Schott: Das Rothe Meer,
20
Zu Grunde liegt, wie in der Vorrede angegeben ist, fast ganz ausschließlich
Beobachtungsmaterial, welches seit 1869, dem, Eröffnungsjahr des Suez-Kanals,
von Dampfern gesammelt worden ist. Daher kommt es, dafs die Beobachtungen
sich nur auf die Dampferroute, d. i. eine centrale Linie, welche das ganze Rothe
Meer von Norden nach Süden durchschneidet, beziehen. Für die. Zwecke der
Navigation bedeutet dies keinen. Nachtheil, weil ja eben alle Schiffe denselben
Weg verfolgen.
Da die folgenden Mittheilungen auch lediglich dem Nutzen der Schiffahrt
dienen und dem Schiffsführer einen auf langjährigen Erfahrungen beruhenden
Anhalt über die mittleren Verhältnisse geben sollen, welche er bei der Fahrt in
diesem Meere erwarten darf, so wird hier Monat für Monat der wesentliche
Inhalt der Kartenbilder wiedergegeben, wobei theilweise die schon erwähnten,
beigedruckten englischen Textbemerkungen benutzt werden konnten. Das Haupt-
gewicht soll dabei auf die Strombeobachtungen gelegt werden, als diejenige
oceanische Erscheinung, die in einem relativ engen Fahrwasser, wie es das Rothe
Meer doch ist, besondere Aufmerksamkeit und Berücksichtigung verlangt. In
zweiter Linie folgen Angaben über die Windverhältnisse, da dieselben auch für
Dampfer ein unter vielen Umständen sehr wichtiger Faktor sind. Notizen über den
Barometerstand und die Temperatur der Luft wie des Wassers werden nicht im
Text gegeben, sondern zuletzt in der Form von Tabellen mitgetheilt werden, so
dafs man aus ihnen leicht den mittleren, für die jeweilige Jahreszeit normalen
Werth der drei Faktoren entnehmen kann. ;
Es wird hier nicht beabsichtigt, aus diesem Material eine geographische,
zusammenfassende Beschreibung des Rothen Meeres abzuleiten, doch soll am
Schluß auf einige allgemein interessante Resultate hingewiesen werden.
Von Seiten der Marine-Akademie in Fiume ist augenblicklich unter der
Leitung der Herren Professoren Luksch und Wolf auf dem Öösterreichisch-
ungarischen Kriegsschiff „Pola“ eine oceanographische Erforschung zunächst der
nördlichen Hälfte des Rothen Meeres bis Djiddah im Werke; es wird sich dabei
in entsprechender Weise, wie dies schon von denselben Forschern für die Adria
und das ganze östliche Mittelmeer geschehen ist, vorwiegend um wissenschaftliche
Tiefseeforschung handeln, welche von durchaus anderen Gesichtspunkten aus-
geht und in der Hauptsache ‚auch andere Zwecke verfolgt als diejenigen, welche
für die hier besprochene
Materialsammlung durch in
Fahrt gewesene Schiffe mafs-
gebend gewesen sind. ;
Um nicht genöthigt
zu sein, die einzelnen Fel-
der stets nach ihrer geo-
graphischen Breite, bezw.
im Golf von Aden nach
ihrer geographischen Länge
zu bezeichnen, wird . hier
eine Skizze eingefügt. in
welcher durch Buchstaben
lie verschiedenen, aufein-
ander folgenden Flächen
gekennzeichnet *sind.
Nach dem vorliegen-
den Kartenwerk kann die
magnetische Variation oder
Deklination der Magnetnadel
für das ganze Rothe Meer
zu 4° West (1892) ange-
nommen werden, bei einer
jährlichen Abnahme, die 1'/2‘
zu Aden, bis 4‘ zu Suez be-
trägt. ;
B-
F