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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

W enle:. Zum -Problem der Sedimentbildung: 
haupt ‚und ‘bildet damit. zweifellos einen. wesentlichen Theil der Theorie der Erd- 
geschichte selbst. ‘ 0 ; 
- Dieser immensen Bedeutung des Gegenstandes entspricht die Beachtung 
seitens der wissenschaftlichen. Forschung in früherer Zeit keineswegs, eine That- 
sache, ‘die mit grofser Wahrscheinlichkeit in der anscheinend- so- einfachen Natur 
der Materie begründet ist. .Die Ablagerung von Sedimenten im Wasser erfolgt 
entweder ‚auf mechanischem Wege, indem die schwebenden Bestandtheile sich dort 
absetzen, wo die transportirenden Kräfte zu einer weiteren Fortbewegung nicht 
mehr ‚ausreichen, oder auf chemischem Wege durch Abscheidung löslicher Stoffe. 
Eine dritte Art der Sedimentation erfolgt durch die Kombination beider, indem 
die mechanisch ‚abgelagerten Stoffe durch chemisch aufgelöste Cemente verkittet 
werden. 
Es liegt in der Natur der Sache, dafs von diesen Processen der chemische 
eine ungleich gröfsere Anziehungskraft auf die Forschung ausüben mufste als der 
mechanische, der- ja-allem Anschein nach ein ungeheuer einfacher Vorgang ist. 
Immerhin erscheint es auffallend, dafs auch jener erst spät Gegenstand der exakten 
Forschung geworden ist. Zwar besitzen wir. Analysen des Meerwassers schon 
aus den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts, jedoch Grund legend ‘für die 
Chemie der Sedimentbildung“ sind erst die in den-vierziger und fünfziger Jahren 
veröffentlichten ausgezeichneten Untersuchungen eines Forchhammer, Gustav 
Bischof und Justus Roth geworden, denen in neuerer Zeit die Arbeiten von 
Mellard Reade sich anreihen. 
Jüngeren Datums noch als jene Arbeiten sind, wohl eine Folge jener 
scheinbaren Einfachheit des Vorganges, die Untersuchungen über die Mechanik 
der Sedimentbildung. ‚Ueber das Jahr 1874 geht meines Wissens, mit einer bald 
zu erwähnenden Ausnahme, keine der diese Seite des Problems behandelnden 
Veröffentlichungen zurück. Seitdem ist dann allerdings die Forschung in Flufs 
gerathen, und eine Menge von Publikationen sind erschienen, die deshalb. um so 
werthvoller sind, als. sie sich auf. der Autoren eigene, oft über eine lange Reihe 
von Jahren sich erstreckende Versuche gründen. Alle diese zahlreichen Arbeiten 
aber und besonders die der letzten Jahre zeigen mit erstaunlicher Klarheit, dafs 
die Ablagerung schwebender fester Theilchen keineswegs der einfache Vorgang 
ist, für den er von. Vielen weit über jenen oben genannten Zeitpunkt hinaus, bis 
in unsere Tage hinein, gehalten worden, für den er von Manchen vielleicht ‚noch 
jetzt angesehen wird, sondern ein Vorgang, so reich an Komplikationen und ab- 
hängig von einer solchen Menge von Faktoren, dafs eine kurze Betrachtung der 
hauptsächlichsten iin Frage kommenden Arbeiten geradezu geboten erscheint. 
Es ist eine auffallende Thatsache, dafs das aus der mechanischen Zerstörung 
der Festländer .hervorgehende Material, also die Abrasionsprodukte der Küsten 
und der dem Meere durch die Flüsse zugeführte Detritus, eine verhältnilsmäfsig 
schmale Randzone in der Bedeckung des Meeresbodens einnimmt. . Diese „Kon- 
tinentalzone des Meeresgrundes“, wie v. Richthofen sie nennt, ist durchschnittlich 
etwa 250 km breit, oft erheblich schmaler, andererseits: auch wieder bedeutend 
breiter, wie z.; B..an der brasilianischen Küste, wo sie 600 km ' Breite erlangt. 
Diese geringe Breitenausdehnung muls deswegen überraschen, weil, rein physikalisch 
betrachtet, die. Bedingungen für eine Suspension der festen Theilchen. im Meer 
zum Mindesten denen .gleich stehen, welche diese Suspension in den trägen Unter- 
läufen. der Ströme hervorrufen. Abgesehen von dem höheren specifischen Gewicht 
des Meerwassers ‚ist‘ dieses gerade in den grofsen: oceanischen Becken, in denen 
die Kontinentalzone-sich so besonders scharf markirt, derartig intensiven, dauernden 
Bewegungen und Erschütterungen. unterworfen, dafs ein Transport mechanisch 
beigemengter fester Theilchen über das ganze Areal a priori angenommen werden 
könnte. Dafs .dieses nicht der Fall, ist einzig und allein dem hbemerkenswerthen 
Umstande: zuzuschreiben, dafs im, Meerwasser die fein vertheilten festen Stoffe 
mit einer Geschwindigkeit zu.Boden fallen, die, um nur einen allgemeinen Werth 
anzugeben; etwa 15 mal.so grofs ist als diejenige im Sülswasser. 
Diese Thatsache ist der Punkt, um, den sich alle: neueren Untersuchungen 
drehen, um den sie sich auch drehen müssen, denn sie sind der Grundzug einer 
Physiognomie, deren Züge durch Faktoren niederer Ordnung wie Salzgehalt, 
Temperatur und Druck des Meerwassers, Menge und Art, Gestalt und Größe der 
festen Partikelchen: wohl modificirt, : aber nicht -bis zum Verkennen. verändert 
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