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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1896, 
werden können. Aus diesem Grunde kann von einem wirklichen Erkennen der 
Sedimentationsvorgänge erst von dem Zeitpunkt an die Rede sein, in dem die 
Kenntnifs dieser Eigenschaft des Meerwassers der Forschung zu Gute kommt. 
Die ersten Untersuchungen über den Gegenstand sind das Verdienst des 
Amerikaners W. H. Sidell. Dieser war Mitglied der „Talcott Survey“, die in den 
Jahren 1837/38 im Mississippi-Delta ähnliche Forschungen anstellte, wie zwanzig 
Jahre später die grofse „Mississippi River Survey“ unter Humphreys und Abbot. 
Sidell machte Versuche, die Schnelligkeit zu bestimmen, mit der im Mündungs- 
gebiet des Mississippi die Ablagerung suspendirter Theilchen vor sich ging. Er 
experimentirte mit Lösungen von Kochsalz, Bittersalz, mit Seewasser und der 
Soole aus den Kratern der mud lumps, ferner mit Schwefelsäure. Er fand nun, 
daßs zum Absatz der Sinkstoffe im unvermischten Flufswasser 10 bis 14 Tage 
nöthig waren, dafs dagegen die Lösungen von Salzen und Säuren schon völlig 
klar wurden in dem kurzen Zeitraum von 12 bis 18 Stunden. Sidell weifs keine 
Erklärung für das Phänomen; er konstatirt nur, dafs lösliche Verbindungen nicht 
eingegangen werden, dafs aber trotzdem die festen "heile sich ungleich schneller 
absetzen als dies durch die Geschwindigkeitsabnahme des fliefsenden Wassers 
allein zu erklären wäre. Hiermit stimmt denn auch die Lage der Barren am 
Treffpunkte von See- und Flulswasser trefflich überein. 
Sidell ist mit seinen nur wenige Zeilen umfassenden Ausführungen der 
erste, der den alten Satz, dafs alle mechanische Sedimentablagerung ausschliefslich 
durch Abnahme der bewegenden Kräfte erfolge, bewufst umgestofßen hat, Gleich- 
zeitig aufgefallen, aber nicht weiter beachtet und verfolgt, ist die Erscheinung 
einem Gefährten Sidells, einem gewissen Meade, der dieselbe zur selben Zeit 
wie jener in seinem Berichte an den Vorsitzenden der Survey, Mr. Talcott, 
erwähnt. !) 
Ein ungünstiges Geschick hat es gewollt, dafs Sidells Entdeckung für 
lange Zeit unbeachtet blieb. Die Berichte des „Talcott Survey“ wurden nicht 
gedruckt, sondern blieben als Manuskript jahrzehntelang liegen. Erst 1861 wurden 
sie dem grofsen „Report on physics and hydraulics of the Mississippi River“ von 
Humphreys und Abbot angehängt, ohne dafs auch jetzt irgend welche Notiz, 
selbst durch die Mitglieder dieser ausgezeichneten Kommission, von ibrem Inhalte 
genommen wäre. Erst eine spätere Zeit hat Sidells Verdienste zu würdigen 
gewulst. 
Seit 1874 erscheinen in rascher Folge, meist unabhängig von Sidell, 
eine ganze Reihe von Veröffentlichungen über das verschiedenartige Verhalten 
von festen Sinkstoffen in reinem Wasser und in solchem mit Zusatz von Salzen 
and Säuren. In fast allen Fällen versuchen die Autoren, eine plausible Erklärung 
dieses verschiedenartigen Verhaltens zu geben, und da zeigt sich denn die inter- 
essante Erscheinung, dafs aufser der Chemie fast sämmtliche Gebiete der Physik 
herangezogen werden, und ferner, da[ls die Anzahl der aufgestellten Theorien 
schliefslich gröfser ist als die der Autoren, indem nämlich einer von diesen den 
Reigen gleich mit zweien eröffnet. 
Dieser Autor ist Durham.?) Er experimentirte in der Weise, dafs er 
mehrere, aufsen mittelst Papierstreifen graduirte Glasröhrchen mit destillirtem 
Wasser füllte, diesem gleiche Mengen weißer Thonerde hinzufügte; darauf jedes 
Gefäfs schüttelte und sie alle ruhig stehen lief. Nach einer bestimmten Zeit 
maß er dann die Höhe, in der die Zahlen auf dem Papierstreifen durch die 
Flüssigkeit zu sehen waren. Durham hält es für wahrscheinlich, dafs der Thon 
bei seinem Fall durch die Wasserschichten infolge der Reibung Elektricität erzeugt 
and dafs, da das Wasser ein schlechter Leiter, die zwischen diesem und dem 
Thon bestehende Spannung stark genug ist, die Partikelchen eine gewisse Zeit 
lang suspendirt zu erhalten. Durch Zusatz eines Salzes oder einer Säure wird 
das Wasser zu einem guten Leiter, die Spannung gleicht sich aus, und der Thon 
fällt zu Boden. Andererseits wird das ınit einem Alkali versetzte Wasser, ob- 
gleich es damit ein besserer Leiter wird, gleichzeitig auch ein vorzüglicher 
Erzeuger von Elektricität, und nur dann fällt der "Thon, wenn durch Zusatz 
404 
) 
Humphreys and Abbot, Report Appendix A., No. 3, S. 18. 
Suspension of clays in water. Chemical News 1874, Vol. XXX, 8. 57.
	        
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