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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Weule: Zum Problem der Sedimentbildung. 
A409 
Was an’ diesen Hypothesen richtig ist, oder welche von ihnen der Wahr- 
heit am nächsten kommt, ist schwer zu entscheiden. Bei der hygroskopischen 
Natur . der meisten Thone sind chemische Vorgänge innerhalb der Flüssigkeit 
gehr wahrscheinlich. Hierfür spricht auch die vorhin erwähnte und später in 
erweiterten. Umfange zu wiederholende Eigenschaft des reinen Wassers, Stoffe, 
die bei anderen Temperaturen oder in Seewasser abgelagert waren, wiederum 
vom Boden aufzuheben und in Suspension zu erhalten. Im Grunde. genommen 
laufen beide Hypothesen, die Brewersche sowohl als die von Barus, auf eins 
hinaus, nämlich auf Dichtedifferenzen, nach welchen die Theilchen geordnet werden, 
ginerlei ob ‚eine Hydratbildung stattfindet oder nicht. ; 
IL. 
Wir haben bei den in den vorstehenden Ausführungen behandelten Fragen 
ziemlich lange verweilt; einmal, weil sie für den Haushalt der Natur, soweit er 
die Sedimentbildung in allen Sülswasserseen und Flufßsläufen betrifft, von grofser 
Wichtigkeit und Tragweite sind, dann aber auch, um zu zeigen, wie komplicirt 
schon im Laboratorium die Vorgänge sich gestalten und wie schwierig die ein- 
zelnen Erscheinungen zu deuten sind. Wenden wir uns nun zu der Betrachtung 
derjenigen Erscheinungen, die das mit Salzen, Säuren und anderen Stoffen ver- 
setzte Wasser bei der Ablagerung von Sedimenten bietet. 
In historischer Beziehung macht Brewer darauf aufmerksam, dafs der 
Gebrauch von Salzen oder organischen Substanzen zur Klärung trüber Gewässer 
oder deren Verbesserung uralt ist. Als Illustration erwähnt er der bitteren 
Wasser von Mara, die Moses durch Hineinlegen eines Baumes geniefsbar machte 
(2. Buch Mosis, Kap. 15, Vers 23 bis 25). Alaun. wird in manchen Gegenden 
zur Trinkbarmachung des Wassers gebraucht, so am Mississippi, in Südamerika 
und in Europa, durchweg aber, wie Brewers Gewährsmann Arnold Hague 
berichtet, in den Löfsgegenden von Nordchina, wo er seit Alters gebraucht wird. 
Der Unterschied in der Zeit des Niederschlags ist verblüffend; salzhaltiges 
Wasser ist in 30 Minuten klarer als destillirtes Wasser nach ebenso viel Monaten. 
Zur ‚Methode der drei Forscher Brewer, Barus und Thoulet ist zu 
bemerken, daß Brewer Versuche gemacht hat mit künstlich trübe gemachtem 
Wasser, mit Mississippi-Wasser von unterhalb New Orleans, mit Missouri-Wasser 
2800 stat. miles weiter aufwärts und vielen anderen Wasserarten. Er hat 
experimentirt mit Chloriden, Sulfaten, Nitraten und Mischungen von diesen, mit 
organischen Substanzen, Colloiden und Kristalloiden, Kohlenwasserstoffen und 
Eiweifsstoffen, schliefslich mit Kräutern und Torf, und in den meisten Fällen 
konstatirte 'er eine raschere, Klärung. Barus!) nahm: als Trübe rothen und 
weißen Bolus, Tripel, Talk und Knochenasche. Thoulet beschränkte sich auf 
die Behandlung seines fein vertheilten Kaolins mit Salzsäure und Meerwasser, 
hat aber seine Versuche mit den verschiedensten Quantitäten dieser Zusätze und 
bei verschiedenen Temperaturen ausgeführt. 
Im Folgenden sind nun in aller Kürze die hauptsächlichsten Resultate der 
Beobachtungen der drei genannten Forscher zusammengefafst: 
“1. Die Ablagerung von Sedimenten erfolgt in salz- oder säurehaltigem 
Wasser ungleich schneller als im Sülswasser. Dasselbe Resultat fand auch 
Brewer, entgegen anderen Autoren, für alkalisches Wasser. 
2. Je größer die Menge der gelösten Stoffe, desto schneller erfolgt der 
Absatz, ohne dafs jedoch die Fallgeschwindigkeit direkt proportional wäre der 
Stärke der Lösung. Brewer experimentirte mit Salzsäure, Salpetersäure, 
Schwefelsäure und mit Mischungen dieser Säuren. Ihre Gegenwart klärte das 
Wasser in 5 bis 10 Minuten besser, als destillirtes, mit Sinkstoffen beladenes 
Wasser in Wochen oder Monaten wurde. Verdünnte nun der Forscher die 
Lösungen durch Abgiefsen des geklärten oberen Theiles und Zusatz von destillirtem 
Wasser, so ging auch der Absatz immer langsamer vor sich, bis schliefslich bei 
einem bestimmten Säuregehalt die Klärung ebenso langsam oder langsamer von 
Statten ging als in reinem Wasser. Brewer hat Versuchsgläser, in denen 
. 1) C. Barus: Subsidence of fine solid particles in liquids, Bull, of the Unit. Stat. Geo- 
logical Survey. Washington 1887, No. 36. 
Ann. d. Hydr. ete.. 1898, Heft IX.
	        
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