Darmer: Ostpreufsens Fischereihafen an der samländischen Küste, .- 401
brecher, welcher, wie der Plan angiebt, von dem Lande nordwestlich vom Dorfe
Alknicken ca 350 m weit in südöstlicher Richtung etwa auf Garbseiden zu aus-
läuft und dann in schwacher Kurve dem Lande zubiegt, wird man des bei nord-
östlichen Stürmen auftretenden Soggs wegen nicht auskommen. Es wird daher
rechtwinklig zum Verlauf der Küstenlinie noch ein zweiter 120 bis 130 m langer
Wellenbrecher vom Lande aus gebaut werden müssen, so dafs zwischen den beiden
Molen ‚eine ca 50 m breite in der Richtung SO, also durch das Land völlig
geschützte Einfahrt zu liegen kommt. Der Plan umschliefst am Lande die zur
Zeit von den Fischern. bei Alknicken zum Aufschleppen ihrer Boote benutzten
Stellen. Vor diesen liegt bereits zur Zeit eine Reihe von aufgeschichteten Steinen,
hinter denen die offenen Boote der Fischer Schutz finden und welche ein Auf-
schleppen‘ derselben aufs Land bei Seegang wesentlich erleichtern.
Ich lasse dahingestellt, ob eine gründlichere Untersuchung der Küsten-
beschaffenheit, der Boden- und Tiefenverhältnisse durch einen sachverständigen
Wasserbau-Techniker einen noch günstigeren Platz für die Hafenanlage etwas
weiter ab vom. Dorfe und näher der nordwestlich‘ von diesem liegenden Land-
spitze, von welcher. das mehrfach genannte gröfsere Steinriff ausläuft, ergeben
wird, und empfehle eine solche Untersuchung. -
Nach meiner Ueberzeugung ist kein anderer Ort an der ganzen sam-
ländischen Küste zur Anlage eines .Fischereihafens so geeignet als die Bucht
bei Alknicken. Weder bei Cranz noch bei Klein-Kuhren sind die natürlichen
Verhältnisse so günstig für eine Hafenanlage. Bei beiden: Orten fehlt .der tiefe
Einschnitt in das Land, welcher eine gegen westliche bis nordwestliche Winde,
die ja an unseren Küsten die vorherrschenden sind, geschützte Bucht bildet. Bei
Cranz. ist gegen diese Winde Alles offen, bei Klein-Kuhren würde man noch
einigen Schutz haben. Aber bei Klein-Kuhren bricht die Küste ab, und Steine
sind nicht in annähernd so grofser Menge vorhanden als bei Alknicken; bei
Cranz aber fehlen sie ganz und ebenso jeder natürliche Schutz bei westlichen
Winden. Alknicken liegt nahe der Mitte der samländischen Nordküste, so dafs
Fischer von Cranz sowohl als von Klein- und Grofs-Kuhren nicht einen weiten
Weg .dorthin haben. Alle Fischer, welche bei auflandigem Sturm an dieser
Küste mit Land besetzt werden, werden einen Hafen bei Alknicken als Zufluchts-
und Nothhafen immer zu erreichen vermögen, wenn sie dies rechtzeitig in Aus-
sicht nehmen.
Im Vorstehenden glaube ich das Bedürfnifs zur Anlage eines Fischerei-
und Zufluchtshafens an der Nordküste des Samlandes nachgewiesen zu haben,
Ich rekapitulire noch einmal die Gründe:
Ein Hafen bei Alknicken soll als Stützpunkt für die Hochseefischer dienen.
Erfahrungssatz ist es auch für die Ostsee geworden, die Fischerei, um sie rentabler
zu machen, mehr von der Küste zu verdrängen und weiter hinaus in die offene
See zu verlegen.
Die Fischer bedürfen eines Hafens, wo sie sich von den Anstrengungen
ihrer Fahrten ausruhen und ihre Fahrzeuge in Sicherheit anlegen können,
Die Fischer und auch die Führer anderer Segelfahrzeuge bedürfen ‚eines
Hafens an der eisernen samländischen Küste bei auflandigen Stürmen, um in der
Noth eine Zuflucht zu haben und Leben und Fahrzeug in Sicherheit bringen
zu können. !) ; .
Der Hafen von Alknicken wird voraussichtlich im Winter ebensowenig als
der Hafen: von Hela vom Eise blockirt sein, so daß der Fischfang, so lange die
See vom Eise frei ist, auch betrieben werden kann.
1) Während des Druckes ist mir das Nachstehende über Unglücksfälle an der samländischen
Küste gemeldet und mitgetheilt worden, welches die Nothwendigkeit und den Werth eines Zufluchts-
hafens noch besser als das bereits Mitgetheilte veranschaulichen wird. ‘ ‘
Am 13, Mai d. J., dem Tage vor Himmelfahrt, lagen etwa 15 Hochseekutter, darunter auch
eine pommersche Aalquatze aus Stettin, in der Bucht bei Klein-Kuhren vor Anker, als sich über-
raschend ein Nordsturm erhob, so dafs alle Fahrzeuge flüchten mufsten. Der Wind erreichte um
2 Uhr nachmittags die Stärke 10 bis 11 und flaute um 8 Uhr auf Stärke 9 wieder ab. Das Baro-
meter war nur wenig — von 762 auf 756 mm — gefallen. * ‘ .
Die Mehrzahl der Kutter erreichte Pillau. Einer aus Grofs-Kuhren ging gänzlich verloren,
die Leute ertranken. Eine Leiche ist bei Sassau,. eine zweite bei Grofs-Dirschkeim am 24, Juni an-
getrieben, von dem dritten Mann weils man aber bisher nichts. © Von den‘ anderen Fahrzeugen ist
ferner das pommersche Aalfahrzeug bei Klein-Kuhren und ein Lachskutter aus Klein-Kuhren bei
Anz, d. Hydr. etc... 1896, Heft IX-