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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

406 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1896. 
sich ein nicht genug zu schätzendes Verdienst um die Erkennung der Sedi- 
mentationsvorgänge erworben hat. ; 
Diesen Arbeiten Brewers, denen ‚eine weitere Veröffentlichung im 
Jahre 1885 folgte,') reihen sich als eine direkte Folge der Anregung Brewers 
die trefflichen Untersuchungen von Barus*) an, denen sich in den letzten Jahren 
eine ganze Reihe von Arbeiten Thoulets über denselben Gegenstand an- 
schlielsen. ®) 
Das Verfahren der drei Forscher ist im Grofsen und Ganzen das Gleiche. 
Als Versuchsgefäfse dienten graduirte Glasröhren, die bei Thoulet eine Höhe 
von 25cm bei 2,5 cm Durchmesser hatten. Als Sediment benutzte Thoulet-ein 
feines, weilses und möglichst reines Kaolin, dessen einzelne Körner ‚unter dem 
Mikroskop nicht mehr zu erkennen waren: und die durch den Filter gingen. 
Nachädem die Masse durch Säuren gereinigt, oft gewaschen und von Glimmer und 
Quarz durch Abgiefsen befreit worden war, wurde sie schliefslich in destillirtes 
Wasser gethan. Es enthielt dann ein Kubikcentimeter Wasser 0,083 g Kaolin, 
Brewer und Barus haben mit den verschiedentlichsten. Thonen experimentirt, 
fetten und mageren, weißen und gefärbten, ‘ solchen, die ins Wasser gebracht, 
sofort zerfielen, und anderen, die erst tagelang gekocht werden mulsten, ehe 
dieser Fall eintrat. 
Die Erscheinungen, die sich in diesem mit Thonerde versetzten Wasser 
dem Auge darboten, sind folgende: In den allermeisten Fällen tritt innerhalb 
der Flüssigkeit eine Schichtenbildung ein, die Barus an die ähnliche Erscheinung 
des Nebels erinnert; der schwere sinkt aus reiner Luft in die Thäler, der leichte 
steigt aus diesen als Wolke auf. Eine solche zweifache Bewegung scheint auch 
für die festen T’heilchen im Wasser angenommen werden zu müssen: 1. Fall der 
Gesammtmasse der Partikelchen vermöge der Schwerkraft, 2. Anordnung während 
dieses Sinkens gemäß dem specifischen Gewicht. Um für diese sekundäre An- 
ordnung Zeit zu lassen, mufs die Fallgeschwindigkeit gering sein. 
Die Schichten treten in wechselnder Zahl auf; 2, 3, auch 6 und 8, je nach 
der Zusammensetzung und Feinheit des Materials, dem Vorhandensein anderer 
fremder Bestandtheile im Wasser und der Temperatur desselben. Oft bestehen 
zwischen den einzelnen Schichten scharf begrenzte Demarkationsflächen, dann 
wieder greifen sie unbestimmt ineinander über. Bei Aenderung der Temperatur 
entsteht ein Kommen und Verschwinden der Schichten, Theilung einer in mehrere 
und Zurückgehen dieser bei Herstellung der Anfangstemperatur. Thoulet fand, 
dafs die Menge der schwebenden festen Theilchen insofern von Einflufs auf die 
Schichtenbildung ist, als mit zunehmender. Menge der ersteren auch die Zahl der 
letzteren wächst. Bei zu spärlichem Gehalt an Sinkstoffen findet überhaupt keine 
Stratifikation statt. 
Die Fallgeschwindigkeiten der Schichten innerhalb desselben Gefälses sind 
einander ungleich. Thoulet war bei. seinem fein vertheilten Material stets 
genöthigt, dem Wasser eine winzige Menge Salzsäure zuzusetzen, um überhaupt 
ein Absetzen zu erzielen. Die unteren schwereren, weil mit mehr Partikelchen 
beladenen Schichten fallen nach Brewer schneller als die leichteren oberen; 
nach Thoulet soll allerdings die Fallgeschwindigkeit von oben nach unten in 
arithmetischer Progression abnehmen, doch wie dem. auch sei — es liegt auf 
einer Seite wohl ein Beobachtungsfehler vor — jedenfalls nimmt die Zahl der 
Schichten mit der Zeit ab, bis schlielslich, vollkommene Ruhe und gleichmäfsige 
Temperatur vorausgesetzt, die Flüssigkeit gleichmäfsig opalisirt erscheint. Auch 
die OÖpalescenz bleicht noch etwas ab, wird jedoch nach einiger Zeit stabil. 
Brewer hat solche Proben zehn Jahre und darüber stehen gehabt, ohne dafs 
dieselben je ganz klar geworden wären. 
Es giebt Thone, die bei ihrem Niedersinken keine Schichten bilden, sondern 
bei denen die Trübung vom Grunde bis zur Oberfläche gleichmäfsig abnimmt bis 
zur völligen Klarheit in der obersten Region. Solche Thone setzen nach Brewer 
1) On the suspension and sedimentation of clays, Sillimans Am, Journ. of Seience, 
IE Ser., Vol. 29, No. 169, Jan. 1885, 
2) Subsidence of fine solid particles in liquids. N. S. Geol. Survey. Washington 1887, No. 36. 
3) In erster Linie ist zu nennen: J. Thoulet, Experiences sur la sedimentation, Annales 
des Mines, 8. ser. Vol. 19, 1891, Jan.—Fevr. Paris. S. 35 ff.
	        
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