein-
zelnen Erscheinungen zu deuten sind. Wenden wir uns nun zu der Betrachtung
derjenigen Erscheinungen, die das mit Salzen, Säuren und anderen Stoffen ver-
setzte Wasser bei der Ablagerung von Sedimenten bietet.
In historischer Beziehung macht Brewer darauf aufmerksam, dafs der
Gebrauch von Salzen oder organischen Substanzen zur Klärung trüber Gewässer
oder deren Verbesserung uralt ist. Als Illustration erwähnt er der bitteren
Wasser von Mara, die Moses durch Hineinlegen eines Baumes geniefsbar machte
(2. Buch Mosis, Kap. 15, Vers 23 bis 25). Alaun. wird in manchen Gegenden
zur Trinkbarmachung des Wassers gebraucht, so am Mississippi, in Südamerika
und in Europa, durchweg aber, wie Brewers Gewährsmann Arnold Hague
berichtet, in den Löfsgegenden von Nordchina, wo er seit Alters gebraucht wird.
Der Unterschied in der Zeit des Niederschlags ist verblüffend; salzhaltiges
Wasser ist in 30 Minuten klarer als destillirtes Wasser nach ebenso viel Monaten.
Zur ‚Methode der drei Forscher Brewer, Barus und Thoulet ist zu
bemerken, daß Brewer Versuche gemacht hat mit künstlich trübe gemachtem
Wasser, mit Mississippi-Wasser von unterhalb New Orleans, mit Missouri-Wasser
2800 stat. miles weiter aufwärts und vielen anderen Wasserarten. Er hat
experimentirt mit Chloriden, Sulfaten, Nitraten und Mischungen von diesen, mit
organischen Substanzen, Colloiden und Kristalloiden, Kohlenwasserstoffen und
Eiweifsstoffen, schliefslich mit Kräutern und Torf, und in den meisten Fällen
konstatirte 'er eine raschere, Klärung. Barus!) nahm: als Trübe rothen und
weißen Bolus, Tripel, Talk und Knochenasche. Thoulet beschränkte sich auf
die Behandlung seines fein vertheilten Kaolins mit Salzsäure und Meerwasser,
hat aber seine Versuche mit den verschiedensten Quantitäten dieser Zusätze und
bei verschiedenen Temperaturen ausgeführt.
Im Folgenden sind nun in aller Kürze die hauptsächlichsten Resultate der
Beobachtungen der drei genannten Forscher zusammengefafst:
“1. Die Ablagerung von Sedimenten erfolgt in salz- oder säurehaltigem
Wasser ungleich schneller als im Sülswasser. Dasselbe Resultat fand auch
Brewer, entgegen anderen Autoren, für alkalisches Wasser.
2. Je größer die Menge der gelösten Stoffe, desto schneller erfolgt der
Absatz, ohne dafs jedoch die Fallgeschwindigkeit direkt proportional wäre der
Stärke der Lösung. Brewer experimentirte mit Salzsäure, Salpetersäure,
Schwefelsäure und mit Mischungen dieser Säuren. Ihre Gegenwart klärte das
Wasser in 5 bis 10 Minuten besser, als destillirtes, mit Sinkstoffen beladenes
Wasser in Wochen oder Monaten wurde. Verdünnte nun der Forscher die
Lösungen durch Abgiefsen des geklärten oberen Theiles und Zusatz von destillirtem
Wasser, so ging auch der Absatz immer langsamer vor sich, bis schliefslich bei
einem bestimmten Säuregehalt die Klärung ebenso langsam oder langsamer von
Statten ging als in reinem Wasser. Brewer hat Versuchsgläser, in denen
. 1) C. Barus: Subsidence of fine solid particles in liquids, Bull, of the Unit. Stat. Geo-
logical Survey. Washington 1887, No. 36.
Ann. d. Hydr. ete.. 1898, Heft IX.