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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

We ule: Zum. Problem der Sedimentbildung. 
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gewöhnlich schnell ab. Hauptbedingung für scharf ausgeprägte Schichtenbildung 
ist eine stets gleichbleibende Temperatur. Schwankungen derselben rufen. inner- 
halb der Flüssigkeit Gegenströmungen. hervor, ‚die keine Stratifikation aufkommen 
lassen. '; Als‘ weitere hindernde Umstände kommen noch -in Betracht: ein zu 
geringer Sedimentgehalt und eine zu grofse Fallgeschwindigkeit, 
Um die. Geschwindigkeit des Absatzes bei‘ voneinander verschiedenen, 
sich selbst jedoch stets gleichbleibenden Temperaturen zu messen, liefßs Thoulet 
seine. Mischung: fünfmal je 80 Stunden bei Temperaturen von 52°, 55,5°, 56,5°, 
62° und 66,5° stehen. Als Resultat ergab sich ein schnellerer Niederschlag: bei 
den höheren Graden: Thoulet nimmt an, dafs die Abscheidung sich mit ab- 
nehmender Temperatur in einfachem Verhältnifs. verlangsamt, und :rechnet dann 
aus, dafs bei 23° C überhaupt kein Absatz mehr. stattfindet, also: die Theilchen 
fortgesetzt in Suspension bleiben, : Dies will er auch durch einen Versuch 
bestätigt gefunden haben.‘ Den schnelleren Fall bei‘ höheren Wärmegraden 
erklärt er auf folgende: Weise; Der Ausdehnungs-Koefficient eines festen Körpers 
ist kleiner als der des flüssigen, daher vergröfsert sich ‚die , Differenz des 
specifischen Gewichts, mit zunehmender Temperatur, und die festen Theilchen 
sinken. schneller zu Boden. Bei 23° C haben beiderlei Körper gleiche: Dichten, 
und es findet kein Absatz mehr statt. . 
Zur- Unterstützung seiner Behauptung führt: Thoulet’‘ das Verhalten. des 
Wassers zwischen‘. + 4° und 0° zu Sinkstoffen an. Das Wasser nimmt an Volumen 
zu, die Sinkstoffe ab; die Dichtedifferenz wird gröfser, die festen Theilchen müssen 
sinken, das: Wasser. mufs ‚sich klären. Dies ist ja denn auch in der That der 
Fall. Ferner ist das Eis stets reiner als das, Wasser, wie man dies ohne Mühe 
an: dem Eise sehen kann, .das sich über dem schmutzigen Wasser tief ausgefahrener 
Wagengeleise.: bildet. Dasselbe. ist. in‘ dünnen Schichten. auffallend rein. - In 
gleichem Sinne, nämlich um den klärenden Einflufs der Kälte zu dokumentiren, 
verweist Brewer auf das bekannte Beispiel der gefrorenen Tinte. - Temperatur- 
schwankungen wirken auf die Opalescenz, mit welchem Ausdruck wir .die. stabil 
bleibende‘ Trübung- bezeichnet haben, in der Weise, dafs mit ihrem Eintritt die 
Intensität der Trübung sich. ändert. Es ist, sagt Brewer, als wenn durch 
Diffusion Sedimente aufgehoben würden, die bei anderen Temperaturen am Boden 
ruhen.‘ Wurde die Flüssigkeit erhitzt, so gerann der Thon und sank schnell zu 
Boden, falls das Gefäfs der Ruhe überlassen wurde. .Liefßs Brewer dagegen die 
erhitzte Masse bis zu einer gewissen Temperatur erkalten und schüttelte dieselbe 
dann wieder tüchtig durch, so dauerte es tagelang, bis sie wieder 80 klar wurde 
wie. die erhitzte und ‚ohne Störung erkaltete in Minuten geworden war, Brewer 
hält es demnach für wahrscheinlich, dafs die Farbentöne einiger heißer Quellen 
des Yellowstone-Parks auf das Verhalten: der Sinkstoffe in heißem. Wasser 
zurückzuführen sind, Ra 17 ; . - 
. Wie sind nun die Erscheinungen der Schichtenbildung und ’der dauernden 
Suspension: zu. erklären? Brewer hatte; wie schon. oben erwähnt wurde, Unter- 
suchungen ‚angestellt über den Zusammenhang der Brownschen Molekular- 
bewegungen mit der Sedimentbildung und war zu dem Resultat gekommen, dafs 
diese Bewegungen in ruhigem, womöglich am dunklen Ort befindlichem, raschem 
Temperaturwechsel :kaum ausgesetztem. Wasser für, die Suspension. schwerer 
Theilchen (in ’einer leichteren Flüssigkeit: keineswegs verantwortlich zu machen 
sind. Brewer hält vielmehr sowohl die dauernde Suspension wie. auch die 
Schichtenbildung für Vorgänge chemischer Natur, Er glaubt, dafs die T'honerde- 
und Eisensilikate Wasser aufnehmen‘ und anschwellen, das eine‘ mehr, das 
andere weniger. - Säuren, Salze, Wärme und andere Faktoren ändern diesen Zu- 
stand. der Hydratbildung und damit das Verhalten des Materials- gegen Wasser. 
Manche Hydrate, die bei einer bestimmten Temperatur existiren, werden‘ bei einer 
anderen zersetzt (auch durch Salze, Säuren etc.). Er glaubt also, dafs die Thone 
und vielleicht auch andere, ähnlich zusammengesetzte Substanzen im Wasser neue 
Verbindungen eingehen, die zwar nur unter ganz bestimmten Bedingungen, zu Stande 
kommen, dennoch aber im Haushalt der Natur :von grofser Wichtigkeit sind, 
; Demnach. 'repräsentiren die verschiedenen ‚Schichten des suspendirten 
Materials verschiedene chemische Zusammensetzungen einer Verbindungsreihe: 
Sehr ;fein vertheilter, Thon. bildet 6. bis 8 :solcher Schichten, : die; voneinander 
verschiedene Verbindungen darstellen;. Jede dieser Schichten enthält alle‘ die
	        
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