W enle:. Zum -Problem der Sedimentbildung:
haupt ‚und ‘bildet damit. zweifellos einen. wesentlichen Theil der Theorie der Erd-
geschichte selbst. ‘ 0 ;
- Dieser immensen Bedeutung des Gegenstandes entspricht die Beachtung
seitens der wissenschaftlichen. Forschung in früherer Zeit keineswegs, eine That-
sache, ‘die mit grofser Wahrscheinlichkeit in der anscheinend- so- einfachen Natur
der Materie begründet ist. .Die Ablagerung von Sedimenten im Wasser erfolgt
entweder ‚auf mechanischem Wege, indem die schwebenden Bestandtheile sich dort
absetzen, wo die transportirenden Kräfte zu einer weiteren Fortbewegung nicht
mehr ‚ausreichen, oder auf chemischem Wege durch Abscheidung löslicher Stoffe.
Eine dritte Art der Sedimentation erfolgt durch die Kombination beider, indem
die mechanisch ‚abgelagerten Stoffe durch chemisch aufgelöste Cemente verkittet
werden.
Es liegt in der Natur der Sache, dafs von diesen Processen der chemische
eine ungleich gröfsere Anziehungskraft auf die Forschung ausüben mufste als der
mechanische, der- ja-allem Anschein nach ein ungeheuer einfacher Vorgang ist.
Immerhin erscheint es auffallend, dafs auch jener erst spät Gegenstand der exakten
Forschung geworden ist. Zwar besitzen wir. Analysen des Meerwassers schon
aus den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts, jedoch Grund legend ‘für die
Chemie der Sedimentbildung“ sind erst die in den-vierziger und fünfziger Jahren
veröffentlichten ausgezeichneten Untersuchungen eines Forchhammer, Gustav
Bischof und Justus Roth geworden, denen in neuerer Zeit die Arbeiten von
Mellard Reade sich anreihen.
Jüngeren Datums noch als jene Arbeiten sind, wohl eine Folge jener
scheinbaren Einfachheit des Vorganges, die Untersuchungen über die Mechanik
der Sedimentbildung. ‚Ueber das Jahr 1874 geht meines Wissens, mit einer bald
zu erwähnenden Ausnahme, keine der diese Seite des Problems behandelnden
Veröffentlichungen zurück. Seitdem ist dann allerdings die Forschung in Flufs
gerathen, und eine Menge von Publikationen sind erschienen, die deshalb. um so
werthvoller sind, als. sie sich auf. der Autoren eigene, oft über eine lange Reihe
von Jahren sich erstreckende Versuche gründen. Alle diese zahlreichen Arbeiten
aber und besonders die der letzten Jahre zeigen mit erstaunlicher Klarheit, dafs
die Ablagerung schwebender fester Theilchen keineswegs der einfache Vorgang
ist, für den er von. Vielen weit über jenen oben genannten Zeitpunkt hinaus, bis
in unsere Tage hinein, gehalten worden, für den er von Manchen vielleicht ‚noch
jetzt angesehen wird, sondern ein Vorgang, so reich an Komplikationen und ab-
hängig von einer solchen Menge von Faktoren, dafs eine kurze Betrachtung der
hauptsächlichsten iin Frage kommenden Arbeiten geradezu geboten erscheint.
Es ist eine auffallende Thatsache, dafs das aus der mechanischen Zerstörung
der Festländer .hervorgehende Material, also die Abrasionsprodukte der Küsten
und der dem Meere durch die Flüsse zugeführte Detritus, eine verhältnilsmäfsig
schmale Randzone in der Bedeckung des Meeresbodens einnimmt. . Diese „Kon-
tinentalzone des Meeresgrundes“, wie v. Richthofen sie nennt, ist durchschnittlich
etwa 250 km breit, oft erheblich schmaler, andererseits: auch wieder bedeutend
breiter, wie z.; B..an der brasilianischen Küste, wo sie 600 km ' Breite erlangt.
Diese geringe Breitenausdehnung muls deswegen überraschen, weil, rein physikalisch
betrachtet, die. Bedingungen für eine Suspension der festen Theilchen. im Meer
zum Mindesten denen .gleich stehen, welche diese Suspension in den trägen Unter-
läufen. der Ströme hervorrufen. Abgesehen von dem höheren specifischen Gewicht
des Meerwassers ‚ist‘ dieses gerade in den grofsen: oceanischen Becken, in denen
die Kontinentalzone-sich so besonders scharf markirt, derartig intensiven, dauernden
Bewegungen und Erschütterungen. unterworfen, dafs ein Transport mechanisch
beigemengter fester Theilchen über das ganze Areal a priori angenommen werden
könnte. Dafs .dieses nicht der Fall, ist einzig und allein dem hbemerkenswerthen
Umstande: zuzuschreiben, dafs im, Meerwasser die fein vertheilten festen Stoffe
mit einer Geschwindigkeit zu.Boden fallen, die, um nur einen allgemeinen Werth
anzugeben; etwa 15 mal.so grofs ist als diejenige im Sülswasser.
Diese Thatsache ist der Punkt, um, den sich alle: neueren Untersuchungen
drehen, um den sie sich auch drehen müssen, denn sie sind der Grundzug einer
Physiognomie, deren Züge durch Faktoren niederer Ordnung wie Salzgehalt,
Temperatur und Druck des Meerwassers, Menge und Art, Gestalt und Größe der
festen Partikelchen: wohl modificirt, : aber nicht -bis zum Verkennen. verändert
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